Kennt ihr das? Ihr freut euch auf eine große Party zusammen mit vielen anderen. Doch bereits am Weg dorthin erfahrt ihr von zahlreichen Absagen. Die kommt nicht, die andere auch nicht, der ist krank und so geht es immer weiter. Bevor die große Fete begonnen hat, war sie quasi schon wieder aus. So ähnlich erging es mir zur Anfahrt zum Teambewerb der Skistars auf den Innsbrucker Patscherkofel.

Der Fahrer vom Shuttlebus Richtung Zielgelände wusste es als erster: „Marcel Hirscher ist heute nicht dabei“ – wenige Sekunden später wussten es alle im vollbesetzten Bus. Österreichs Ski-Superstar musste kurzfristig krankheitsbedingt absagen. Dank zahlreicher Smartphones mit an Bord ging es in dieser Tonart weiter. Bis zum Ausstieg am Fuße des Patscherkofel war dann allen klar: Auch Michaela Kirchgasser, Bernadette Schild sowie der frischgebackene Slalom-Olympiasieger vom Arlberg, Mario Matt, mussten das Bett dem Teambewerb auf historischem Boden vorziehen.

Auch eine weitere Meldung erhöhte meine Stimmung nicht gerade. Selbst Hausherr & Gastgeber dieser Party, ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, konnte das Rennen auf „seinem Berg“ nur vom Bett aus verfolgen. “Aber nun genug der schlechten Nachrichten!”, dachte ich mir. Je näher der Start des Rennens kam, desto besser wurde die Stimmung auf der Heiligwasser-Wiese am Fuße des Innsbrucker Hausberges.

Phillipp Schörghofer

Trotz der vielen Absagen; Phillipp Schörghofer war da! © Patscherkofelbahnen 2014

Und spätestens als der Moderator an die glanzvollen Olympiazeiten am Patscherkofel, wo Egon Zimmermann 1964 und Franz Klammer 1976 zu olympischem Abfahrtsgold gerast waren, sowie an den legendären Neunfach-Sieg der ÖSV-Herren im Super-G 1998 erinnerte, waren alle Absagen längst vergessen. Einem tollen Skifest stand nichts mehr im Wege.

Patscherkofel

© Patscherkofelbahnen 2014

Österreichs Team hatte in der ersten Runde ein Freilos. Egal – so bekamen eben erst die „Gäste“ aus den anderen Nationen unsere Partylaune zu spüren. Einen ersten Höhepunkt erreichte die Stimmung als die Tirolerin Eva-Maria-Brem für Österreich am Start stand. Sie verlor ihr Duell gegen die Norwegerin. Dann kam der Fieberbrunner Manuel Feller – der Jubel bei seiner Fahrt und vor allem der Zielankunft war noch lauter – er war schneller als sein norwegischer Kontrahent.

Die Party war nun so richtig cool. Alle hatten ihren Spaß. Leider auch die Norweger, Österreichs Gegner im Viertelfinale. So waren es zwei weitere Duelle mit den Skandinaviern und geschätzte zwei Minuten später plötzlich mucksmäuschenstill. Der Schock traf uns alle: Österreich war ausgeschieden! Doch die tausenden Fans und auch ich bewiesen an diesem Abend Durchhaltevermögen und Steh-Auf-Qualitäten. Für mich war nun interessant zu beobachten, oder besser gesagt zu belauschen mit welcher Nation sich die Tiroler Fans sympathisieren würden. Mit den Südtirolern im italienischen Team? Oder mit den feschen Schweden und Schwedinnen?  Oder gar mit den Schweizern?

 

Patscherkofel

© Patscherkofelbahnen 2014

Am Ende – so viel kann ich schon verraten – war die Stimmung sportlich fair und alle – wirklich alle – Nationen bekamen Innsbrucks Gastfreundschaft lautstark zu spüren. Das Motto unter den Fans könnte man so beschreiben: „Jetzt ist eh alles wurscht, geben wir ordentlich Gas!“ Da war es dann auch egal, dass einmal die Zeitnehmung ausfiel, an der Videowall laufend falsche Duell-Sieger angezeigt wurden und so keiner recht wusste, welche Nation nun weiter war.

Die live performten Ohrwürmer „Go for Gold“ & „I sing a Liad für di“ von Andreas Gabalier trugen übriges zur guten Stimmung bei. Einmal mehr bewiesen die Innsbrucker, dass sie perfekte Events organisieren und noch besser feiern können. Doch zurück zum eigentlichen Rennen. Sogar da gab es einen vollen Innsbrucker Erfolg. Im Finale setzten sich Schweden – unter anderen mit Maria Pietilä-Holmer – gegen Österreich-Bezwinger Norwegen durch.

Team Schweden und Schweiz

Hier waren sie noch am Zittern: Team Schweden (Sieger) und Team Schweiz (3. Platz).
© Patscherkofelbahnen 2014

Was das mit Innsbruck zu tun hat? Die hübsche, aber etwas schwer auszusprechende Schwedin, lebt schon seit einiger Zeit mit ihrem Mann Hans Olsen, ebenfalls schwedischer Skirennläufer, in der Hauptstadt der Alpen. Und wenn schon Österreich nur eine Null produzierte, dürfen wir uns wenigstens mit den in Innsbruck wohnenden Schweden mitfreuen und diese an diesem Abend zu waschechten Tirolern machen.

Am Heimweg meinte dann ein anderer Zuseher schmunzelnd zu mir: „Man muss in Tirol nur ein paar Torstangen aufstellen und das Flutlicht aufdrehen, dann kommen die Leut‘ schon und feiern eine große Party.“ Er hatte Recht, denn so war es eine tolle Veranstaltung auf historischem Boden, bei dem es neben den Schweden zweifellos noch zwei weitere Sieger gab: Die Tiroler Fans und Innsbruck als Austragungsort.

 

Zieleinfahrt

© Patscherkofelbahnen 2014