Die weiße Pracht! Wo ist sie? Der Winter lässt noch auf sich warten, trotzdem gibt es dank des Kunstschnees einige feine Möglichkeiten auf Skipisten dem Vergnügen Nachtskitour zu frönen. Heute stelle ich euch die Skitour auf die Rosshütte in Seefeld vor. Dort geht jeden Freitag der Tourengeher-Abend in Szene. (Voraussichtlich bis 3. März 2017)

Hellwach durch die Nacht

Wir parken beim Parkplatz bei der Talstation Seefeld. Da heute am 23. Dezember das offizielle Nacht-Pisten-Skitour-Season-Opening ist, finden wir leicht Platz: das liegt wahrscheinlich daran, weil morgen das Christkind kommt und viele mit den vorletzten Vorbereitungen beschäftigt sind. Bei größerem Ansturm, der mit zunehmenden Schneefall kommen wird,  ist auch das Parken im Parkhaus erlaubt. Wer kein Auto hat und seine Freizeit in den Feriendörfern trotzdem auskosten möchte, der nimmt einfach den Skibus. Weitere Möglichkeiten für Wintergenuss rund um die Rosshütte und den Gschwandkopf gibt es reichlich.

Sobald die Kunstschneepiste beginnt, schnallen wir unsere Skier an. Das wir sind meine Gefährtin, Michaela, und ich. Auch für uns ist heute Nachtskitour-Saisonpremiere. Beim ersten Mal ist man immer ein wenig aufgeregt. Die Routinen vom Einpacken über das Nicht-zu-Warme und Nicht-zu-Kalte Anziehen bis zum Adjustieren der Stirnlampen haben sich noch nicht eingestellt.

Die ersten paar Meter führen uns auch entlang der beleuchteten Hochanger-Abfahrt. Dort kann man jeweils von Mittwoch bis Samstag Nachtskilauf genießen und bis zum Ende der Hochangerbahn mit den Skitourenskiern hinaufgehen: allerdings ohne Einkehrmöglichkeit. Sobald wir in Richtung Rosshütte gehen, wird es dunkler und ich schalte meine Stirnlampe ein. Erstens will ich sehen, was vor mir ist und zweitens will ich gesehen werden. Michaela gibt das Tempo in meinem Lichtkegel vor.

Nachtskitour im Lichtkegel

Bei angenehmen Temperaturen schreiten wir gemütlich durch die Nacht

Es ist wirklich eine feine vorweihnachtliche Nacht. Da wir recht pünktlich gegen 18:00 gestartet sind, treffen wir nicht viele Gleichgesinnte und erleben in Summe einen romantischen Paar-Aufstieg. Gelegentlich brausen Athleten in Leichtbauweise, Konstitution und Material betreffend, an uns vorbei. Wie Wasserläufer schweben sie über die Schneedecke: zum freundlichen “servus” oder “grias enk” haben alle Luft, Lust und Zeit. Nach circa einer halben Stunde sind wir bei der Hochegg-Alm und genießen dort unseren Tee, der uns auch von innen auf Temperatur hält.

Nach einer langen flachen Gerade führt uns der erste Teil des Schlusshangs über den Murmelebau hinauf zur Rosshütte. Die Piste ist schon präpariert und daher ist auch der letzte Teil des Aufstiegs griffig. Auf jeden Fall macht es Sinn seine Harscheisen immer mit dabei zu haben. Wenn es wirklich kalt ist, zieht die Piste an und bleibt glatt. Dann wird der Hang am Schluss zur Rutschpartie. Nach anderthalb Stunden mit vielen Fotos haben wir den Aufstieg zur Rosshütte bewältigt.

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Ein Blick in die nächtliche Ferne, eingefangen von meiner Gefährtin. Die Rosshütte im Hintergrund wartet schon auf uns.

Kulinarik zu fairen Preisen

Bevor wir uns den Gaumenfreuden auf der Rosshütte zuwenden, wechseln wir die Kleidung. Denn ein nasser Bauch schnabuliert nicht gern. Das SB-Restaurant wartet mit zahlreichen Schmankerln der Tiroler Küche auf. Das Suppenangebot ist so breit wie die Suppentheke. Von der Backerbsensuppe über die Kaspressknödelsuppe bis hin zum pikanten Suppeneintopf, insgesamt finden über zehn verschiedene Suppen jeden Geschmack. Neben Nudeln, Knödeln, Kasspatzln und Pizzen kommen auch die Fleischliebhaber nicht zu kurz. Vom Krustenbraten über das Rumpsteak bis Hendl und Schnitzel ist wirklich alles dabei.

Wir entscheiden uns für den großen Asia Teller mit Hühnerfleisch, Gemüse und Glasnudeln. Unschlagbar gut und wirklich moderat im Preis. Wie überhaupt hier die Preise sehr fair sind bei ausgezeichneter Qualität des Essens. Für alle Nachspeisenfüchse gibt es feine Strudel mit Apfel und Topfen sowie Germknödel. Zusätzlich zu all dem verwöhnen Tageshits wie beispielsweise Tiroler Gröstl.

 

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Du bist was du isst. Auf der Rosshütte schmeckt das Essen so richtig.

Nachts im Museum

Das war dann doch überraschend. Die Rosshütte verbirgt eine Nostalgie-Ausstellung in ihren Gefilden. Die Exponate führen zu den Anfängen des Skilaufs. Von der Decke hängen Schneeschuhe und Skistöcke. In Glasvitrinen finden sich Skischuhe aus Leder und Holzlatten mit Befestigungs-Vorrichtungen. Die Wände schmücken Gemälde und schwarzweiß Fotografien von der Rosshütte damals und dem frühen Seefeld. Auch ein Bob der olympischen Spiele 1964 ist Teil der Ausstellung. An den Glasscheiben verweilt mein Gemüt beim Lesen der Definition über das Wort Ski oder ich staune über Zitate der Skigrößen von einst. Der Besuch der Rosshütte lohnt sich allemal!

 

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Stolz auf Holz. Unter so vielen Holzbrettern kommt Nostalgie auf. Faszinierend, womit früher gewedelt worden ist.

 

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Nach einem guten Gespräch wollten wir Trikots tauschen. Doch leider war mir der Rennanzug des Kollegen zu klein…

Sicherheit geht vor

Gut gestärkt und nostalgisch inspiriert packen wir uns zusammen. Die Abfahrt steht vor der Tür. Zuvor felle ich noch ab, weil ich das nie direkt nach der Ankunft machen will. Mich zieht es, da wo es möglich ist, so schnell wie möglich ins Warme. Leider geht beim Abfellen meine Stirnlampe aus. Das ist insofern bitter, weil eine nächtliche Abfahrt, egal von wo, ohne hellem Lichtkegel, der einem den Weg weist, nicht prickelnd ist.

Aber ja, das ist wohl das Lehrgeld der ersten Nachtskitour. Die neue Lampe hat gewaltig viel Lumen, aber diese Lumen fressen Akku. Beim nächsten Mal drehe ich die Lampe beim Aufstieg nicht voll auf. Dann klappt es auch mit der Abfahrt. So klemme ich mich in den Windschatten von Michaela und fahre in ihrem Licht sicher ins Tal. Wie überhaupt Sicherheit auch bei Pistenskitouren ein wichtiges Thema ist. Für uns geht ein romantischer, kulinarischer und kulturell inspirierender Skitourenabend zu Ende. Weitere folgen, weil bald der große Schnee kommt und die Bedingungen besser werden.

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Tourdaten Nachtskitour Rosshütte

  • Start bei der Talstation Seefeld 1.230 m
  • Aufstieg Richtung Nordwesten bis zur Hochegg-Alm 1.545 m
  • Weiter Richtung Norden über Murmelebau 1.600m bis zur
    Rosshütte 1.760 m
  • Gehzeit: je nach Fitness zwischen 40 Minuten bis 2 Stunden
  • Höhenmeter: 530
  • Schwierigkeit: leicht bis mittel
  • Zeitraum: immer Freitag (16.12.16 – 3.03.17) zwischen 18:00 und 22:00 Uhr