Hausberg der Innsbrucker und Glatzkopf für Genießer

Am Patscherkofel habe ich das Skifahren gelernt – vor 24 Jahren. Heute gehe ich hier Skitouren, und für den Innsbruck Blog bin ich wieder auf zwei Brettern unterwegs. Ein schönes Gefühl ist es, an jenen Ort zurückzukehren, an dem alles angefangen hat: Das erste Mal auf Skiern zu stehen, der Vater ehrgeiziger als sein Sohn selbst, diesem das Skifahren beizubringen. Geschneit hat es dicke Flocken und so richtig kalt war es auch.
Heute im März ist es warm und die Sonne scheint. Ich steige mitten in der Stadt mit Skiern in den Bus der Linie J ein; der Einzige bin ich nicht, denn für die Bewohner der Alpenstadt gehört es dazu: einsteigen, aussteigen, Skifahren. Urban – Alpin ist das Erlebnis; sehr kontrastreich eben. Im Ort Igls angekommen und am Fuße des Patscherkofels gehe ich an einem Bauernhof vorbei, in einem Stall warten Kühe aufs Melken, der Bauer wäscht seinen Traktor. Es sind nur mehr wenige Meter bis zur Patscherkofelbahn, die 1924 erbaut wurde. Die Zeit ist hier oben stehengeblieben. Vor kurzem war ich noch in einer kleinen Großstadt.


Die Nostalgiebahn ist wirklich alt: Am Boden der Gondel stehen zur Stabilisierung massive Betonklötze. Hier oben kann der Fön Windstärken bis zu 120km/h erreichen. Plötzlich spricht er mich an: Ein stattlicher Mann, geschätzte 55 Jahre alt. „Ob ich eine Skitour auf den Gipfel mache?“ fragt er mich. „Nein“, antworte ich. „Geh Skifahren und schreibe hoffentlich eine nette Geschichte darüber.“

Patscherkofelbahn

Abenteuerlich ist die Fahrt in der Nostalgiebahn von 1924.

 

Nach einiger Zeit gibt sich der sympathische Herr zu erkennen: „Thomas Weber! Ich bin der Hüttenwirt des Schutzhauses am Patscherkofel.“ Seit fünf Jahren betreibt er die Hütte und „das Gasthaus mit Blick auf Innsbruck ist meine Herzensangelegenheit.“ Die Zimmer und Stuben sind im Stil des Landes holzgetäfelt und auch kulinarisch kann die Hütte viel bieten: Fischsuppe, Tiroler Küche, Flusskrebsgröstl, wunderbaren Wein oder Graukäse gibt es hier. Das Brot ist selbst gebacken. Berühmt und begehrt ist allerdings der Dreierstrudel: ein Strudel aus Topfen mit Marille, Mohn und Apfel. Leider hatte nichts mehr Platz in meinem Bauch, der Käse war zu viel. Selbstgemachter Zirbenschaps wird hier auch gereicht und es darf nicht geraucht werden. Sehr löblich!

Schutzhaus, Hüttenwirt Thomas. Patscherkofel

Gut “behüttet” ist der Patscherkofel: Stolz zeigt mir Hüttenwirt Thomas sein Schutzhaus.

 

Silvester macht Thomas immer ein Feuerwerk, Après-Ski und Halli Galli kennt er aber nicht. „Ich will einen anderen Weg gehen, der Ballermann-Tourismus interessiert mich nicht“, erzählt Thomas ganz besonnen. Den sanften Tourismus haben viele in Tirol für sich entdeckt. Das ist auch gut so. „Musik gibt es keine auf der Terrasse und das tut den Menschen auch mal gut!“

„Die Ruhe wieder spüren und hören, dem Lärm der Stadt entschwinden“, schwärmt Thomas. Der Patscherkofel ist wirklich ein Refugium für Escapisten, Menschen die dem Treiben der Stadt entfliehen wollen. „Hierher kommen Gäste und Einheimische, die Ruhe suchen und schnell mal ein paar Stunden Skifahren gehen.“ Und das schöne daran: „Immer mehr Junge suchen die Stille des Patscherkofels.“ Es ist wahrlich Genuss auf höchster Ebene. Das steht auch so auf der Schürze von Thomas und der Kellner.

Im März sind die Skipisten angenehm leer. Der Schnee ist weich und wer fällt, tut es weich. Ein echter Tiroler stürzt natürlich nicht, oder nur manchmal. Gut gestärkt schmeiß ich mich ins Tal hinunter und genieße noch ein paar Schwünge.

Die Linie J fährt direkt aus der Stadt in ca. 20 Minuten zur alten Bahn und zum modernen Olympiaexpress. Gut „behüttet“ ist der Berg mit ca. 15 Lokalen. Acht Lifte bringen Skifahrer nach oben, runter geht´s auf rund 20 Pistenkilometern zwischen 900 und 2.250 Höhenmetern. Für Kinder ist das Skigebiet ideal. Nachtschwärmer können zwei Mal in der Woche Skifahren. Außerdem gibt es hier eine Naturrodelbahn, idyllische Wanderwege, man kann Paragliden, Eislaufen und Eisstockschießen. Der Patscherkofel sieht übrigens wie ein Glatzkopf aus; so wird er auch im Gedicht von Dichterin Anni Kraus bezeichnet: “Wenn die Berge streiten.“

Hüttenwirt Thomas Weber

Als Wirt ist er redselig und weiß viel über seinen Berg zu berichten.

 

In Windeseile vom Marktplatz zum Patscherkofel