Tiervideos von ruchlosen Honigdachsen, verspielten Elchjungen oder Fotos von Katzenbabies. Es muss im tiefen Inneren des Menschen verankert sein, dass wir uns instinktiv dafür interessieren und dieses Interesse miteinander teilen. Egal ob alt oder jung, Fakten aus der Tierwelt faszinieren und bereichern unseren Alltag.

Mein erster Fehler beim Betreten des Alpenzoos ist die Annahme in zwei Stunden wieder in der Stadt zu sein. Sicherlich wäre das möglich gewesen. Aber wer kann zum Beispiel schon dem ohrenbetäubenden Quaken der Seefrösche widerstehen (damit habe selbst ich nicht gerechnet)? Der Alpenzoo ist einer dieser Plätze an denen man die Zeit aus den Augen verliert vor lauter Warten (ob sich doch noch wer im Gehege rührt), Beobachten (ja, da bewegt sich was) und Staunen (oh, das können die?).

Es ist Sommeranfang. Die Zeit im Jahr in der ein großer Teil der Tierwelt seine Nachkommen das Licht der Welt erblicken lässt, oder diese bereits einige Wochen alt sind. Mit dem Ziel möglichst viele Tierbabies zu erspähen, drehe ich also meine Runden durch den Zoo.

Hanna Steinlechner, eine der Tierpflegerinnen im Alpenzoo, ist so nett mir die Auerhennen zu zeigen. Eine von ihnen brütet gerade einige Eier aus, die Mitte Juni schlüpfen werden. Unweit entfernt versteckt sich Mathilde hinter einem Busch. Farblich gut getarnt, hat der Schneehase sein weißes Fell gegen einen braunen Sommer-Look eingetauscht. Nur ein paar Flecken verraten ihn noch. Zwei Tannenhäher (das sind übrigens putzige kleine Singvögel) fliegen im Käfig auf und ab – einer von ihnen mit einer großen Nuss im Schnabel. „Manchmal füttern die beiden sich gegenseitig“ sagt Hanna und ich frage zugegeben etwas naiv nach “Warum?“ und denke dabei an mögliche praktische Gründe. Falsch gelegen, die richtige Antwort lautet natürlich: Liebe. Oh.

Mathilda, der Schneehase im gut getarnten Sommer-Look.

Mathilda, der Schneehase im gut getarnten Sommer-Look.

Im Gamsgehege

Am einfachsten sind die Gamskitze bei der Fütterung zu beobachten. Dann springen sie neben ihren Müttern umher, knapp zwei Wochen sind sie nun auf der Welt und mit ihren Kletterschuhen aus harten Hufen mit weicher Sohle, bereits wahre Meister am Fels. Es ist bestimmt keine Minute vergangen, in der nicht die Worte “lieb”, “süß”, “herzig” oder “Mama, darf ich so eins als Haustier haben?” gefallen sind.

Hallo die kleine Gams!

Hallo die kleine Gams!

Na, was machst denn du da?

Na, was machst denn du da?

Bei den Steinböcken

Die Steinbock-Kitze mit ihrem verwuschelten Teddy-Fell hingegen sind etwas scheu. Aber auch sie zeigen sich mit ihren Müttern als der Pfleger etwas Futter in das Gehege legt. Damit die Muttertiere in Ruhe fressen können, übernimmt immer eine von ihnen die Rolle der Kindergartentante. In der Zeit passt sie auf die Kitze auf, während die anderen sich stärken. Eine trächtige Geiß mit dickem Bauch ist auch dabei. Manchmal gebären die Tiere sogar untertags im Gehege, ein ganz besonderes Erlebnis für Besucher, die zu dem Zeitpunkt im Zoo sind.

Schaut unbequem aus, scheint aber zu schmecken.

Kopfüber. Schaut unbequem aus, scheint aber zu schmecken.

So klein und schon so sicher am Fels unterwegs.

So klein und schon so sicher am Fels unterwegs.

Komm, sagt die Kindergartentante.

“Komm mit”, sagt die Kindergartentante.

Im 18. Jahrhundert waren die Steinböcke fast komplett ausgerottet, da man aus dem Blut, den mächtigen Hörnern und den sogenannten Bezoarkugeln (Ball abgeleckter Haare aus dem Magen) alle möglichen Heilmittel gewann. Nur rund 60 Tiere überlebten unter dem Schutz des italienischen Königs in Grand Paradiso. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts werden sie nun nachgezüchtet und ausgesetzt. 35.000 gibt es mittlerweile wieder in Österreich. Maximal 3-4 Jahre dürfen sie alt sein, um sich nach dem Aussetzen in der freien Natur zurecht finden zu können und auch aus dem Alpenzoo werden immer wieder Jungtiere ausgesetzt.

Im Stall

Immer wieder schön ist für mich ein Besuch im Hausstall des Zoos. Auch wenn Kühe, Schafe, Schweine, Ziegen und Hühner keine fremden Tiere sind, ist es doch schön, sie aus der Nähe zu beobachten und zu streicheln. Auch hier gibt es jetzt Nachwuchs, zum Beispiel bei den Kälbern und den “Pipperlen”, die auf Tirolerisch im Erwachsenenalter übrigens Goggelen (Eier) legen.

Blick in den Hühnerstall.

Blick in den Hühnerstall.

Kleiner Kuh-Chat.

Kleiner Kuh-Chat.

Oh so durstig.

Oh, so durstig ist die Ziege an diesem heißen Sommertag.

Die Frösche

Weniger putzig ist der Kaulquappen-Nachwuchs bei den Fröschen. Umso beeindruckender dafür das ohrenbetäubende Quaken der Tiere. Manchmal ist es auch still im Becken. Aber dann muss man nur ein bisschen warten, dann geht es wieder los. Und zwar in voller Lautstärke mit Verstärker. Da können selbst (sehr laut) quengelnde Kleinkinder nicht mithalten. Tipp: einen Stock weitere oben im Restaurant lassen sich hungrige Mägen und quengelnde Kinder zufrieden stellen, während man nicht auf das Quaken der Frösche verzichten muss!

Klein, aber oho!

Klein, aber oho!

Die Sensation bei den fliegenden Edelsteinen – den Eisvögeln

Zu guter Letzt statte ich dem Eisvogel-Käfig einen Besuch ab. Es ist ein wenig dunkel und der Käfig recht unauffällig von außen. Dabei versteckt sich hier eine kleine Sensation: erstmals sind im Alpenzoo vier junge Eisvögel geschlüpft, die sich eine ganze Weile (4 Wochen!) vor Paparazzi in der Bruthöhle versteckt haben. Jetzt haben sie die Bruthöhle verlassen und zeigen sich der Öffentlichkeit! Drei Wochen lang wurden die Eier von den beiden Altvögeln ausgebrütet. Nun werden sie vom männlichen Elternvogel versogt und fressen bereits selbstständig kleine Fischchen und Insekten. Das Weibchen hingegen ist inzwischen in der zweiten Nisthöhle und brütet dort gleich 7 (!) neue Eier aus.

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Der Eisvogel. Foto: A.Schestak/Alpenzoo.

Der Eisvogel. Foto: A.Schestak/Alpenzoo.

Ein hübscher Nachwuchs, oder? Foto: A.Schestak/Alpenzoo.

Ich könnte euch jetzt noch von dem großen Bären erzählen und den Japanern, die ungläubig vor dem großen Glasfenster standen und jedes Mal drei Schritte nach hinten gesprungen sind, als der Bär vorbei getrottet ist. Oder vom Wolf, der sich wie ein Hund gerade geputzt hat. Oder dem Fischotter, der sich in seiner Wärmehöhle gedreht hat, bis er endlich gut gelegen ist zum Einschlafen.

Oder…

…du schaust am besten selbst vorbei und erzählt uns dann, was dir am besten gefallen hat in einem Kommentar.

Over and out. Bis bald im Alpenzoo?

Over and out. Fotoshooting ist vorbei, jetzt wird wieder gefressen.

Weitere Informationen:

 

Vielen Dank an Direktor Dr Michael Martys und das Team vom Alpenzoo für die nette und hilfreiche Unterstützung bei der Recherche! 

Alle Fotos (wenn nicht anders angegeben): Lea Hajner