Kompetenz.Zentrum für Kaspress.Knödel und Kult.Alm von Innsbruck

Bernhard Schlechter ist Tiroler mit Migrationshintergrund – ein Österreicher, der ins Heilige Land ausgewandert ist. Trotzdem darf er die Höttinger Alm führen und macht das sehr gut. Besucher finden hier exzellente Tiroler Küche, einen traumhaften Blick auf die Stadt, wohlverdiente Erholung und haben interessante Begegnungen.

Nach ca. 700 Höhenmetern steige ich verschwitzt und zufrieden vom Mountainbike, die Sonne scheint und in der Hütte ist es fein kühl. Bernhard drückt mir gleich ein Weißbier in die Hand: das Elektrolyt für Radler. Die Gäste begrüßen mich freundlich, ich grüße zurück. Tiroler machen das so in den Bergen, auch bei Fremden, aber man kennt sich hier ohnedies. Hinsetzen, Speisekarte anschauen – ich weiß sowieso was ich esse und trinke. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich auch.

Höttinger Alm

Er blickt dort hinunter, wo sich die Menschen der Stadt treffen, ob zu Fuß oder per Fahrrad, die Höttinger Alm ist die Kultalm von Innsbruck.

Köstlich.Keiten

Ich gestehe, ich bin ein Fan der Höttinger Alm, besonders wegen des guten Essens: Alles ist frisch, die Produkte sind aus der Region und die Küche gilt als Geheimtipp unter Einheimischen. „In den Kaspressknödeln ist viel Käse, den Speck der Speckknödel muss keiner suchen, unser Graukäse kommt von der benachbarten Möslalm und die Hauswürste werden aus dem Fleisch unserer Hochlandrinder gemacht,“ zählt Bernhard auf. Ich kann alles bestätigen, er sagt die Wahrheit. Hüttenwirten darf man nämlich nicht immer alles glauben, habe ich mal gehört.

Höttinger Alm

Hinter der Durchreiche befindet sich die Küche, in der die Schmankerln der Höttinger Alm entstehen.

Kipa.Sherpa

So heißt der Herr, ein Nepalese, der im Sommer auf der Alm anzutreffen ist. „Habt’s jetzt schon einen Chinesen auf der Hütte?“, haben so manche Tiroler spöttisch gemeint. Eigentlich ist es ein Zeichen der Anerkennung – auf Tirolerisch allerdings. „Die Sherpas kommen im Sommer nach Tirol und lernen hier alles über Hygiene, Mülltrennung, Wiederverwertung und natürlich auch kochen“, erzählt Bernhard. Ihr Wissen nehmen sie mit nach Hause. Wir sind nämlich ein Vorzeigeland, wenn es um hochwertige Almwirtschaft geht und geben unser Wissen gerne weiter. Die Hüttenwirte lernen aber auch von den Sherpas: asiatische Ruhe, Gelassenheit und die auffallende Freundlichkeit.

Bernhard hat auch schon eine Idee für seine Pension: „Vielleicht mache ich eine Knödelstube in Nepal auf.“ Bis dahin zaubert Kipa Sherpa im Juli und August jeden Donnerstag ab 17 Uhr feinstes Momo und Dal Bhat aus Nepal, welches ihr unbedingt kosten solltet. Momo ist eine Teigtasche, die an Ravioli erinnert: Neben fleischlosen Füllungen sind Ziegen-, Hühner- oder Schweinefleisch sehr beliebt. Dal Bhat ist eine Art Linsensuppe mit Reis und Gemüse. Wieder geht’s ums gute Essen, aber auch um Völkerverständigung oder Kultur. Die Idee, Sherpas nach Tirol einzuladen, stammt von den Bergsteigerlegenden Wolfgang Nairz und Peter Habeler, beides Bekannte von Bernhard.

Höttinger Alm

Bernhard und Kipa Sherpa bei der Arbeit: Ohne Holz keine Feuer und kein Essen, Foto: Höttinger Alm.

Stütz.Punkt

Die Höttinger Alm ist ein Naherholungsraum für Einheimische. Ihr müsst schon ein wenig sportlich sein, um hier raufzukommen. Mit dem Mountainbike und auch zu Fuß dauert es von Innsbruck ca. 2 Stunden – Profis brauchen 55 Minuten, von denen es einige gibt. „Unsere Gäste sind Menschen, die bewusst gesund leben und etwas Gutes essen wollen“, betont Bernhard. Saufalm ist die Höttinger keine – dafür liegt sie schon zu hoch. Das ist auch gut so! Die Gäste sind daher sehr angehnehme und sportliche Typen, Jung und Alte, Einheimische und viele Studenten – schnell kommt ihr hier ins Gespräch. Am Abend nach der Arbeit trefft ihr die Bewohner der Alpenstadt, die knackig raufradln und gemütlich essen. Jung ist auch das Personal: „Sie bringen Schwung auf die Alm, sprechen die Sprache ihrer Generation und vermitteln Freude“, lobt Bernhard seine Leute und ergänzt: „Leider ist auf Almhütten oft jenes Personal, das nur noch auf die Uhr schaut und den Gästen das Gefühl gibt, sie würden stören.“ So viel zu seiner Philosophie, die hier oben auch gelebt wird.

 

Höttinger Alm

Naherholungsraum: Ein sehr beliebtes Ziel von Bikern und Wanderern in Innsbruck ist die Höttinger Alm.

Seiten.Blicke

Über und um die Alm gibt es ein paar Anekdoten zu erzählen:

  • Bernhard Schlechter, der Wirt: Eine Anekdote für sich und ein Original der Stadt. Er ist ein sehr sympathischer Eigenbrötler und manchmal ein wenig wortkarg. Ich würde nicht sagen mürrisch, aber das haben Hüttenwirte so an sich, oder vielleicht hat er einfach viel Arbeit.
  • Migrationshintergrund: Bernhard ist ursprünglich aus Steyr und gilt in Tirol als einer, „der nicht von hier ist“; das hat er bei der Übernahme der Alm immer wieder erfahren. Er ließ sich aber nie beirren und hat fast schon Tiroler Charme: Seine Eltern sind nämlich aus Osttirol.
  • Europameister: Bernhard ist zweifacher Europameister im Segeln und sogar Holländischer Meister.
  • Skischule: Im Winter hat er die Ski- und Snowboardschule Innsbruck auf der Nordkette und am Patscherkofel. Augenzwinkernd traue ich mich zu sagen: Er passt damit beinahe ins Klischee des Hüttenwirts.
  • Feedback: Hat Bernhard sehr gutes bekommen, als er die Alm 2001 eröffnet hat. „Endlich kann man wieder auf die Höttinger Alm gehen“, haben zwei Frauen gemeint.
  • Stier: Bernhard wurde geklagt, weil ein fremder Stier auf dem Grund und Boden seiner Alm „gewildert“ hat. Das Resultat war ein Stierkalb.
  • Integration: Das Sherpa-Programm ist sein Beitrag zur Integration und zur kulturellen Verständigung.
  • Esel: Bonita war der Esel der Alm. Sie lebt leider nicht mehr und hatte Dreadlocks; das hat nur eine bestimmte Rasse.
  • Hochlandrinder: Sind im Sommer auf der Alm, haben lange Haare und riesen Hörner. Sie schmecken auch sehr gut.
  • Mord: Hund „Sappalott“ von Treibhauschef Norbert Pleifer hat ein Huhn der Alm zu Tode gebissen. Seither waren beide nicht mehr oben.
  • Kasermandl: Eigentlich lebte die Sagenfigur auf der Umbrückler Alm, aber es gibt Lieder, in denen es auf der Höttinger Alm anzutreffen war. Heute ziert es die Hauswand der Alm. Hier das Lied: Das Kasermandl.
  • Lawine: Kommt jedes Jahr den Höttinger Graben herunter, das ist mehr oder weniger neben der Hütte.
Höttinger Alm

Das Kasermandl ist eine Sagengestalt, die angeblich hier lebte.

Höttinger Alm

Es kann schon mal passieren, dass man hier oben etwas länger sitzt und es lohnt sich: Innsbruck bei Nacht von der Höttinger Alm, Foto: Höttinger Alm

Höttinger Alm

Die Hochlandrinder, als sie vom Schnee überrascht wurden. Foto: Höttinger Alm.

Höttinger Alm

Esel Bonita war der Star der Alm und Hunger hatte sie auch fast immer. Leider hat sie das Zeitliche gesegnet, Foto: Höttinger Alm

 

Sport.Alm – Höttinger Alm – Kompetenz.Zentrum für Kaspressknödel: Als Gourmets der guten bodenständigen Küche seid ihr hier genau richtig. Ich empfehle das Sauere Tris (Wurst, Graukäse, Sulze mit Essig, Öl und Zwiebeln) oder die Kaspressknödeln mit Salat – auch die Kuchen sind ein Wahnsinn und ein Schnapsl DARF ruhig sein. Die Aussicht auf Innsbruck ist einzigartig. Rauf aufs Rad und rauf auf die Höttinger Alm. Es lohnt sich. So viel original Einheimische trefft ihr sonst nicht auf einem Fleck. Wegbeschreibung findet ihr hier.

Kontakt:
Bernhard Schlechter
Tel. + 43 (0) 676 / 305 62 28
M. hoettingeralm@gmx.at

 

Und hier nochmal im Großformat:

Höttinger Alm

Der Brunnen der Höttinger Alm wurde gleich mal ordentlich eingeweiht: kaaaaalt!