Die Stadt im Skigebiet heißt Innsbruck: Meister Flo Orley macht sie für euch erfahrbar.

Er gehört zur Weltspitze des Freeridens: Flo Orley kann sich gewagt und elegant einen Steilhang runterschmeißen und nichts passiert. Hexenwerk ist der Sport zwar keines, ihr müsst nur ein wenig Risiko managen und gut fahren können. Eine Powder-Tour in Innsbruck lohnt sich jedenfalls; Flo verrät euch 4 Hotspots der Stadt und wie ihr anfängt.

Foto: Klaus Polzer

Bildunterschrift braucht es hier keine mehr. Foto: Klaus Polzer

Einfach anfangen

Nur, damit ich es gesagt habe: Zuallererst müsst ihr gut Skifahren oder Snowboarden können. „Dann brauchst du genug Mut, dich ins freie Gelände zu trauen“, grinst Flo übers ganze Gesicht im Kaffee Munding in Innsbruck. Man muss nicht gleich harakiri in gefährlichem Terrain unterwegs sein. „Hilfreich ist anfangs jedenfalls eine Ausbildung und die Obhut von jemandem, der sich gut auskennt. Idealerweise Bergführer, Ski- oder Snowboard-Lehrer.“ Diese zeigen euch in Freeride Camps in erster Linie das überlebenswichtige Backcountry-Knowhow.
So wird das Powdern abseits der Piste also sicher: „Teilnehmer fallen oft aus allen Wolken, weil sie sehen, wie einfach alles sein kann.“ „Tschuldigung,“ sagt die Kellnerin und serviert uns heiße Schokolade und eine Sachertorte.

Gut ausgerüstet ist die halbe Miete

„10.000.- Euronen ausgeben musst du nicht, damit es los gehen kann“, beruhigt mich Flo. „Aber ein paar Basics braucht es schon.“ Von unten nach oben:

  • Breitere Ski, die euch mehr Auftrieb verleihen oder ein längeres Snowboard für den Tiefschnee, sonst gibt es Krämpfe im hinteren Fuß.
  • Freeride- und Snowboardschuhe sind sehr hilfreich, weil ihr mit diesen besser gehen und aufsteigen könnt.
  • Die Kleidung ist ein wenig lockerer geschnitten, weil ihr mehr Bewegungsfreiheit braucht.
  • Kernstück des Equipments ist der Rucksack mit Schaufel zum Ausgraben und Sonde zur Suche von Verschütteten.
  • Der Pieps gehört nicht in den Rucksack, weil man diesen verlieren könnte.
  • Airbag-Rucksäcke können die Verschüttung in einer Lawine verhindern.
  • Auf den Kopf gehört ein Helm. Das wär´s für den Anfang.

„Ein richtiger Rider hat natürlich noch andere Sachen mit wie Draht zum Reparieren einer Bindung, Tape zum Kleben, eine zweite Brille, was zu Trinken, ein zweites T-Shirt zum Wechseln und eine GoPro für coole Fotos,“ mampft Flo bei einem herzhaften Biss in die Torte. „Ahh… Rückenprotektoren sind auch nicht unwichtig.“

Sicher selbstständig werden

Wann kann ein Beginner frei, also selbstständig fahren? „Es liegt an einem selbst, jeder sollte selbst wissen, wann er so weit ist.“  Flo hat Stammgäste, die seit Jahren zu ihm kommen und lieber zahlen, als ohne Guide zu fahren, obwohl sie es könnten. Wichtig ist dennoch, dass ihr mit einem Fachmann beginnt.

Mir dämmert das Meister-Schüler-Verhältnis aus Kung-Fu-Filmen:

Meister: „Du wirst wissen, wann du so weit bist.“
Schüler: „Aber Meister, wie?“
Meister: „Du wirst es spüren!“
Und er wischt sich die heiße Schokolade von seiner Oberlippe herunter. Nicht der Kung-Fu-Meister, sondern Meister Orley.

Vor mir sitzt übrigens ein sympathischer Kerl mit 40 Jahren, langen dunkelblonden Haaren und sonnigem Lächeln. Irgendwie ein freakiger Lausbub, der seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und jung geblieben ist. Schön!

Der Meister sagt: „Distanz zwischen Leben und Tod groß halten!“
Was ein Freerider wissen muss, darüber hat Flo bereits etliche Vorträge gehalten. Wissen und Planung bedeuten jedenfalls Sicherheit und Sicherheit ist die Distanz zwischen Leben und Tod.

 

Foto: Klaus Polzer

Foto: Klaus Polzer

Einen idealen Tourenplan organisiert Flo so:

Wer fährt mit?
„Das Können und die Kondition der Rider bestimmen die Tour.“ Entscheidend ist das schwächste Glied der Kette.

Wie ist das Gelände beschaffen?
„Das Gelände definiert, wo ich welche Route fahren kann.“ Beispielsweise durch Gefälle, Spalten, Felsen aber auch die Lawinensituation je nach Hanglage.

Wie sind die Schneebedingungen?
„Je nach dem, wo der Schnee herkommt, sind bestimmte Gebiete besser oder schlechter.“ Schnee bleibt meist dort hängen, wo er über einen Berg kommt. Der zweite Berg hat dann nichts mehr davon, oder nur mehr wenig.

Wie ist die Lawinensituation?
„Bei Lawinenwarnstufe 1 kannst du fast überall fahren. Bei Stufe 2 nicht steiler als 35 Grad Hangneigung. Bei Stufe 3 nicht steiler als 30 Grad.“ Bei Stufe 4 besser zu Hause bleiben und bei Stufe 5 geht eh nix mehr.

Wie sind meine Fähigkeiten im Verhältnis zum Gelände?
„Je anspruchsvoller das Gelände ist, desto besser muss man fahren können. Logisch oder?“ Aber das Einschätzen ist oft das Problem.

Worst-Case-Szenarien durchspielen: Was passiert wenn?
„Es passieren Situationen, in denen es eng wird. Man muss genau wissen, was im Worst-Case zu tun ist.“ Das ist progressives Risikomanagement, das Flo so beschreibt: „Vor jeder Abfahrt frage ich mich, was ich machen werde, falls eine Lawine abgeht. Ich präge mir Kämme und Grate ein, zu denen ich im Notfall fliehen kann.“ Mit euch kommt es eher nicht so weit.

Meisterlich: Mit Flo Orley freeriden


Kein Witz! Flo Orley geht mit euch alleine oder mit ein paar Freunden in Innsbruck freeriden – auf der Nordkette, in der Axamer Lizum, am Stubaier Gletscher oder im Kühtai. Fragt ihn doch gleich selbst unter: www.freeridecenter-austria.com

Flo über sich, Innsbruck und 4 Freeride-Hot-Spots

Geburtsdatum:

13.10.75

Profession:
Freeride-Profi, Snowboard-Guide, Tandempilot, Vater

Beziehungsstatus:
Verheiratet & 2 Kinder

Größte Erfolge (Competitions):

Vizeweltmeister 2011, 3-facher WM-Dritter (zuletzt 2015)

Motto:
Wir leben im Augenblick, der Weg ist daher das einzig sinnvolle Ziel!

Innsbruck:
Meine Stadt. Meine Freunde. Mein Zuhause. Freeride City.

Freeriden:
Meine größte Leidenschaft seit 30 Jahren.

Nordkette/Seegrube:

Mein Abenteuerspielplatz auf Schnee, am Fels, in der Luft und einfach geil zum Freeriden. Jedes Mal stehe ich oben und schaue auf die Stadt, bevor es los geht.

Foto: Lukas Pilz

Nordkette/Seegrube. Foto: Lukas Pilz

Stubaier Gletscher:
Das Tor zum Hochgebirge und drei Füße am Gletschereis, auch für Anfänger ein tolles Gebiet.

Foto: TVB Innsbruck

Stubaier Gletscher. Foto: TVB Innsbruck

Axamer Lizum:
Hat sich vom Geheimtipp zu einer der aktivsten Freeride-Locations bei Innsbruck entwickelt. Direkt vom Lift ist das Gelände mit jede Menge Cliffdrop-Möglichkeiten erreichbar. Dazu kommen der spektakuläre 3* World Freeride-Qualifier & das Hiking-Paradies der Kalkkögel mit Nordseitenpulver bis in den April.

Foto: TVB Innsbruck

Axamer Lizum. Foto: TVB Innsbruck

Kühtai:
Die perfekt Combo aus Freestyle-Resort mit Tirols größter Superpipe, einem Tiptop-Park und viel Gelände. Extra lange Abfahrten für den, der 30-60 Minuten aufsteigen will.

Foto: TVB Innsbruck

Kühtai. Foto: TVB Innsbruck

Zukunft des Freeridens?
Ehrlicher, exotischer, breiter.

Ist Freeriden eine Sucht?

Ja! In ein paar Sekunden vor einer Fahrt musst du zu 100 Prozent klar sein. Wenn du fährst, dann fährst du, ohne Zurück.

Ein perfekter Tag beginnt mit:
Einpacken für das nächste Abenteuer.

Ein schlechter Tag beginnt mit:
Schlecht gelaunten Kindern

Lawine:
Mein größter Gegner am Berg.

Pulverschnee:

Die perfekte Materie zum Träumen.

Berge:
Ohne die geht`s nicht.

Was ich noch sagen will:
Ein volles Abenteuerbuch ist unendlich viel wertvoller als ein volles Konto.

 

Ich danke fürs Gespräch und werde vielleicht mal bei einer geführten Freeride-Tour dabei sein, über die ich berichten werde. Einen Tandemflug habe ich bereits mitmachen dürfen mit keinem geringeren als Flo Orley selbst. Nachzulesen in folgendem Beitrag: Teuflisch: Paragleiten in Innsbruck

Freeride-Packages gibt es übrigens auch: JETZT FREERIDEN!!!

Foto: Klaus Polzer

Meister Orley in Aktion, wahrscheinlich mit einem längeren Brett. Foto: Klaus Polzer