Einatmen, ausatmen, einatmen. Wer beim Yoga auf die mächtigen Felsgipfel der Nordkette blickt, möchte dabei die Augen kaum schließen. Es ist eine andere Art der Ruhe der Natur, die einen hier oben auf fast 2.000 Metern Seehöhe erdet und verbindet. Hie und da fliegt eine neugierige Bergdohle vorbei, ab und zu kommt ein Wanderer am Weg entlang – ansonsten herrscht Stille.

Dass die Nordkette ein gigantischer Spielplatz für Jung und Alt ist, ist kein Geheimnis. Von Spaziergängern, über Wanderer und Bergsteiger, Kletterer, Klettersteiggeher, Mountainbiker bis hin zu Paragleitern und Drachenfliegern findet sich an Schönwettertagen so ziemlich jede Sportart mit Rang und Namen in der Outdoorwelt auf der Nordkette ein. Selbst die Randsportarten wie XRaycer finden hier ihren Platz (und eine kleine Strecke hinter der Seegrube). Seit einiger Zeit bietet die Mountain Base auf der Seegrube sonntags auch Mountain Yoga an – und genau das hab ich vergangenen Sonntag genauer unter die Lupe genommen. 

Sonntags auf der Nordkette

Die Fahrt beginnt für mich am Löwenhaus in Innsbruck mit der Hungerburgbahn. Ich liebe den Blick von der offenen Station auf den Berg, auf dem ich in Kürze stehen werde. Einmal noch umsteigen in die Nordkettenseilbahn und keine halbe Stunde später stehe ich auf 1.905 Metern.

Mit der Hungerburgbahn und der Nordketten Seilbahn gehts auf knapp 2000m Seehöhe.

Mit der Hungerburgbahn und der Nordkettenbahn geht’s auf knapp 2.000 Metern Seehöhe. ©Lea Hajner

Coffee with a view

Erstmal ankommen. Bei der Mountain Base gibt es neben Leih-Equipment für Klettersteig, XRaycer und diverse Kurse auch richtig guten Kaffee. Der kommt vom Innsbrucker Kaffeeröster Coffee Kult und schmeckt mit Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge noch um ein ganzes Eck besser als in der Stadt.

Ideal für einen gemütlichen Start in den Sonntag. Viele der Kursteilnehmer kennen sich bereits, man plaudert ein bisschen miteinander, bevor es los geht. Zeitgleich findet an diesem Sonntag auch ein Outdoor-Training der Base statt.

Wunderbarer Bergblick und guter Kaffee von Coffee Kult.

Wunderbarer Bergblick und guter Kaffee von Coffee Kult. ©Lea Hajner

Namaste mit Blick auf die Frau Hitt

Während die “normale” Trainingsgruppe sich einen Platz am Fuße des Park-Sessellifts sucht, ziehen wir am Perspektivenweg in Richtung Langer Sattel los. Ein paar Minuten später haben wir die Holzplattform erreicht. Stufenähnlich gibt es hier ausreichend Plätze für alle Teilnehmer. Die selbst mitgebrachten Matten überdecken die breiten Holzbalken, auch wenn die Lücken zwischen den Balken bei einigen Übungen später für mich noch eine kleine Herausforderung werden. Vielleicht sorgen sie für andere aber auch nur für den besonderen Kick. Immerhin soll es ja sogar Menschen geben, die auf wackeligen SUP-Brettern Yoga machen…

Das "normale" Outdoor-Training der Base hoch über Innsbruck.

Das “normale” Outdoor-Training der Base hoch über Innsbruck. ©Lea Hajner

Mit den Yogamatten im Gepäck geht es zu den Plattformen.

Mit den Yogamatten im Gepäck, geht es zu den Plattformen. ©Lea Hajner

Eins steht von Anfang an fest: schöner könnte der Ausblick heute nicht sein. Ein paar Rest-Wolken verziehen sich, die Sonne kommt hervor und trotz September wird es schnell angenehm warm. Meine Thermo-Leggins entpuppt sich an diesem Sonntag für vollkommen übertrieben – eventuell hole ich sie im Oktober wieder hervor. Auf knapp 2.000 Metern Seehöhe kann aber auch schon ein leichter Wind den Körper schnell abkühlen. Also gilt für mich weiterhin das Motto “better too hot, than sorry”.

Die Stunde wird unter ein Motto gestellt, an diesem Sonntag ist es Dankbarkeit. Es reicht, einen Blick geradeaus auf die Frau Hitt zu werfen, um die Dankbarkeit tief in sich zu spüren. Was für ein einzigartiger Ort, in welch’ einzigartiger Stadt!

Aber seht am besten selbst:

Nur ein paar Minuten von der Seegrube entfernt und trotzdem weit weg vom Alltag im Tal.

Nur ein paar Minuten von der Seegrube entfernt und trotzdem weit weg vom Alltag im Tal. ©Lea Hajner

Auf den Plattformen hat jeder seinen eigenen Platz.

Auf den Plattformen hat jeder seinen eigenen Platz. ©Lea Hajner

Oben Yoga, unten die Stadt.

Oben Yoga, unten Stadt. ©Lea Hajner

Die perfekt angeleitete Stunde vergeht wie im Nu und ich fühle mich am Ende herrlich entspannt und bereit für einen gemütlichen Restsonntag.

Franziska Herzog ist seit 2016 Yogalehrerin und obendrauf noch Tiroler Bergwanderführerin. Anfangs nebenberuflich und seit Anfang des Jahres hauptberuflich. Damit hat sie die perfekten Voraussetzungen, um Gruppen in die Berge zu führen und ihnen dort die Welt des Yogas näher zu bringen.

Nachgefragt: Franzis Insidertipps für Innsbruck

Genau genommen ist Franzi über das Karwendel nach Innsbruck gekommen und das kam so: Nach ihrem Bachelor-Studium wollte sie sich einen Traum erfüllen und hat sich auf mehreren Hütten und Almen beworben. Gelandet ist sie schließlich auf der Pfeishütte im Karwendel. “Der Sommer dort oben war so unglaublich schön, dass ich danach direkt nach Innsbruck gezogen bin und im nächsten Jahr auch noch einmal dort gearbeitet habe,” erzählt Franzi, die nun schon seit 5 Jahren in Tirol und seit 3,5 Jahren in Götzens wohnt. Ursprünglich kommt sie aus dem Raum Nürnberg.

©Lea Hajner

Die Gelegenheit nutze ich doch gleich, um Franzi noch ein paar weitere Fragen zu stellen.

Hast du einen Lieblingsort rund um Götzens?  

Ich liebe es, von meiner Haustüre aus zur Götzner Alm zu wandern. Wenn ich Ruhe suche, gehe ich weiter Richtung Mutterer Alm zur sogenannten Hirschlacke. Das kleine Biotop unterhalb der Alm ist für mich ein Ort der Stille und Naturverbundenheit.

Wo in Innsbruck trinkst du gerne einen Kaffee?

Am liebsten trinke ich meinen Kaffee in der Meierei – dem kleinen Café im ersten Stock der Wagnerschen Buchhandlung.

Welche drei Orte zeigst du jemanden, der noch nie in Innsbruck war?

1) die Hungerburgbahn 2) das Wiltener Platzl (am liebsten, wenn gerade Markt ist!) 3) die vielen kleinen Geschäfte in der Innsbrucker Altstadt

Hast du eine Lieblingswanderung rund um Innsbruck im Herbst?

Im Herbst bin ich am liebsten im Senderstal unterwegs. Von der Kemater Alm kann man auf den Schaflegerkogel steigen und von dort aus über den Kamm zum Salfeinssee wandern. Von dort führt der Weg gemächlich bergab zurück zum Ausgangspunkt. Für die Rundtour über insgesamt 4 Berggipfel braucht man etwa 6 bis 7 Stunden und man wird mit einem wunderbaren Ausblick auf die Kalkkögel belohnt.

Vielen Dank für deine Tipps und die Yogastunde!

Wer Yoga auf der Nordkette ausprobieren möchte, kann dies noch bis Mitte Oktober 2020 – oder ab Frühling 2021 – tun! Anmeldung (verpflichtend, da limitierte Plätze) online unter www.mountain-base.at. Alternativ unterrichtet Franziska (www.bergsinn.at) auch online via Zoom, im Raum am Museum (Museumsstraße) und in der Base Five.

Weitere Yoga Angebote rund um Innsbruck am Berg findet ihr zum Beispiel am Donnerstagabend beim Sundown Yoga von Moni am Patscherkofel, einmal im Monat (Juni bis September) von Marie Wolfram am Speichersee auf der Muttereralm und auch am Speichersee am Rangger Köpfl (Juni-September) von Sara Centurioni.