Kinder lassen sich nicht immer ganz einfach zum Wandern motivieren, meine zu mindestens nicht. Natürlich ist jedes anders, manch einem wurde das Bergsteigergen bereits in die Wiege gelegt, aber ich glaube, bei meinen Jungs kommen da doch ihre holländischen Gene durch. Gott sei Dank gibt es Bergbahnen und man kann Höhenluft ganz ohne Anstrengung schnuppern. Aber darum soll es in diesem Artikel nicht gehen. Da ich ein absoluter Wanderfan bin und lange Spaziergänge liebe, bin ich immer auf der Suche nach Wegen, die auch meine zwei Banausen gut schaffen und die im besten Fall kinderwagentauglich sind. Wenn sie dann auch noch ein interessantes Ziel haben oder es sich um einen „Erlebnispfad“ (man könnte auch Lehrpfad sagen, aber das klingt zu sehr nach Schule) handelt, sind alle glücklich.

 

Natur pur am Mieminger Plateau

Wer schon den ein oder anderen Artikel von mir gelesen hat weiß, ich liebe das Mieminger Plateau. Egal zu welcher Jahreszeit, ich bin immer gerne dort. Das liegt vor allem an der wundervollen Natur, den märchenhaften Lärchenwäldern (seht euch bitte diese Bilder von Danijel an) und den vielen tollen Wander- und Spazierwegen. Die meisten sind auch für Familien bestens geeignet (hier zum Beispiel eine unserer Lieblingsrouten).

Den Alpinpark Angertalweg habe ich erst vor kurzem entdeckt. Es handelt sich um einen Rundwanderweg mit 10 Schautafeln. Diese zeigen eindrucksvoll das Zusammenhängen zwischen Umweltfaktoren und Anpassungen im Wald – ein Thema, mit dem sich schon die Kleinsten befassen können. Ehrlicherweise muss ich gestehen, wir haben nicht jede Tafel genauestens studiert, sondern uns einfach das herausgepickt, was meinen Großen am meisten interessiert hat.

Er ist ein riesengroßer Dino- und Urzeitfan. Das Thema „Jurassic Park der Botanik“ hat ihn zum Beispiel um einiges mehr fasziniert als der „Wirtschaftsfaktor Wald“. Der Kleine hat da noch keine allzu hohen Ansprüche, er eifert seinem Bruder nach und findet toll, was der toll findet. Allerdings ist er etwas gehfaul, so ist es super, dass der Weg absolut kinderwagentauglich ist! Ein weiter Vorteil ist, dass er großteils im Wald liegt und dadurch wunderbar schattig ist – gerade im Sommer an heißen Tagen perfekt!

Rundwanderweg Alpinpark Angertalweg

Der Weg ist breit und kinderwagentauglich, an manchen Stellen wird es allerdings etwas enger und holpriger.

Lehrpfad Alpinpark Angertalweg

Gestartet wird beim Recyclinghof Wildermieming, gleich zu Beginn findet man eine Tafel mit der Wegbeschreibung des Rundwanderwegs. Der Pfad ist gut beschildert, verlaufen ist daher schwer. Man wandert vom Recyclinghof am Gerhardhof vorbei und in einem großen Bogen wieder retour nach Wildermieming, wo sich mitten im Dorf die letzte Station befindet.

Zu meiner Schande muss ich aber gestehen, dass wir diese ausgelassen haben. Wir waren an einem wirklich heißen Tag unterwegs, und obwohl der Großteil des Weges, wie gesagt, wunderbar schattig durch den Wald verläuft, ist das letzte Stückchen doch sehr sonnig. Meine Männer hatten einfach keine Lust mehr und so haben wir ein bisschen geschummelt und abgekürzt. Aber ich bin mir sicher, der Alpinpark Angertalweg hat uns nicht zum letzten Mal gesehen und beim nächsten Mal schauen wir uns auch die „Vogelwelt im Dorf“ an.

Ein sagenumwobener Ort in Rinn

Die Wanderung zur Rinner Teufelsmühle führt zu einem sagenumwobenen Ort. Erbaut wurde sie der Legende nach mit Hilfe des Teufels höchstpersönlich. In Tirol spinnen sich um einige Orte spannende Mythen und Sagen. Als Kind habe ich solche Geschichten geliebt und fand es wahnsinnig spannend, wenn unsere Mutter uns bei einer Wanderung die zum Ausflugsziel passende Sage erzählen konnte.

Wenn ihr nun also zur Teufelsmühle wandert und eure Kinder Geschichten genauso lieben wie ich damals, könnt ihr ihnen folgende Sage erzählen (mein Sohn fand sie allerdings etwas gruslig, denn schließlich kommt der Teufel darin vor): Ein Bauer möchte eine Mühle bauen, doch leider hat er dafür zu wenig Geld und so schließt er einen Pakt mit dem Teufel. Dieser soll ihm beim Bau der Mühle helfen, im Gegenzug erhält der Teufel seine Seele. Einzige Bedingung: Die Mühle muss binnen einer Nacht noch vor dem ersten Hahnenschrei erbaut werden. Der Teufel stellt sich der Herausforderung und macht sich gleich ans Werk. In wenigen Stunden erbaut er die Mühle und bricht gegen drei Uhr morgens auf, den noch fehlenden Mühlstein aus dem Inntal zu holen. Als er ihn nun mühsam auf die Höhe gebracht hat, erklingt das erste „Kikeriki“. Wutentbrannt stößt er den Mühlstein zurück. Der Bauer lacht und nennt seinen neuen Besitz fortan die „Teufelsmühle“.

Blick aufs Karwendel

Wander mit Blick aufs Karwendel!

Viele Wege führen zur Teufelsmühle

Es gibt viele tolle Wanderwege rund um die Teufelsmühle. Idyllisch, mit Blick aufs Karwendel wandert man von Tulfes, am Lavierenbad vorbei, anschließend durch Rinn, bis zu den Mooshöfen und dann den Waldweg westwärts bis zur Teufelsmühle und wieder retour. Hier sollte man pro Strecke ungefähr ein bis eineinhalb Stunden einplanen.


Unsere bevorzugte Runde startet in Rinn beim Sportplatz (hier kann man auch parken). Wir wandern durch den Wald nach Judenstein, weiter zu den Mooshöfen, dem beschilderten Wald- und Feldweg folgend bis zur Teufelsmühle und retour geht’s an den Wiesenhöfen vorbei zurück nach Rinn. Eine nette Runde, und wer mag, kann beim Gasthaus Wiesenhof einkehren, um sich eine kleine beziehungsweise große Stärkung zu gönnen. Je nachdem, wie schnell oder – wie in unserem Fall – wie langsam man geht, benötigt man für die ganze Runde eineinhalb bis zwei Stunden.

 

Informationen:

Alpinpark Angertalweg
Ausgangspunkt: „Recyclinghof“ Wildermieming
Endpunkt: „Recyclinghof“ Wildermieming
Gehzeit: 1,5 Stunden
Anreise mit dem Auto: Parkplatz beim Recyclinghof
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Mit der Buslinie 4176 von Innsbruck nach Wildermieming/ Haltestelle Abzweigung Gerhardhof

Teufelsmühle
Ausgangspunkt: Parkplatz beim Sportplatz Rinn
Endpunkt: Parkplatz beim Sportplatz Rinn
Gehzeit: 1,5 Stunden
Anreise mit dem Auto: ein Parkplatz befindet sich kurz vorm Sportplatz am Krößbach
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Mit der Buslinie 4134 von Innsbruck nach Rinn/ Haltestelle Volksschule

Alle Fotos, wenn nichts anderes angegeben: ©Elisabeth Siegl