Erfunden wurde das „Speckjagern“ in Sistrans. Kein Wunder, dort gibt es ein Faible für Skibergsteigen und die weit und breit beste Landmetzgerei.

Speckjagern

Beim Speckjagern geht es um die Wurst, sprich den Speck! Foto: SV Sistrans

Was machen eigentlich Skibergsteiger auch Verticaler genannt? Verticaler bzw. Skibergsteiger laufen mit (Renn)-Tourenski die Skiberge hoch. Verticals können auch mehrere Aufstiege und Skiabfahrten beinhalten, daher müssen Verticaler auch extrem schnell beim Auf- und Abfellen sein. So ein Vertical Race namens Speckjagern  fand kürzlich auf der Muttereralm statt. Die rund 170 Teilnehmer*innen “liefen” mit aufgefellten Tourenski von der Talstation zur Bergstation der Muttereralm. Abfahrt war diesmal keine dabei und zur Belohnung bzw. als Siegertrophäe winkte echter Tiroler Speck.

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Und das ist auch der Grund warum das “Speckjagern” ein etwas anderes Tourenski-Rennen ist als andere. Speck als Belohnung spornt selbst einstige Olympiasieger an. 24.37 Minuten benötigte  Christian Hoffmann für die Strecke auf die Muttereralm oberhalb von Innsbruck. Der österreichische Langlauf-Olympiasieger holte sich damit nicht nur den Tagessieg beim Speckjagern und damit auch die Specktrophäe der Landmetzgerei Piegger in Sistrans, sondern auch den Titel Österreichischer Staatsmeister im Vertical Race. Bester Tiroler wurde Armin Neurauter als Vierter.

Christian Hoffmann

Sieger beim Speckjagern 2016 Christian Hoffmann Foto: skimo.at

Im Rahmen des Speckjagern 2016 wurden nämlich auch die Österreichische Skibergsteiger- Staatsmeisterschaft in der Disziplin Vertical ausgetragen. 650 Höhenmeter hatten die Teilnehmer*innen aus Österreich, Deutschland, Italien, Rumänien, Schweden und Spanien auf der Jagd nach dem Speck und den Meistertiteln zu überwinden. Bei den Damen holte sich den Berglauf-Weltmeisterin Andrea Mayr aus Wels in einer Zeit von 31,18 Minuten den Tagessieg und Staatsmeistertitel.

Speckjagern 2016 Rennvorbereitung

Die Rennvorbereitungen laufen auf Hochtouren Foto: Egger

Kurz vor Start des Skitouren-Rennens der am Samstag nachmittag um 15.45 Uhr angesetzt war, treffe ich bei der Talstation der Muttereralm zum einen auf geschäftiges Rennvorbereitungstreiben und auf Helmut Eichholzer. Der Sportler fällt mir auf, weil er – eh klar – einen Rennanzug trägt, von einem Kameramann laufend Anweisungen für Anmoderationen erhält und es wird ihm eine Helmkamera montiert. Dieser Mann muss also wichtig sein. Er ist es tatsächlich.

Helmut Eichholzer - Speckjagern 2016

Speckjagern-Teilnehmer und weltbester Paragleiter Helmut Eichholzer Foto: Egger

Helmut Eicholzer nimmt am Speckjagern 2016 teil, berichtet dafür mit persönlichen Eindrücken und Eindrücken von der Helmkamera auf ORF Sport Plus und ist, wie mir der Kameramann verrät, weltbester Paragleiter und derzeit auf Platz 1 der Weltrangliste. Ob er ein ebenso guter Verticaler ist, verneint Helmut und übt sich in Understatement. Ich habe auf der Ergebnisliste nachgesehen, Helmut jagte mit einer Zeit von 28,07 nach dem Speck und gab dem Innsbruck Blog kurz vor dem Start ein kures Interview:

 

Das Speckjagern kann übrigens schon auf eine längere Tradition verweisen. Organisiert wurde das Speckjagern erstmals 1997 vom Sportverein Sistrans. Damals versammelte sich die „Ausdauer-Szene“ mit 73 Sportler*innen am Fuße des Innsbrucker Patscherkofels, um sich mit Tourenski und zum Teil auch mit Langlaufski hinauf zum Schutzhaus zu matchen. Die damalige Siegerzeit von Peter Kühr betrug 40.32 Minuten. Insgesamt hat der SV Sistrans das Speckjagern sechsmal durchgeführt bis es 2003 „eingeschlafen“ ist.

Verticaler sind Skibergsteiger

Verticaler sind Skibergsteiger mit Ausdauer, Kondition und Geschicklichkeit beim Auf- und Abfellen Foto: skimo.at

Dass das Speckjagern nicht irgendein Skirennen ist, zeigt sich schon daran, dass die Sieger anstatt mit den üblichen Trophäen mit Speck der Landmetzgerei Piegger belohnt wurden. Warum das Speckjagern so besonders ist, dass erzählte mir auch OK-Chef Werner Brugger vom SV Sistrans, ebenfalls kurz vor dem Start:

 

Dass das „Speckjagern“ einschlief, das durfte natürlich nicht sein. Und da man sich auf dem Land und in den südlichen Feriendörfern und da ganz besonders in Aldrans und Sistrans gerne an Traditionen erinnert und sie noch lieber wiederbelebt, haben sich die Sportvereine Sistrans und Aldrans (SV Sistrans und RC Aldrans, Radclub Aldrans, Zweigverein des SV Aldrans) zusammengetan und versuchen seit 2015 den einzigartigen Charakter des Speckjagerns wiederzubeleben. Das ist gelungen! 2015 wurde am Patscherkofel erfolgreich nach Speck gejagt und am 9. Jänner 2016 auf der Muttereralm.

Landmetzgerei Piegger

Landmetzgerei Piegger in Sistrans Foto: Piegger

TIPP: Alle Infos über Ergebnisse des Speckjagerns, Rennberichte und Fotos gibt es auf Skimo Austria und auf den Homepages des SV Sistrans und des RC Aldrans.

Fotos: ©SV Sistrans, ©skimo.at, ©Barbara Egger, ©Piegger