Vom 14. Juli – 06. August 2017 starteten 20 junge Menschen in ihr Abenteuer entlang des Inn. Die gemeinsame Wander-, Fahrrad-, und Raftingtour führte sie zu den schönsten Plätzen an den Ufern des 517 km langen Inn.

Der Riverwalk 2017 hatte zum Ziel, auf die Bedeutung von großen, lebendigen Flüssen aufmerksam zu machen und lokale Renaturierungs- und Ökotourismusprojekte entlang des Inns bekannt zu machen und zu unterstützen. Schließlich ist der Inn die Lebensader Innsbrucks, die es zu erhalten gilt.

Es ist ein Sonntag im Herbst und ich treffe mich mit Daniela, einer der Teilnehmerinnen des Riverwalk 2017, im Cafe Peintner.

Riverwalk 2017, Daniela an einem ihrer liebsten Orte, dort wo der Inn entspringt: am Pass Lunghin.

Daniela an einem ihrer liebsten Orte, dort wo der Inn entspringt: am Pass Lunghin. © Daniela Reisigl

Das Interview

Wo habt ihr eure Route für den Riverwalk 2017 gestartet?
Ja, wir starteten tatsächlich in Maloja, beim Ursprung des Inn. Dort verbrachten wir insgesamt vier Nächte auf dem Campingplatz und wanderten auf den Pass Lunghin zur Innquelle. Wir absolvierten den kompletten Verlauf des Inn vom Ursprung bis zur Mündung in die Donau.

Riverwalk 2017, Wanderer in Landschaft

Wandern zur Innquelle in Maloja © Yvonne Markl

Wart ihr die ganze Zeit direkt am Inn?
In Tirol waren wir viel am Inn. Dort kann man super raften. In der Schweiz fuhren wir viel Rad. Da ging es immer wieder bergauf und bergab. In Bayern waren wir weiter weg vom Inn, weil dort viele Stauseen und Auwälder sind, wo man nicht mit dem Rad fahren kann.

Riverwalk 2017, Innkraftwerk

Erstes Kraftwerk am Inn beim St. Moritzer See. © Daniela Reisigl

Wo habt ihr geschlafen und gekocht?
Wir waren drei Wochen lang Camper. Unser Schlaflager war unter einer Plastikplane, die zumeist zwischen zwei Bäumen gespannt war. Zum Kochen hatten wir einen großen Gaskocher. Alle zwei bis drei Tage fuhren wir mit dem Auto einkaufen. Im Auto hatten wir auch Zelt und Rucksäcke und trockene Kleidung. Denn in Tirol war uns das Wetter nicht gnädig: eine Woche Regen. In der Schweiz hatten wir sogar einmal Frost.

Riverwalk 2017, Schlafplatz unter Zeltplane

Matte an Matte – so verbrachten die Teilnehmer über 20 Nächte. © Daniela Reisigl

Was war deine persönliche Ambition mitzumachen?
Dieses Jahr war es der Inn. Es war schon ein Traum in meiner Kindheit den Inn zu erkunden. Und natürlich kam auch der ökologische Aspekt dazu. Der Inn fließt ja durch drei Länder. Und in jedem Land hat der Inn ein eigenes Management. Jetzt ist der Inn aber ein System und genauso sollte man ihn auch managen: ganzheitlich. Darauf machte der Flussdialog, der dieses Jahr stattgefunden hat, bereits aufmerksam.

Riverwalk 2017, Kanufahrer am Inn

Unterwegs mit Kajaks in der Schweiz © Elisabeth Schwarzkogler

Das heißt, das Video, das ihr produziert habt, ist der Output?
Nicht nur. Beim Flussdialog waren die Hälfte der Riverwalk-Teilnehmer dabei. Das zeigt, dass der Riverwalk immer bekannter wird und auch sehr viel Zuspruch von jungen Leuten bekommt. Das heißt auch, dass sich die Menschen Gedanken darüber machen, was mit dem Inn passiert.


Wie viele nahmen am Riverwalk 2017 teil?
Meistens waren wir über 20 Personen. Pro Woche sind zwei Gäste dazu gekommen. Ich denke 20 Teilnehmer sind das Limit. Darüber hinaus wird die Koordination schwierig. Bis man loskommt vergehen Stunden: aufstehen, Zähne putzen, frühstücken. Dann ist auch nicht jeder gleich schnell beim Wandern und Radeln. All das sollte bei der Planung beachtet werden.

Riverwalk 2017, Radfahrer am Inntalradweg

Unterwegs am Innradweg in Bayern © Elisabeth Schwarzkogler

Wie ist das Leben in so einer Gemeinschaft?
Es ist schon anstrengend, wenn man mit fremden Leuten so aufeinander klebt. Jeder hat seine Interessen und Bedürfnisse, die sich unter den Mitgliedern der Gruppe kaum decken. Die einen wollen mehr Aktivismus für den Naturschutz, die anderen wollen mehr sportliche Aktivität. Privatsphäre hat man auch keine. Dann kommt Dauerregen und Kälte, was die Stimmung bei niemandem hebt. Auch zu wenig Essen zu haben ist ein Problem. Anfangs weiß man ja nicht, wie viel jeder isst. Das macht das Einkaufen schwierig. Zudem sind in der Schweiz die Lebensmittel sehr teuer.

Riverwalk 2017, Wandergruppe mit Transparent

Beim See Lunghin, aus dem der Inn als kleiner Bach fließt. © Yvonne Markl

Was war dein Highlight?
Der Anfang des Riverwalk im Engadin: Dort ist es nicht so dicht besiedelt. Die kleinen Dörfer wie beispielsweise Guarda sind so ursprünglich. Es ist, als ob man durch die Zeit reist, 100 Jahre zurück. Dort gibt es auch fast keine Autos. Es ist alles so entschleunigt. Das tut richtig gut in unserer schnelllebigen Zeit.

Aus dem See Lunghin im Engadin entspringt ein Bach. Es ist der Inn. © Daniela Reisigl

Was nimmst du von diesem Abenteuer mit?
Man lernt viel über sich selbst. Man geht Kompromisse ein, weil man muss, damit die Gruppe funktioniert. Man lernt ein Dach über dem Kopf zu schätzen und das Trinken von Leitungswasser. In Bayern hatten sie ein Problem mit verunreinigtem Trinkwasser und wir konnten es nicht trinken. Man erkennt, dass es nicht selbstverständlich ist, was wir alles haben. Und ich weiß jetzt auch, dass nach jedem Regen die Sonne wiederkommt. Das hebt die Laune, denn eine Woche Regen drückt aufs Gemüt. Zudem fängt das nasse, nicht mehr trocknende Gewand irgendwann auch zu stinken an.

Riverwalk 2017, Bison in Landschaft

Nette Wegbegleiter am Weg zur Innquelle. © Daniela Reisigl

Wart ihr in Passau auch dort, wo der Inn in die Donau fließt?
Ja, und das ist erkennbar. Normalerweise ist dort die Donau blau und der Inn grün. Man sieht wie sie ineinander übergehen. Wir haben nur einen leichten Unterschied gesehen. Wobei der Ursprung des Inn das spektakulärste Ereignis des Riverwalk war. Und am Ende deiner Reise entlang des Inn bist du traurig. Weil du erkennst, wie viel der Mensch zerstört und in das Ökosystem eingreift.

Riverwalk 2017, Inn bei Einmündung in Donau

Der Inn – nur mehr ein braunes, kaum fließendes Wasserband in Wernstein, 8 km vor seiner Mündung in die Donau. © Daniela Reisigl

Wie hat sich bei dir die Wahrnehmung gegenüber dem Inn verändert?
Ja, ich schaue jeden Tag. Der Inn ist Teil von meinem Alltag. Bei schönen Herbstwetter ist der Inn richtig türkis. Das ist so schön. Meistens und besonders im Frühling, wenn das ganze Schmelzwasser kommt ist er braun und grünlich.

Findest nächstes Jahr auch ein Riverwalk statt?
Ja, aber der der Ort steht noch nicht fest. Anmelden kann man sich auf der WWF-Seite mit einem Motivationsschreiben. Auch via Facebook wird in der Riverwalk-Gruppe der Link zur Anmeldung geteilt. Normalerweise gibt es keine Altersbeschränkung, außer es ist von der EU finanziert. Zu jung darf man auch nicht sein. Der jüngste Teilnehmer war 14. Wenn man top motiviert ist, und man 40 ist, soll man es einfach probieren.

Fazit:

Seit dem Gespräch mit Daniela nehme ich den Inn anders wahr, wenn ich daran vorbeigehe. Und ich denke, dass ich bald ins Engadin fahren werde, um den Ursprung meines Stadtflusses zu erkunden. Vielleicht schon im Frühling. Vollkommen entschleunigt.

Vielen Dank für das Gespräch.