Wer durch Innsbruck und seine Feriendörfer spaziert, wird sie früher oder später entdecken: die wolligen Schafe, die aus den Ställen blöken oder auf den Wiesen der Bauern stehen. Im Sommer kommen die meisten von ihnen auf eine Alm. So auch die Schafe von Werner und Philipp Holzer in Vill. 

Mit über 200 Schafen haben Vater und Sohn eine der größeren Schafzuchten in der Region. Trotzdem ein Nebenverdienst, ein Hobby, das die beiden mit Leidenschaft betreiben. Das hört man sofort, wenn Philipp von der Schafzucht erzählt. Vor einigen Jahren sind sie auf das braune Tiroler Bergschaf umgestiegen und davon warten nun knapp 200 im großen LKW darauf auszusteigen und ihren verdienten Sommer auf der Alm anzutreten. Die Almwiesen in einem Seitental bei Haggen im Sellraintal (kurz vor dem Kühtai) pachten sie seit einigen Jahren. “303 Gräser sind es” erklärt mir Philipp. Ein alter Begriff, der für die Anzahl des Weideviehs steht, das auf die Alm darf. Die restlichen 100 Plätze werden von Bauern und Privatbesitzern aus der Umgebung gefüllt.

Haggen ist ein kleiner Ort zwischen St. Sigmund und Kühtai.

Haggen ist ein kleiner Ort zwischen St. Sigmund und Kühtai.

Zufälligerweise kommen heute auch die Kühe an.

Zufälligerweise kommen heute auch die Kühe an.

Dann die Schafe.

Dann die Schafe!

Es geht los, juhu!

Es geht los, juhu!

Die meisten Besitzer geben ihre Schafe persönlich ab für den Sommer auf der Alm.

Die meisten Besitzer geben ihre Schafe persönlich für den Sommer auf der Alm ab.

Almauftrieb in Haggen

Den ganzen Nachmittag über kommen immer wieder private Schafzüchter mit sechs bis 30 Schafen an und laden ihre Tiere aus. Von Anfang Juni bis zum 10. September werden sie auf die Alm geschickt. Familie Holzer wird sie die zwei Kilometer ins Tal treiben und immer wieder besuchen, um nach dem Rechten zu sehen. Einen eigenen Hirten brauchen die Tiere nicht. Die erfahrenen Schafe tragen Glocken, die jungen können sich am Geläute orientieren.

Hin und wieder passiert es trotzdem, dass einer abhaut, erzählt mir ein Schafbesitzer, der seinen prächtigen Widder gerade mit Farbe anmalt. Der orange Punkt am Hintern steht für die Alm, der grüne Strich vorne ist das Kennzeichen für seine Tiere. “Dieser hier ist letztes Jahr im Ötztal wieder aufgetaucht” lacht er. Deswegen findet der Almabtrieb auch überall am selben Tag im September statt, um die ausgebüchsten Tiere gleich mit dem Anhänger wieder in einem anderen Tal abzuholen.

Die Markierung sagt wohin und zu wem das Schaf gehört.

Die Markierung besagt wohin und zu wem das Schaf gehört.

Einmal die Woche, manchmal öfters, manchmal weniger oft, schaut Philipp Holzer nach den Schafen. In den letzten fünf Jahren musste er zweimal die Bergrettung rufen. Einige Schafe hatten sich verstiegen und konnten sich nicht mehr selbst aus ihrer misslichen Lage befreien. Dann werden sie mit Hilfe der Bergrettung “geborgen”. Lämmer kommen auf der Alm übrigens keine zur Welt, darauf wird genau geachtet. Die kleinen hätten alleine zu viele Feinde in den Bergen. Auch die zu jungen Lämmer und Mütter der Familie Holzer, rund 30 Tiere, sind beim Auftrieb noch nicht dabei, erst in ein paar Wochen werden sie nachkommen.

Badetag unter den Schafen

Bevor die Tiere auf die Alm dürfen, müssen sie ein Bad nehmen. Das schreibt das Tierseuchengesetz so vor. In Haggen werden die Schafe durch einen kurzen Kanal geschickt, durch den sie durchschwimmen müssen. Manchen Schafen ist das gar nicht geheuer, andere schwimmen mutig durch das Wasser, das von dem beigefügten Mittel ordentlich stinkt. Dafür sind die Tiere vor Krankheiten (zum Beispiel Räude) nun sicher.

Das Baden der Schafe ist ein großes Spektakel.

Das Baden der Schafe ist ein großes Spektakel.

Und schnell wieder ins Trockene.

Und schnell wieder ins Trockene.

Beim Sortieren der Tiere.

Beim Sortieren der Tiere.

Schaffleisch direkt vom Bauern und Metzger

Während man früher Schafe wegen der Wolle gezüchtet hat, rentiert sich das heute nicht mehr. So schön sie ist, sie ist quasi wertlos. Das Fleisch hingegen lässt sich gut verkaufen und ist begehrt. Philipp ist beim Metzger Piegger in Sistrans in die Lehre gegangen und schlachtet die Lämmer im Herbst selbst. Vom Stall einmal ums Eck in den Schlachtraum, einen kürzeren Weg gibt es nicht. Zum Verkauf stehen ganze oder halbe Tiere, komplett küchenfertig zerlegt. Die älteren Tiere, die auch hin und wieder geschlachtet werden, werden zu Schafwürsten verarbeitet. Ein Drittel Schweinefleisch wird hinzugefügt, um sie weicher zu machen. Der Rest ist Schaf, gekonnt zerlegt schmeckt das auch nicht “schafig”, wie mir Philipp versichert.

Auch die anderen privaten Schafzüchter aus der Umgebung rund um Innsbruck erzählen mir, dass sie die Schafe in erster Linie wegen des Fleisches besitzen. Und weil’s in der Familie immer schon Schafe gab, einmal aufs Schaf gekommen, scheint es gar nicht so einfach zu sein, davon wieder loszukommen. Oder wie Philipp es formuliert: “Das mit den Schafen liegt im Bluat.” 

Hier wird jedes Schaf gut versorgt.

Hier wird jedes Schaf gut versorgt.

Philipp und Walter Holzer im Gespräch.

Philipp und Werner Holzer im Gespräch mit einem der Schafbauern.

Wer bei den Schafen selbst mal vorbeischauen will, fährt nach Haggen, packt dort seine Wanderschuhe aus und marschiert von Haggen zum Kraspessee in etwa dreieinhalb Stunden (weitere Infos, GPX Track und Höhenprofil findet ihr unter dem Link). Wer hingegen das Fleisch und die Würste verkosten möchte, meldet sich am besten telefonisch.

Kontakt Schafzucht Vill

Philipp Holzer: 0664 / 53 22 835