So, nun einmal ehrlich: Wusstet ihr schon, dass Murmeltiere quasi einen „Probewinterschlaf“ halten? Oder dass es Gämsen gibt, die es lieben, nur im Wald zu leben? Sehr interessant auch, weshalb die Murmeltiere um diese Jahreszeit aufhören zu fressen. Die Auflösung solcher ‘Naturrätsel’ erfolgt bei einer Wanderung mit Wildbeobachtung im Lüsenstal. Mein Wanderführer: Luis Melmer, der schon legendäre Naturfreund, Jäger und Gastwirt aus Praxmar. Mit ihm wird jeder Spaziergang durch die  spektakuläre Berglandschaft zu einer fantastischen Nachhilfestunde in Sachen alpiner Natur.

Die Hirschbrunft ist in vollem Gang

Jetzt ist wieder die Zeit der Hirschbrunft. In der Nacht, so erzählen mir Einheimische in Praxmar, sei es oft schwer, ungestört Schlaf zu finden. Denn das Röhren der Hirsche ist hier besonders lautstark, hallt es doch noch zigmal von den Felswänden wider. Aber es gibt ja auch Freunde des nächtlich-natürlichen Krawalls. Und die versammeln sich Jahr für Jahr in steigender Zahl im schmucken Alpengasthof Praxmar des Bergsteigerdorfes Sellrain. Hier befindet sich quasi das Hauptquartier des herbstlichen Beobachtungsspektakels. 

Lüsens Wildbeobachtung, Hirschbrunft im Sellraintal in der Nähe von Innsbruck

Wildbeobachter auf dem Weg zum Lüsener Fernerboden

Wildbeobachtung mit Qualitätsgläsern

An diesem schönen Septembermorgen, die nächtliche Hirsch-Orgie ist vorbei, scharen wir uns um Luis Melmer. Er führt heute die Hausgäste seines Alpengasthofs Praxmar durch das Innere Lüsenstal, vorbei an der Lüsener Alm hinauf auf die Langenthaler Alm. Mit etwas Glück, meint er, können wir auf jeden Fall Gämsen sehen. Aber auch Murmeltiere und Steinwild bewohnen das Gebiet und könnten in den Bereich unserer Ferngläser geraten.

Andreas Haider und Luis Melmer bei der Wildbeobachtung im Sellraintal

Die Garanten einer einzigartigen Wanderung zur Wildbeobachtung im Lüsenstal: Andreas Haider (links) und Luis Melmer.

A propos Ferngläser. Bei den Wildbeobachtungswanderungen im Lüsenstal kommen alle Teilnehmer in den Genuss von Ferngläsern der allerbesten Qualität. Das Tiroler Paradeunternehmen Swarovski-Optik stellt dabei nicht nur seine jeweils neuesten ‚Gugger‘, wie die Gläser in Tirol liebevoll genannt werden, zur Verfügung. In der Person von Andreas Haider ist auch gleich ein Spezialist des Unternehmens mit seinem Teleskopglas vor Ort anwesend.

Qualitätsferngläser von Swarovski bei Wildbeobachtung im Lüsental

Swarovski-Gläser bieten für optimale Sichtqualität bei den Wildbeobachtungen im Lüsenstal.

Lawinen als Bodenverbesserer

Wir starten bei der Lüsener Alm in Richtung Lüsener Fernerboden. Denn so heißt der Talabschluss, der als mächtige Barriere vor uns aufsteigt. Der Ferner, also der Gletscher, der noch vor etlichen Jahren von hier aus sichtbar war, hat sich zu unserem Leidwesen auf Nimmerwiedersehen zurückgezogen. Hier beginnt Luis Melmer mit seinen Ausführungen und Erklärungen. Sie sind selbst für Einheimische höchst interessant. Wie zum Beispiel, dass Lawinen auch etwas Gutes haben. So hatte ich das bisher nicht gehört. „Überall, wo Lawinen abgehen, wächst gutes, nahrhaftes Gras“, erklärt uns Luis zu unserer Überraschung. Der Grund: Lawinen rauhen die Grasnarbe leicht auf wodurch im Frühjahr mehr Sauerstoff in den Boden gelangt. Und der wiederum spornt die Wurzeln zu verstärktem Wachstum an.

St. Georgshütte am Lüsener Fernerboden

Die St. Georgshütte wird gerne von Familien für den Urlaub gemietet.

Tannenhäher als Forstwirte

Am Georgsheim vorbei, in dem einst die Pater des Stiftes Wilten ihre Ferien verbrachten, beginnt der Aufstieg auf die Langentaler Alm und das Westfalenhaus. Unser Ziel ist die alte Almhütte, von der aus wir gepflegt und im Sitzen das Wild beobachten können. Bemerkenswert sind die wunderschönen Zirbenwälder, die ab sofort den Weg säumen. Der wertvollste Baum der Alpenregion wird von Vögeln gepflanzt. „Die Tannenhäher sind eigentlich die Baumeister unserer  besten Lawinengalerien“ erläutert Luis. Denn die Vögel sammeln im Herbst die Zirbennüsse und vergraben sie. „Dabei vergessen sie natürlich das eine oder andere Versteck, aus denen dann Zirbenbäumchen sprießen, die uns wiederum vor Lawinen schützen“. Er verweist auf eine bemerkenswerte Anomalie: „Zirbenbäumchen, die aus den Vogelverstecken heraus sprießen, werden vom Rotwild in Ruhe gelassen, während Zuchtbäumchen, die von Förstern gepflanzt werden, immer wieder unter dem Verbiss leiden.“ Weshalb das so ist weiß niemand.

Langtaler Alm im inneren Lüsental

Die Langtaler Alm über dem Lüsenstal ist das Ziel der Wildbeobachtungs-Wanderung mit Luis Melmer.

Bequem von der Sitzbank der Alm aus wird das Langtal mit Ferngläsern erkundet.

Nach einem rund dreiviertelstündigen Aufstieg erreichen wir eine Art Hochebene, aus der sich eine uralte Almhütte erhebt: die Langtaler Alm. Ein majestätisches Bergpanorama umgibt uns, als wir versuchen, die Wildtiere mit unseren Ferngläsern zu orten. Und tatsächlich: eine offensichtlich bestens genährter, geradezu fetter Gamsbock weidet keine 300 Meter von uns entfernt auf einem steilen Hang. Schon beim Aufstieg hatten wir Gämsen gesehen, darunter eine nahezu weiße Gams! Und die waren ebenfalls wohl genährt und damit fit für den Winter.

Wandern samt Wildbeobachtung im Anblick der majestätischen Berge des Lüsenstales.

In den alten Tagen, erklärt Luis, waren die Gämsen im Herbst sehr wichtig für die Bauern. Denn an ihrem Verhalten konnten sie erkennen, ob Schnee im Anzug ist. „Dann sind die Tieren nämlich in Richtung Tal gewandert“, sagt Luis. Apropos Tal. Er erzählt auch, dass es Gämsen gebe, die es vorziehen im Wald zu leben. Was natürlich von den Forstleuten gar nicht gern gesehen werde. Warum das so ist? „Das sind halt faule Hunde“ meint Luis trocken. „Die lassen es sich im Wald gut gehen.“

Wandern und Wildbeobachtung im Angesicht majestätischer Berge.

Wandern und Wildbeobachtung im Angesicht majestätischer Berge.

Luis hatte gehofft, von der Langtaler Alm aus auch Steinwild beobachten zu können. Ausgerechnet heute ist Fehlanzeige. Aber vielleicht haben wir es nur nicht geortet, denn Steinböcke sind aufgrund ihres Fells im Herbst nur äußerst schwer zu sehen. Sie heben sich farblich vor dem braun-grauen Hintergrund kaum ab.

Ein Murmeltier auf einem Vor-Ruhestand

So, als ob er die Wanderer begrüßen wollte, pfeift ein Murmeltierwächter mehrmals laut auf einem Stein sitzend. Er ist schon richtig dick und kugelrund. Zudem zeigt er nicht allzuviel Angst vor uns und genießt bequem die letzten Sonnenstrahlen. “Der bringt jetzt noch das letzte Heu in den Bau”, meint Luis, “verringert seine tägliche Futterration und schläft täglich bis zu 15 Stunden. Quasi als Einstimmung zum Winterschlaf.” Und weshalb fasten die Tiere kurz vor dem Winter? “Sie entleeren ihren Darm um dann den Winter ohne größere Toilettengänge hinter sich zu bringen” sagt er. 

Der Blick auf den Alpengasthof Lüsens und das Lüsental

Der Blick auf den Alpengasthof Lüsens und das Lüsenstal

Der Abstieg von der Langtaler Alm zurück nach Lüsens ist irgendwie spektakulär. Entlang der Baumgrenze führt der Steig talauswärts, vorbei an wuchtig-knorrigen Zirbenbäumen. Tief unten Lüsens mit dem einstigen Sommekloster des Stiftes Wilten, das heute ein Alpengasthaus ist.

Alle Fotos: Werner Kräutler

Meine Tipps:

  • Lüsens ist in mehrfacher Hinsicht ein ‘heißer’ Tipp für den kalten Winter: Einerseits wegen seiner gepflegten Langlaufloipen, die bis ins Frühjahr hinein beste Sportmöglichkeiten bieten:
  • Andererseits wird das Lüsental bei Eiskletterern immer beliebter:
    • https://blog.innsbruck.info/de/menschen-geschichten/eisklettern-nur-fur-echt-wilde-hunde/