Die Niederländer haben im professionellen Skisport keine große Geschichte. Im Gegensatz zu den Österreichern, die mit Skiern auf die Welt kommen. Die Niederlande sind in anderen Wintersportarten wie Eisschnelllaufen erfolgreich. Wann und wie hast du mit dem Skifahren begonnen?

Ich habe mit dem Skifahren angefangen als ich fünf war: auf Plastik! Da war eine trockene Skipiste 15 Minuten von meinem Zuhause entfernt. Beim Skiclub „De Wolfskamer“ in Huizen habe ich Skifahren gelernt. Mein Können habe ich beim Skiurlaub mit meinen Eltern in Adelboden in der Schweiz verfeinert.

Wann hast du dich entschlossen professioneller Skirennfahrer zu werden und wie hat das dein Leben verändert?

Bei besagtem Skiclub konnte ich Jahr für Jahr mein Level verbessern. Schließlich hat mich der Club in sein Rennteam aufgenommen als ich zehn Jahre alt war. Für mich war das Ganze ein Riesenspaß und ich hatte nur mehr Skifahren im Kopf. Fünf Wochen im Jahr verbrachte ich in Trainingscamps in Österreich. Zum Glück konnte ich mit den Jahren mehrere Wochen in Österreich verbringen. Dann habe ich viel öfter trainiert. Seit 2008 gehöre ich zum Niederländischen Nationalteam. Dadurch wurde meine Karriere professioneller. Es ist unglaublich, dass ich auf der ganzen Welt so viel Zeit in den wunderschönen Bergen verbringen und meiner Leidenschaft nachgehen kann. Manchmal vermisse ich Freunde und Familie zuhause, aber ich bekomme auch viel zurück.

Skirennläufer beim Training

Im Training legt Maarten Meiners den Grundstein für seine Performance im Rennen © Niels Onderwater Fotografie

Bei den Weltmeisterschaften in St. Moritz hast du schon den 25. Platz im Riesenslalom belegt. Wie hat es sich angefühlt auf dem höchsten Level seine Leistung abzurufen und was hast du daraus gelernt?

Es war ein sensationelles Gefühl als ich im Ziel realisiert habe, dass ich in den Top 30 war! Dieses Ziel habe ich eine lange Zeit verfolgt. Die Zuschauer waren wirklich überrascht und begeistert einen Skifahrer aus den Niederlanden unter all den großen Skinationen zu sehen. Jetzt will ich so ein Resultat öfter erreichen. Das ist nicht einfach. Dafür werde ich hart arbeiten und mein Bestes geben.

Maarten Meiners ist Riesentorläufer. Dort vereint er technisches Können, Fahrgefühl und Speed. © Niels Onderwater Fotografie

Was ist deine Lieblingsdisziplin?

Meine Lieblingsdisziplin ist im Moment der Riesenslalom. Für mich ist das die Grundlage allen Skifahrens. Du brauchst wirklich technisches Können und hast trotzdem einiges an Geschwindigkeit. Aber auch der Super-G ist aufregend für mich: nur ein Lauf ohne Training mit hoher Geschwindigkeit und Sprüngen.

Hast du eine Lieblingsstrecke und einen Lieblingsort?

Innsbruck, natürlich! Ich mag es sehr, Zeit in meiner zweiten Heimat zu verbringen: zwischen Training und Rennen im Alpenraum! Innsbruck liegt so genial zentral. Das erleichtert das Reisen enorm. Abgesehen davon ist es eine so angenehme Stadt mitten in den Bergen.

Meine Lieblingsstrecke ist die Gran Risa Piste in Alta Badia in den Dolomiten. Es ist für mich der mit Abstand schönste Riesenslalomhang.

Radfahren in Innsbruck

Was macht ein Niederländer in Innsbruck? Natürlich auch Radfahren. © Maarten Meiners

Was ist die besonderste Ski-Location, die du schon besucht hast?

Rennfahren in Japan, Russland und Kazakhstan waren großartige Erfahrungen wegen der kulturellen Unterschiede. Besonders mag ich die Insel Hokkaido in Japan. Ein Skiurlaub dort lohnt sich. Das Essen ist sehr gut und die Menge an Pulverschnee, der jedes Jahr dort fällt, ist einfach nur verrückt.

Letzten Sommer habe ich in Neuseeland trainiert und bin dort Rennen gefahren. Ein wunderschönes Land mit ausgezeichneten Trainingsmöglichkeiten. Es ist schon lustig, wenn du zwei Tage lang auf die andere Seite der Welt reist, mit all deinem Skiequipment. Im Wissen, dass alle anderen Rennläufer aus der ganzen Welt genau hierherkommen und genau das gleiche machen.

Welches ist dein größtes Ziel: Teilnahme bei den Olympischen Spielen oder ein Sieg im Weltcup?

Da nehme ich den Weltcupsieg. Olympische Spiele haben ihre eigenen Gesetze. Natürlich sind die Olympischen Spiele ganz besonders mit einer langen Geschichte und ich hoffe, dass ich eines Tages dort teilnehmen werde. In Summe ist ein Sieg im Gesamtweltcup bedeutender, weil du ja über die ganze Saison der Beste warst und nicht nur bei einem Rennen.

Wie ist diese Saison bisher verlaufen? Und was ist dein großer Vorteil?

Mal gut und mal schlecht, ich bin bei einigen internationalen FIS Rennen auf das Podest gefahren. Das ist gut und verbessert meine Weltranglistenplatzierung und somit kann ich mit besseren Startnummern in die Rennen gehen. Aber ich will bei den Weltcuprennen besser abschneiden; bisher war es verdammt schwierig mit hohen Startnummern und schlechten Schneeverhältnissen.

Mein Vorteil ist meine intrinsische Motivation und die Freude, die ich durch meine Zeit in den Bergen entfalte. Ich bin Flachländer und nicht in den Bergen aufgewachsen. Trotzdem kann ich ein Leben in den Bergen verbringen. Das ist ein Privileg und ich arbeite auch weiterhin hart dafür.

In den Bergen da fühlt sich der Flachländer Maarten Meiners so richtig wohl. © Niels Onderwater Fotografie

Wo und wie oft trainierst du im Winter? Wer sind deine Trainingspartner, damit du an deine Grenzen gehen kannst und wettbewerbsfähig bleibst?

In Summe trainieren wir in der Woche 20-25 Stunden. Im Winter fünf bis sechs Tage die Woche. Meistens Skitraining am Vormittag und Physis-Training am Nachmittag. Wir sind ein sehr kleines Team. Daher können wir sehr flexibel sein und uns die besten Schneebedingungen aussuchen. Meisten können wir mit anderen Teams mittrainieren, weil wir nur ein oder zwei Skifahrer sind.

Wie sieht dein Sommer aus? Wo, wie und wie oft trainierst du?

Im Sommer steht Skifahren auf den Gletschern und in der südlichen Hemisphäre auf dem Programm, neben viel Physis-Training. Ich habe nur wenige Wochen frei im April und Mai bevor wir uns schon wieder auf die nächste Wintersaison vorbereiten.

Welche Übung und welches Workout machst du am liebsten? Ich kann mir vorstellen, dass es etwas mit Rumpfstabilität zu tun hat?
Beine und Rumpfstabilität sind bei Weitem das Wichtigste. Zu meinen Lieblingsübungen zählen Kniebeugen und Kreuzheben. Für Rumpfstabilität, Schnelligkeit und Koordination machen wir viele verschiedene dynamische Übungen.

Training im Fitnessstudio

Ohne Rumpfstabilität ist alles nichts! © Niels Onderwater Fotografie

Folgst du einer bestimmten Diät? Gibt es Lebensmittel, die du nicht isst oder versuchst nicht zu essen? Gibt es auch Lebensmittel, die du isst obwohl du sie nicht essen solltest?

Ich koche gerne selbst. Dabei wähle ich die richtigen Zutaten mit der richtigen Menge an Kalorien, Proteinen und den richtigen Fetten, auch abhängig von der Art des Trainings. Da wir viel unterwegs sind, bekomme ich in den verschiedenen Hotels nicht immer das was ich brauche. Daher nehme ich auch oft mein eigenes Essen mit.

Wie schaffst du es so gesund zu leben?

Ich mag Skifahren so sehr. Das Gefühl so schnell wie möglich den Hang hinunter zu fahren und dabei immer besser zu werden ist einfach nur unglaublich. Die ganze Welt zu bereisen und dabei überall Freundschaften zu schließen ist einzigartig.

Hast du spezielle Rituale vor und nach dem Rennen? Hast du einen Glücksbringer?

Ich glaube nicht wirklich an Glück, aber an eine gute Vorbereitung. Ich versuche mich für jedes Training und jedes Rennen gleich vorzubereiten. Dieselbe Aufwärmroutine und Übungen beim freien Skifahren sind die Voraussetzung um meine Leistung abzurufen.

Einer der größten Skifahrer aller Zeiten ist Marcel Hirscher. Er hat niederländische Wurzeln. Kennst du ihn, gibt er dir Tipps und sprecht ihr untereinander Holländisch?

Ja ich kenne ihn ein wenig von den Rennen im Weltcup. Er spricht sehr gut Holländisch, obwohl er das von sich nicht behauptet. Er hat nur einen schwachen deutschen Akzent. Es ist schon super, dass der wohl größte Skifahrer aller Zeiten niederländische Wurzeln hat.

Ich denke, dass du auch auf Freeriden abfährst. Hast du schon einige der schier unbegrenzten Spots rund um Innsbruck ausprobiert?

Ja, wem taugt das nicht? Wenn es mehr als 30 bis 40 cm frischen Pulver hat, dann können wir nicht trainieren. Dann müssen wir Freeriden gehen! Mein Favorit ist definitiv die Nordkette. Der unglaubliche Blick über Innsbruck und die steilen Hänge am Hafelekar haben es in sich. Aber auch die Axamer Lizum und das Stubaital sind richtig geile Locations.