Zugegeben, Innsbruck ist nicht famos für Wassersport. Wie denn auch? Wir haben keinen großen See. Aber es gibt den Inn, die Ruetz, den Natterer See und die Sill. Stand Up Paddling (SUP), Yoga, Rafting und Kajaking mit Alexa und Anne inklusive – einfach nur geschmeidig.

Entspannte Balance

Yo! Freiheit, chillen, Coolness, das ist der Lifestyle des Surfens. Nicht jeder lebt jedoch am Strand, oder fährt drei Mal im Jahr nach Portugal. Freilich gibt´s den Gardasee, wenn auch nicht gerade ums Eck. Viele wollen dennoch irgendwie chillen und Coolness: Man nehme ein Brett, das in einigen kreativen Variationen anders als üblich verwendet wird, und schon kommt man ihr näher. So entstand wohl Yoga am Surfbrett und SUP. Das ist jetzt meine Theorie.

SUP Natterer See

Alexa bei der Krieger-Pose des Yoga, mit der die Standfestigkeit trainiert werden soll. Foto: Vil Yoda.

„Hi Vil!“, ruft Alexa Barton vom Brett mitten am Natterer See, als sie gerade mit einer Gruppe dahinpaddelt. Sieht leicht aus, ist aber schwer, denn das Board braucht Geschick, damit es stabil bleibt. „Für mich ist es eine behutsame Art, meinen Körper zu trainieren, denn das Brett ist instabil und verlangt Konzentration sowie Achtsamkeit.“ Das Gleiche gilt übrigens fürs Yoga. Auch das ist ein angenehmer Zeitgeist, der dem eiligen Alltag trotzt. „Das bewegliche Brett wird zur Yogamatte, aktiviert den Rumpf und die Muskeln im ganzen Körper“, schwärmt Alexa. „Für mich wirkt es therapeutisch, alleine schon, weil du Yoga in der Natur machst.“

SUP Natterer See

Die drei haben es am Surfbrett sichtlich fein und genießen die letzten Sonnenstunden am Natterer See. Foto: Vil Yoda.

Bevor ihr fragt: Ja, ich bin am Brett gestanden und ja, ich war eine Mischung aus Louis de Funes und einem zu dicken Buddha.

 

Details Stand Up Paddling und Yoga

SUP könnt ihr ab ca. 25 Euro pro Stunde am Nattere See in Innsbruck. Um 5 Euro pro halbe Stunde macht euch Alexa eine kleine Einführung zum Kennenlernen. Yoga gibt’s ab 35 Euro pro Stunde. Der Eintritt zum See ist dabei nicht enthalten. Besonders empfehlenswert sind die Kurse am Vormittag, weil weniger los ist. Nachtmittags ist reservieren sinnvoll. Alexa ist eine pfiffige Engländerin, die wegen der Liebe zur Natur und Bewegung nach Innsbruck zog. Sie ist qualifizierter SUP Instructor, SUP Yoga Instructor und Yoga Sports Coach. Ihr seid in sanften Händen.

Koordinaten
SUP IN MOTION

Natterer See
A-6161 Natters
E. info@supinmotion.com
T. +43 (0) 699 191 663
F. SUP in Motion
www.supinmotion.com

 

SUP Natterer See

Irgendwann hat auch Alexa genug  gepaddelt und springt vom Brett. Foto: Vil Yoda.

Wildwasser Overkill

„Innsbruck zählt zu einer der fünf Top-Spots fürs Kajaking und Raften; nur wenige wissen das“, ist das Erste, was mir Anne Stevens am Treffpunkt in Neustift erzählt. No! Anne ist nicht auch aus England, sondern aus Ost(!)friesland und kam wegen dem guten Wildwasser hierher. „Zieh dich um, wir müssen los!“, mahnt sie mich. Ich quetsche mich in das sexy Neopren-Outfit, wir tragen die zwei Rafts ans Wasser und hauen uns über die Böschung in die Ruetz. Alles, was zu tun ist, bekommen wir gesagt: „Paddeln! Vorwärts! Rückwärts! Ins Boot!“, donnert es von hinten im Raft; Anne gibt das Kommando. „Im Boot muss es schnell gehen. Demokratie lebt woanders“, sagt sie mir in einer ruhigen Minute am Wasser. Bevor ihr Schiss bekommt – die Ost(!)friesin ist sonst „ganz a Feine“ (= freundlich, gemütlich, umgänglich), aber im Boot muss jeder zur eigenen Sicherheit tun, was sie sagt. „Du wirst schon noch sehen warum“, grinst sie. Bevor ich das erfahre, gehen wir noch schwimmen. Die Ruetz ist kalt. Klein kalt…

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Ich glaube, Bildunterschrift braucht es hier keine mehr. Foto: Vil Joda.

Wir treiben weiter und ich weiß wohin: hinunter; nicht ahnend, dass das Unheilvolle noch bevorsteht. „Gleich knallt es ordentlich!“, lacht Anne. Es rauscht. Es ist laut. Wir folgen ihren Orders. „Vorwärts!“, ruft sie, als wir uns Sodom und Gomorrha nähern: Whitewater, heißt es auf Englisch, Wildwasser zu Deutsch. Beides beschreibt seine Eigenschaft treffend: Tosende Stromschnellen oder Rapids sind Stellen, an denen das Wasser sehr schnell fließt. Das Gefälle nimmt zu, das Flussbett wird enger, das Raft fährt gegen einen Felsblock im Wasser. Anne rudert kurz hinten. Wir treiben seitwärts daran vorbei. „Siehst du, deswegen bin ich hierher gezogen. Ihr Einheimischen wisst oft nicht, wie gut ihr es habt“, sagt Lady Anne trocken norddeutsch, als wir elegant vorbei manövrieren. Sie lächelt dabei. Ich bin erleichtert, aber ordentlich Spaß macht´s fix. Vor uns liegen noch weitere Rapids. Huhu…

 

Details

Raften könnt ihr auf der Ruetz von Mai bis September vier Mal täglich um nur 45 Euro. Eine Buchung am Tag davor ist unbedingt nötig. Level: Wildwasser Stufe III – IV (auf einer Skala von I – VI). Fahrt am Raft: 1 Stunde. Dauer insgesamt: 2-3 Stunden. Streckenlänge: 6,7 km. Ihr solltet gesund sein, schwimmen können und müsst 14 Jahre alt sein. Die komplette Ausrüstung bekommt ihr vor Ort. Außerdem könnt ihr mit der Kajakschule SOURCE TO SEA raften mit Kindern, sowie Sightseeing am Raft am Inn mitmachen. Dort knallt es nicht, aber es ist mehr als dekadent, das Sightseeing vom Wasser aus zu be-treiben. Durch ganz Innsbruck geht es ab Völs (Cyta Shopping Center) bis nach Rum. Anne ist staatlich geprüfter Rafting Guide. Ihr seid in sicheren Händen.

Koordinaten
Kajakschule SOURCE TO SEA

Natterersee 1
6161 Natters
T. +43 (0) 64 / 75 00 7637
M. info@kayak-tyrol.com
F. S2S
www.s2s.at/rafting

 

In eigener Sache: Die Ruetz soll tatsächlich abgeleitet werden. Mit Rafting und Kajaking wäre dann Schluss. Die Natur der Ruetz als Hauptzufluss zur Sill würde drunter leiden. Wassersportler und Umweltschützer haben den Verein „wet – Wildwasser erhalten tirol“ gegründet und kämpfen für das Wasser. Weitere Infos unter: stubaiwasser.at

 

 

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Das ist Anne Stevens aus Ost(!)friesland. Beruflich schreit sie mit Leuten. Foto: Vil Joda.

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Anne muss wirklich schreien, weil sie sonst keiner hört. Aber privat ist sie glaube ich ganz a Feine…. Foto: Vil Joda.

Anne schreit beruflich mit Leuten, speziell als wir um den Stein fuhren. Foto: Vil Joda.

Speziell als wir um den Stein fuhren wurde sie laut – auch das Wasser war nicht leise. Foto: Vil Joda.