„Innsbruck ist Fahrradstadt“, sagt Ludi Scholz, Stadtbekannte, Bike Pro und Managerin von Giant, die mir ihre Lieblingstouren verriet.

Überall sieht man sie: Downhill-Fahrer, Mountainbiker, Rennrad-Fahrer bei einer Tour nach der Arbeit oder am Wochenende. Das Zweirad gehört zur Stadt wie Sauerkraut zu Speckknödeln. „Wir Innsbrucker leben eine Bike-Kultur“, erzählt Ludi. Die Lage inmitten der Berge schafft ein Angebot, das zu verlockend ist. Eine Geschichte über die Liebe zu einer Stadt, die von Fahrrädern überrollt wird – Bike.Bruck eben.

Ludi Scholz, Innsbruck, Enduro

Ludi Scholz bei einem gemütlichen Trail am Abend, Foto: David Schultheiß.

Bauch.Gefühl

Angefangen hat Ludi´s Liebe zum Biken 2001 mit einem Downill-Video, das ihr ein Freund gezeigt hat. „Das hat mich sofort schwer fasziniert“, schwärmt sie. „Von einer Verwandten habe ich ein wenig Geld geerbt und mir damit gleich ein Bike gekauft.“ Die Innsbruckerin wusste damals noch nicht, dass sie ein Bike Pro sein wird und 2015 Brand Managerin des Fahrradherstellers LIV, einer Tochterfirma von Giant, die Räder für Frauen macht.

Statt im Labor zu sitzen, wollte Ludi ihre Arbeit lieber mit Reisen, Natur, Sport und Menschen verbinden. Innsbruck bot ihr das Umfeld dazu: Berge, Bikewege, Downhill- und Enduro-Tracks. Studiert hat sie Molekularbiologie, ein Fach, mit dem man ordentlich Kohle verdienen kann. Für das Doktorat bekam sie aber lange Zeit kein Forschungsgeld. Langweile macht erfinderisch, daher wurde sie Fahrtechniktrainerin und Ausbildnerin für den “Übungsleiter Mountainbike” beim Österreichischen Alpenverein. „Damit konnte ich ein bisschen Geld verdienen und habe mich als Bike Guide selbstständig gemacht.“ Bereut habe sie die Entscheidung nie, denn es ging ihr gut: „Ich war zwar arm, aber glücklich, weil ich auf mein Bauchgefühl hörte.“ Damit sie jeden Tag biken kann, lebt Ludi übrigens im Winter in Colorado bei ihrem Freund und im Sommer in Innsbruck.

Fahrrad, Bike, Innsbruck

Nach einer Runde mit dem Bike schnell mal die Altstadt von Innsbruck genießen. Genial! Foto: Vil Joda

Verletzt und gerettet

„Biken ist für mich Freiheit, Freude, Anstrengung und auch Risiko,“ weiß Ludi zu berichten. Downhill ist anstrengend: „Nach einem Trail krampfen einem die Arme.“ Downhill ist gefährlich: „Ohne Schutzkleidung fahren nur Irre“. Downhill ist nur für harte Männer – müsste man jetzt meinen. Trotzdem verbirgt sich unterm Helm eine zarte Frau wie Ludi. Bezahlt hat sie aber schon ausgiebig: Das Biken hat sie durch eine schwere Knieverletzung sprichwörtlich ins Knie gezwungen. Es hat ihr aber auch geholfen: „Mein kaputtes Knie musste ich trainieren, Enduro war meine Rettung, denn Treten heißt Training fürs Knie.“ Ich runzle meine Stirn und Ludi ergänzt: „Enduro-Biker fahren mit ihrem Rad zuerst hinauf, dann gehts hinunter. Downhiller fahren lieber mit dem Lift hinauf. Beides geht in Innsbruck sehr gut.“

Bike.Bekenntnis

Mountainbiker und Downhiller prägen das Bild der Stadt: Überall sieht man sie; in der Früh, zu Mittag, nach der Arbeit. „Beeindruckt bin ich von den älteren Herren, die mich beim Rauffahren aber so was von abhängen. Das gibt es nur in Innsbruck. Dafür bin ich runter halt schneller und schneidiger“, grinst Ludi frech. Außerdem: Innsbruck und Biken gehören einfach zusammen wie Speckknödel und Sauerkraut. „Wir sind Weltstadt, wir sind Sportstadt, wir sind Bike – egal ob Enduro, Downhill oder Tourenfahrer, die sich beim Raufradln die Kante geben.“ Und so einzigartige Events wie das Nordkette Downhill Pro findet man kaum woanders. Inns.Bruck müsste eigentlich Bike.Bruck heißen.

Fahrrad, Bike, Innsbruck

Es gibt kaum eine andere Stadt der Welt, wo sich eine Mountainbiketour schnell mal nach der Arbeit ausgeht. Foto: TVB Innsbruck.

Fahrrad, Bike, Innsbruck

Rennrad in Innsbruck: Keine Angst vor großen Bergen! Foto: TVB Innsbruck

Wer dominiert die Nordkette?

Es ist daher kein Zufall, dass einer der härtesten Downhill-Bewerbe in Innsbruck stattfindet. „Nordkette Downhill Pro ist ein sehr spannendes Event, das den Sport zu uns bringt und zeigt, wie populär der Downhillsport in Innsbruck ist“, schwärmt Ludi. Start ist die Seegrube, das Ziel die Hungerburg. „Der Track ist extrem anspruchsvoll und selbst Profis haben zu kämpfen. Nix für Anfänger und trotzdem ein Aushängeschild der Stadt!“ Jedes Jahr messen sich Lokalmatadore mit Weltcupprofis und stellen sich einer etwas größeren Herausforderung. Die Frage, wer die Nordkette dominiert ist immer wieder auf’s Neue spannend. „Wobei ich manchmal das Gefühl habe, dass die Nordkette eher die Fahrer dominiert.“ Noch wichtiger als der Wettkampf ist aber das Socializing: „Nach dem Training sitzen alle am Lagerfeuer zusammen und die Anfänger treffen die Profi-Fahrer bei einem Bier. Das macht Spaß und bringt Menschen zusammen. In Innsbruck geht’s halt gesellig zu.“

Fahrrad, Bike, Innsbruck

Grausame Langdistanz: Der Nordkette Singletrail ist eine der steilsten und schwierigsten Downhillstrecken Europas inmitten der Bergkulisse direkt oberhalb von Innsbruck. Länge: 4,2 km, 1030 Hm, maximales Gefälle 36 Grad. Foto: TVB Innsbruck.

Love.Story

Für die Romantiker unter uns: Beim Nordkette Downhill Pro hat Ludi ihren Freund kennen gelernt, mit dem sie im Winter in Coloardo lebt und im Sommer in Innsbruck. Biken hat ihr also auch die Liebe ihres Lebens gebracht. Wer jetzt noch immer nicht radeln will, ist selbst Schuld!
 
Innsbruck – Colorado: Für die Story habe ich mit Ludi geskypt. Verabschiedet hat sie sich mit: „Grüß mir meine Heimat!“ Wehmut in den Augen, Sehnsucht in der Stimme.

Weil sich Ludi in Innsbruck wirklich gut auskennt, hier ihre Lieblingsalmen für eine Mountainbike-Tour:

  • Höttinger Alm
    Träumen, Laben, Freunde treffen
    Höhe: 1.487 m
    Fahrzeit, Gehzeit: 2-3 Stunden
    Ausgangspunkt: Hungerburg, Planötzenhof, Innsbruck Stadt
  • Arzler Alm
    Für einen Spaziergang direkt aus der Stadt
    Höhe: 1.067 m
    Fahrzeit, Gehzeit: 1-1,5 Stunde
    Ausgangspunkt: Hungerburg, Innsbruck Stadt
  • Patscher Alm
    Urgemütlich und klein
    Höhe: 1.964 m
    Fahrzeit, Gehzeit: 2-3 Stunden
    Ausgangspunkt: Parkplatz Heilig Wasser, Igls, Patsch
  • Sistranser Alm
    Zwischen Patscherkofel und Glungezer
    Höhe: 1.608 m
    Fahrzeit, Gehzeit: 1,5-2 Stunden
    Ausgangspunkt: Sistrans, Berstation Patscherkofel
  • Pfeishütte
    Klein, fein und chillig im Karwendel
    Höhe: 1.922 m
    Fahrzeit, Gehzeit: 1,5-4 Stunden
    Ausgangspunkt: Station Hafelekar, Arzl, Hungerburg
  • Patscherkofel Schutzhaus
    Mit der Bahn direkt ins Bergrestaurant
    Höhe: 1.960
    Fahrzeit, Gehzeit: 2-3 Stunden
    Ausgangspunkt: Parkplatz Igls, Talstation Patscherkofelbahn
  • Rinner Alm
    Wo noch Schweine und Kühe wohnen
    Höhe: 1.394 m
    Fahrzeit, Gehzeit:
    Ausgangspunkt: Waldparkplatz oberhalb von Rinn

 

Die besten Rennradstrecken verrät euch mein Blogger-Kollege Moritz Busch.