Vor fast 40 Jahren wurde die Umbrüggler Alm abgerissen. Nun steht sie wieder: in zeitgemäßem Gewand mit bombiger Aussicht und genussspechtverdächtiger Speisekarte. Ein bisschen Geduld sollte man mitbringen. Aber das gehört sich eigentlich eh auf der Alm.

Eines war klar: Nach der Eröffnung würde halb Innsbruck den kurzen, aber steilen Weg von der Hungerburg zur Umbrüggler Alm in Angriff nehmen. Immerhin hatten die Leute fast 40 Jahre darauf gewartet. Ende November 2015 war es dann so weit: Die neu errichtete Umbrüggler Alm sperrte auf und jeder wollte natürlich mit eigenen Augen sehen, was die Architekten Philipp Lutz und Elmar Ludescher unter einer zeitgemäßen Almhütte verstehen und wie sich das Gebäude präsentiert.

Mit Geschichte

Rund 400 Jahre lang hatte es hier heroben Almwirtschaft gegeben. Schon Ende des 19. Jahrhunderts war die Umbrüggler Alm beliebtes Ausflugsziel, ab 1873 gab es einen behördlich bewilligten Ausschank. Ihren Namen verdankt die Alm den Bauern von „Anbruggen“, also aus Mariahilf, St. Nikolaus und Hötting, die hier Weiderechte besaßen. Aus Anbruggen wurde umgangssprachlich rasch „unbrugg’n“ und schließlich Umbrüggler.
Mit der Eingemeindung Höttings ging die Alm 1938 in den Besitz der Stadt Innsbruck über. 1979 beschloss diese, das desolate Gebäude abzutragen. Mehrere Anläufe, die Alm wieder zu errichten, scheiterten. 2014 präsentierte die Stadt die Ergebnisse des ausgeschriebenen Architekturwettbewerbes mit dem Ziel, die Hütte 2015 zu eröffnen.

Und plötzlich ist der Blick frei auf die Umbrüggler Alm.

Und plötzlich ist der Blick frei auf die Umbrüggler Alm.

Mit Schindeln

Nach 40 Minuten strammer Wanderung steht sie unvermittelt direkt über mir, auf einem Hügel, der noch auf die Bepflanzung wartet. Die Umbrüggler Alm ist weit entfernt von einer Blockhütte und weit entfernt von retroalpinem Charme. Zeitgemäß kommt sie daher, das gefällt mir, auch wenn das Gebäude auf den ersten Blick etwas gedrungen und wenig schick wirkt in seiner Lärchenverschindelung und mit einer von unten wie ein Schlitz wirkenden Fensterfront.

Mit Geist

Eine kleine Festung, um das Kasermandl zu vertreiben, das der Legende nach hier heimisch ist? – Der Gedanke lässt mich schmunzeln. Am Eingang jedenfalls erwartet einen ein Kasermandl in Holz geschnitzt. Es schaut weniger grimmig drein, eher herausfordernd, keck. Der Sage nach ist es das ja: Nur wenn man das Kasermandl reizt, wird es fuchsteufelswild, ansonsten ist dieser Almgeist ein scheuer Geselle.

Am Eingang erwartet einen das Kasermandl.

Am Eingang erwartet einen das Kasermandl.

Mit Feuer

Wirkt das Gebäude außen vielleicht etwas zu robust, innen ist es von anheimelnder Eleganz. Ein warmer, lichter Raum erwartet einen, in sägerauer Weißtanne gehalten bis auf den Bereich hinter der Bar, große wunderbar gearbeitete Holztische und -stühle, an den Wänden ziehen sich schlichte Bänke entlang und in der Ecke prasselt ein Feuer.

Das Panoramafenster eröffnet eine herrliche Aussicht.

Das Panoramafenster eröffnet eine herrliche Aussicht.

Mit Panorama

Das durchgängige Panoramafenster an der Südseite eröffnet eine atemberaubende Aussicht. Der Blick wandert weit in den Osten, weit in den Westen, über Innsbruck, das südlich gelegene Mittelgebirge, tief hinein ins Wipptal, ins Stubaital; Nockspitze, Serles, Patscherkofel und eine ganze Reihe anderer Gipfel ist auszumachen. Auf dem vorgelagerten Balkon lässt sich angenehm sitzen und in die Ferne schauen.

"Alpin-urban" interpretiert: die Tische und Stühle.

“Alpin-urban” interpretiert: die Tische und Stühle.

Mit Gezwitscher

Durch eine Schiebetür geht es in einen weiteren Gastraum, die „Innsbrucker Stube“, dahinter befindet sich ein Ausstellungsraum, der zusätzlich von Osten her erschlossen ist. Dort erfährt man Wissenswertes über den Naturraum Karwendel. In der Mitte steht ein Relief der Nordkette, in den Wänden sind Schaukästen eingelassen, in denen Informationen über diverse Vogelarten zu lesen und deren Gezwitscher zu hören sein werden – bis Ende Jänner soll dieser Bereich fertig sein.

Mit Ruhe

Der Ansturm in den ersten Wochen war enorm, sagt Pächterin Sonja Schütz, nicht immer einfach zu bewältigen, zumal die Alm erst einmal auf Probebetrieb laufen sollte. Einige Gäste reagierten mit großem Unmut. Gut also, dass ich nicht nur ein paar Wochen gewartet, sondern mir auch einen Montag für den Besuch ausgesucht habe. Es trudeln zwar ordentlich Leute ein, aber überlaufen ist die Umbrüggler an diesem Tag nicht. Ich genieße es.

Die Innsbrucker Stube ist etwas kleiner.

Die Innsbrucker Stube ist etwas kleiner.

Mit Pfiff

Die Umbrüggler Alm ist dazu angetan, die „Leit z’samzubringen“, so wie es sich gehört: plaudern, essen, trinken. Auf der Speisekarte stehen lauter feine Sachen: Leber-, Kas- und Speckknödel natürlich, aber auch Graukassuppe mit Speck oder Rotkrautsuppe mit Grammelknödel, Ochsenwade mit Senfgemüse und Röstkartoffel, Lammschulter mit Parmesanpolenta und Rosenkohl. „Wir möchten gute Küche mit möglichst regionalen Zutaten bieten, frisch gekocht und mit Pfiff“, sagt die Hausherrin.

Mit Genuss

Die Speisekarte stellt mich vor die Qual der Wahl. Ich entscheide mich schließlich für eine Kartoffelsuppe. Denn längst habe ich den Kaiserschmarren entdeckt, einen Topfenkaiserschmarren um genau zu sein – und den schaffe ich nur, wenn ich mir nicht schon davor den Bauch vollgeschlagen habe. Serviert wird er mit Apfelkompott. Hausgemachtes Apfelkompott – mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

Der Topfenkaiserschmarren mit Apfelkompott – ein Gedicht.

Der Topfenkaiserschmarren mit Apfelkompott – ein Gedicht.

Mit Herz

Und was soll ich sagen: Der Schmarren ist fluffig wie ein Wölkchen, saftig, nicht zu süß und – Topfen sei dank – mit einer fein säuerlichen Note. Das Apfelkompott katapultiert mich in meine Kindheit. Nach wenigen Bissen ist klar: Mein Magen ist erobert und damit endgültig auch mein Herz. Die Atmosphäre, die Aussicht, das Essen – die Umbrüggler Alm liegt ab jetzt fix auf meinem Radar. Das Warten hat sich gelohnt.

Vom Balkon aus den Ausblick genießen.

Vom Balkon aus den Ausblick genießen.

Umbrüggler Alm
www.umbrueggleralm.at
Kontakt unter 0043-664-3244543
Öffnungszeiten: täglich ab 8:30 Uhr; größere Gruppen bitte anmelden bzw. reservieren

Alle Fotos: © Susanne Gurschler