Risiko minimieren, Spaß haben: Innsbruck ist das Kompetenzzentrum für Lawinensicherheit.

„Auf dem Hang dort sind wir schon mal runter gefahren. Geil war´s!“, gesteht mir eine Teilnehmerin des SAAC Camps am Stubaier Gletscher. Dabei läuft es mir kalt über den Rücken, denn sie ist, so wie ich, eine blutige Anfängerin. Gut, dass sie endlich das notwendige Wissen um Lawinen erwirbt.

Theorieabend

„Ist das der Vil“, fragt mich der Vortragende Paul Held, als ich mit meiner Lady etwas verspätet zum Theoriekurs des Camps am Stubaier Gletscher ankomme. „Ja!“ grinse ich und wir setzen uns. Paul und ich kennen uns aus der Sauna, daher nur nackt. Angezogen erkennt man sich etwas schwerer, aber doch. Der sportliche Herr ist einer der staatlich geprüften Bergführer und Skilehrer von SAAC. In der Runde sitzen eher junge Teilnehmer, viele Studenten aus Deutschland, die wegen dem Ski fahren in Innsbruck leben.

Foto: SAAC

Die Theorie ist die Grundlage für den Praxistrag, der Herr da vorne ist Paul. Foto: SAAC.

 

Paul erzählt uns überlebenswichtige Sachen, die ich bereits vergessen habe, denn einen Kurs hatte ich schon mal besucht:

  • Wie entsteht eine Lawine? Baumeister ist der Wind, der den Schnee verfrachtet.
  • Wie wird sie ausgelöst? Von selbst ab Gefahrenstufe 4 und durch den Mensch, je nach Hangneigung und Warnstufe.
  • Wann verzichte ich auf einen Hang? Bei Stufe 2 nicht steiler als 40 Grad fahren oder gehen, bei Stufe 3 nicht steiler als 35 Grad und bei Stufe 4 besser zu Hause bleiben.
  • Was sind Gefahrenzeichen? Spontanabgänge von Lawinen oder Setzungsgeräusche, das „Wooooom“, das einem durch Mark und Bein donnert, wenn eine Schneeschicht über der anderen einbricht. Aber auch viel Neuschnee ist gefährlich.

Das und noch mehr war diesen Abend Inhalt der Theorieeinheit und bildet die Grundlage für den Praxistag des zweitägigen SAAC Lawinen-Camps. Das Snow & Alpine Awarness Camp ist gratis, kostet also wirklich nichts außer Zeit, die einem irgendwann mal das Leben retten könnte. „Denn die Gefahren sind immer da“, mahnt Paul. „Was wir hier lernen, ist Risikominimierung.“

Praxistag

An Tag 2 geht’s an’s Eingemachte: Wir üben einen LVS-Check (LVS = Lawinenverschüttetensuchgerät), schätzen Hangneigungen, suchen nach Verschütteten und spielen ein Szenario durch: „Du rufst die Bergrettung unter der Nummer 140, ihr beginnt in 20-Meter-Abständen den Lawinenkegel abzusuchen, ich halte die Stellung. Tempo und hopp-galopp!“, darf ich das Kommando übernehmen. Und siehe da: Unter 5 Minuten haben wir die zwei Verschütteten gefunden sowie geborgen, die relativ wahrscheinlich überlebt hätten. Der Hubschrauber ist theoretisch schon unterwegs. „Gut gemacht!“, lobt uns Paul.

Foto: SAAC

Zuerst besprechen wir den aktuellen Lawinenlagebericht. Foto: SAAC.

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Hier üben wir die Grobsuche mit dem Pieps, das ist das LVS-Gerät. Foto: SAAC.

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Auch die Schneedecke wird analysiert. Foto: SAAC.

Foto: SAAC

Schnell schaufeln heißt es bei der Bergung eines Verschütteten. Foto: SAAC.

Mit der Lawine aufwachsen

Wir Innsbrucker leben nun mal im Gebirge. Die Alpen im Winter sind gefährlich, das ist ein Fakt, vor allem, wenn man sie begeht und befährt. Lawinen sind ein Teil unseres Lebens; aus den Nachrichten oder von Betroffenen, die darüber erzählen. Seit dem Winter 1998 wird noch offener darüber gesprochen: SAAC wurde in diesem Jahr gegründet und vermittelt seither überlebensnotwendiges Wissen um den weißen Tod. Ich nenne ihn jetzt bewusst beim Namen, weil er gefährlich ist und immer da ist, sobald ihr im Gelände seid. Daher rate ich allen werdenden Skitouren-Gehern und Freeridern: Bitte besucht ein Camp von SAAC, damit ihr ihm NIE begegnet!
Hier geht´s zu den Terminen und weiteren Infos von SAAC

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