Es ist ein Tag nach reichlich Schneefall im Großraum Innsbruck. Hubertus, Thomas, Gregor und ich, starten zum ersten Mal Richtung Simmering. Tatsächlich war noch keiner von uns Innsbruck-Ansässigen eine Skitour in Obsteig, der westlichsten Gemeinde des Mieminger Plateaus.

Ausgangspunkt Parkplatz Grünberglift

So treffen wir heute, recht früh für einen Skitourentag im Jänner, um 9:30 Uhr beim Parkplatz am Grünberglift ein. Doch die Parkmöglichkeiten sind bereits erschöpft. Also reversiert Thomas, der uns im Sinne von Carsharing mitgenommen hat. Somit erschweren uns die FFP2-Masken noch eine Viertelstunde das Atmen. Dank dem Hinweis einer freundlichen Anrainerin, die wir beim Hund Ausführen angehalten haben, stellen wir das Auto am Sportplatz ab. Als erstes demaskieren wir uns und genießen die frische Luft. So gegen 10:00 Uhr sind wir dann nach Check unserer LVS-Geräte adjustiert.

Skitour Simmering

So nah und so fern. Es ist angenehm still in dieser weiten winterlichen Landschaft. © Hartmut Müller

Bitterkalt, aber schön

Wir gehen auf einem Wanderweg durch die weite Winterlandschaft, die sich über die Felder und Wiesen gelegt hat. Am Parkplatz der Grünberglifte trifft Thomas einen Bekannten, der in diesen Gefilden lebt und seine Hausbergskitour auf den Grünberg bereits in den Beinen hat. Er strahlt und wir bekommen eine detaillierte Wegbeschreibung, die unsere Blutzuckerspiegel ob der Vorfreude erhöht. Das Auto parken wir nicht mehr um.

Auch an den Wegweisern ist der Schneefall der letzten Tage erkennbar. © Hartmut Müller

Jetzt sind wir also mittendrin. Ein kurzer Waldweg führt uns in freieres Gelände, wo uns ein zackiger Steilhang empfängt. Begleitet und umrundet werden wir von der Leine gelassenen Hunden, die Begeisterung über Wetter und Schneeparadies mit uns teilen, aber unbeschwerter ausleben. Schließlich sind wir zum ersten Mal auf diesem Berg und wollen mit unserer Energie haushalten. Zudem ist es heute wirklich bitterkalt. Trotzdem streifen wir die Überjacken ab, denn jetzt sind wir auf Betriebstemperatur.

Hier biegen wir vom Rodelweg das erste Mal in den Wald und folgen der sehr sauber angelegten Spur. © Hartmut Müller

Zwei wunderschöne Aufstiegsvarianten

Nach dem Steilhang biegen wir rechts auf den pittoresken Rodelweg. Von allen Richtungen sonnt sich die Natur im frischen Schnee. Nach kurzweiligen 15 Minuten gehen wir nach rechts in den Wald. Laut Überlieferungen Einheimischer führen alle Wege hier zur Simmeringer Alm. Und dieser idyllische Waldweg kürzt den Rodelweg merklich ab. Dafür fordert der Wald von uns Spitzkehren ein. Die Höhenmeter wollen immer erarbeitet werden.

Hier würden wir jetzt gerne den Ofen einheizen. Es ist bitterkalt, aber so schön. © Hartmut Müller

Wieder am Rodelweg machen Thomas und ich eine kleine Foto- und Trinkpause. Während Hubertus und Gregor dem Weg folgen, biegen wir links auf den Harersteig. Eine beeindruckende Aufstiegsspur schlängelt sich zwischen meterhohem Schnee durch den Wald. Offenbar wurde der Weg auf dem Sommerwanderweg gespurt. Denn er führt immer wieder an fast augenhohen Baummarkierungen vorbei. Gerne würde ich dem Vorspurer ein Bier zahlen. Denn abseits der Spur sinkt man bis zur Hüfte in den Schnee. Bei einer Spitzkehre verschwinde ich kurz im Schnee.

Am Harersteig zeigen sich zwischen den Bäumen immer wieder die Berge. © Thomas Gutmann

Das Panorama ist fantastisch

Langsam, aber sicher ahnen wir, dass der Harersteig den Rodelweg wohl nicht mehr kreuzen wird. Deshalb telefonieren wir uns immer wieder zusammen, um vielleicht doch noch gemeinsam auf die Simmering Alm zu gehen. Da wir aber weit über der Simmering Alm aus dem Wald kommen, verschieben wir den gemeinsamen Einkehrschwung auf später. An der Waldgrenze öffnet sich eine weitläufige, tiefst verschneite Berglandschaft. Auch die letzten 200 Höhenmeter Richtung Gipfel sind ein purer Genuss. Das Panorama mit Mieminger Kette, Mieminger Plateau und Inntal lässt gerade keine Superlative übrig, um diese Eindrücke zu beschreiben.

Blick nach dem Harersteig in Wegrichtung Simmeringeralm. © Hartmut Müller

Blick von der Simmeringer Alm kommend in Wegrichtung Simmering. © Hubertus Winkler

Was für ein herrlicher Tag und was für ein Panorama. © Thomas Gutmann

Top Gipfel, feiner Pulver, bestes Takeaway

10 Minuten nach unsere Gipfelankunft empfangen wir Hubertus, der ohne Gregor kommt. Leider haben sich bei ihm die Felle gelöst und er musste die Tour abbrechen. Dafür wärmt er auf der Simmering Alm eine Holzbank im Freien für uns vor. Die Abfahrt vom Gipfel ist wirklich lässig und wir erwischen tiefen Pulver.

Da thront das Gipfelkreuz am Simmering. © Thomas Gutmann

Auch die Abfahrt lässt keine Wünsche offen. © Hartmut Müller

Auf der Simmering Alm stoßen wir mit alkoholfreien Radlern an und lassen uns die kulinarischen Schmankerln des Takeaway schmecken. Von der Simmering Alm abwärts halten wir uns zumeist am Rodelweg, wobei sich bei dieser Schneelage auch freie Schneisen im Wald finden.

Die Simmeringer Alm ist bestimmt drinnen auch gemütlich. Draußen gibt es jedenfalls feinstes Takeaway-Essen. © Hartmut Müller

Fazit: Lohnende Skitour

Eine super Skitour, die auch im tiefsten Winter bei Lawinenwarnstufe 4 sicher ist. Bei der Abfahrt sollte man, wie immer am Berg, Acht geben, in welche Hänge man einfährt. Wenn man den Standardspuren folgt und sich eher links hält, dann ist man aber auf der sicheren Seite.

Es gibt zwei Aufstiegsvarianten. Die sehr gemütliche Variante entlang des Rodelwegs bis zur Simmering Alm. Von dort kann man dann über weitläufiges Gelände 300 Höhenmeter auf den Simmering aufsteigen. Die etwas anspruchsvollere und längere Variante führt über den Harersteig, der in das freie Gelände mündet. Von dort sind es noch circa 200 Höhenmeter auf den Gipfel.

Tourdaten:

  • Startpunkt: Parkplatz Grünberglift in Obsteig (1.031 m)
  • Zielpunkt: Simmeringalm (1.813 m) oder Simmering (2.096 m)
  • Dauer: zur Simmering Alm 2 bis 2:30 h, zum Simmering nochmal 30 bis 45 min
  • Höhenmeter: zwischen 800 hm und 1.100 hm je nach Tourenziel
  • Prädikat: wertvoll und sehenswert
  • Weitere Infos: hier