Samstag, 7.4.2018, kurz nach 8 Uhr in Kühtai: Den Rucksack gepackt marschiere ich Richtung Alpinschule Follow me mitten im Ort. Noch treffe ich nur die Crew von K2, Dynafit und Co. Von den knapp 20 Frauen des Followme & K2 Skitouren-Camps – noch keine Spur.

Die Ausrüstung

Gut für mich. Ich brauche nämlich noch “einmal alles”: Tourenskischuhe, Teleskop-Stöcke, Tourenski plus Bindung und die passenden Felle. Wenn ich normalerweise mit Tourenski unterwegs bin, stechen die neon-orangen, 18 Jahre alten Modelle meiner Mama ganz klar unter den neueren Freeride-Latten hervor. Heute gönnt man mir aber ein neueres Modell von Dynafit und mir wird klar: “Da hat sich ganz schön was getan in den letzten Jahren.”

 Alle Farben des Regenbogens hat man bei der Kollektion von K2 zur Auswahl. © Monica Nadegger

Alle Farben des Regenbogens hat man bei der Kollektion von K2 zur Auswahl. © Monica Nadegger

Mittlerweile ist auch Gerold Santer von der Alpinschule Follow me im Kühtai mit dem ersten Bus voller Mädls angekommen. Rund 15 Teilnehmerinnen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich nehmen beim ersten Skitouren-Camp für Frauen teil. Und auf einmal kehrt Leben in den noch ein wenig verschlafenen Ski-Ort. Bei der Auswahl an K2 Freeride Ski steht man wirklich vor der Qual der Wahl. Es werden Schuhe probiert, Ski begutachtet und noch fehlende LVS-Ausrüstungen verteilt.

Firn, Firn und noch mehr Firn

Alle sind ausgestattet und dann geht es kurz vor 9 Uhr auch schon los. Ich schließe mich der Gruppe rund um Bergführerin Christine Lang an und schon starten wir zielsicher zu den sonnigen Osthängen. Wir sind auf der Suche nach Firn und werden auch schnell fündig. Schon seit mehr als 12 Jahren ist Christine Bergführerin und begleitet von Anfänger bis Profis viele Touren im Gelände.

Vor der ersten Abfahrt erklärt uns Christine, worauf man als Skitouren-Einsteiger besonders achten muss. © Monica Nadegger

Vor der ersten Abfahrt erklärt uns Christine, worauf man als Skitouren-Einsteiger besonders achten muss. © Monica Nadegger

Diese Expertise merkt man. Bevor wir den ersten Schwung in den Frühjahrs-Schnee ziehen, gibt es noch ein paar wichtige Merksätze:

  1. Lawinenbericht lesen und verstehen: Im Gelände ist es überlebenswichtig, die Gegebenheiten im Auge zu behalten. Befinde ich mich auf einem Ost- oder West-Hang? Gibt es irgendwo Zeichen für Triebschnee oder andere Gefahren? Und wie muss ich mein Fahrverhalten der Lawinenwarnstufe anpassen.
  2. Wir müssen niemandem etwas beweisen.

Vor allem der zweite Satz war ihr sehr wichtig. Denn ohne Männer fährt es sich ihrer Meinung nach vor allem am Anfang entspannter. Egal ob die anfänglichen Schwünge noch etwas holprig sind – der Spaß und die Sicherheit am Berg zählen. Und dann geht es auch schon los. Christine hat selbst lange in Innsbruck gelebt und ist erst seit kurzem wieder in ihrer Heimat Leogang zu finden. Das Kühtai kennt sie daher wie ihre Westentasche und zeigt uns gleich die besten Firnhänge, die jede Teilnehmerin problemlos fahren kann. Nach einer kurzen Einheit Ski-Technik-Training geht es dann auch schon Richtung Mittagessen zurück zur Alpinschule Follow me.

Rauf, runter, suchen!

Gestärkt und mit einer Extra-Schicht Sonnencreme geht es am Nachmittag weiter mit den nächsten Workshops. Jetzt werden die Felle aufgezogen und die Schuhe in den Geh-Modus umgestellt. Wir steigen auf. Gerold hat dabei noch einige wertvolle Tipps für uns. Wenn man sich nämlich auf die Entlastung (und nicht die Belastung) konzentriert, steigt man um einiges entspannter auf.

Bevor es noch höher hinauf geht, werden die Felle aufgezogen. Wir sind bereit! © Monica Nadegger

Bevor es noch höher hinauf geht, werden die Felle aufgezogen. Wir sind bereit! © Monica Nadegger

Anna vom K2 Alliance Team unterstützt die Camp-Teilnehmerinnen mit viel Erfahrung und noch mehr guter Laune. © Monica Nadegger

Anna vom K2 Alliance Team unterstützt die Camp-Teilnehmerinnen mit viel Erfahrung und noch mehr guter Laune. © Monica Nadegger

Im etwas steileren Gelände üben wir dann auch schon die Königsdisziplin des Skitourengehens: die Spitzkehren. Wie man die Stöcke richtig setzt, wann welcher Ski wie angehoben und umgesetzt wird und welche Feinheiten noch zu beachten sind, wird jeder einzelnen Teilnehmerin gezeigt. Nach ein paar Versuchen sieht es dann auch bei Spitzkehren-Anfängern wir mir gar nicht mehr so schlecht aus. Wie bei allem gilt hier: Übung macht den Tourengeher.

So sollte eine Spitzkehre aussehen. © Ines Hase

So sollte eine Spitzkehre aussehen. © Ines Hase

Im Gänsemarsch geht's nach oben. Die ersten Spitzkehren warten schon! ©Monica Nadegger

Im Gänsemarsch geht’s nach oben. Die ersten Spitzkehren warten schon! © Monica Nadegger

Die zweite Station am Nachmittag ist überlebensnotwendig. Und nein, ich spreche noch nicht von Kaffee und Kuchen, sondern von dem Lawinen-Training mit Arthur Grengg. Er erklärt uns, wie wir unsere LVS-Geräte richtig einsetzen und was im Notfall zu tun ist. Denn im Ernstfall zählt jede Sekunde. Von der Signalsuche, über die Grobsuche, die Feinsuche und schließlich der Einsatz von Sonde und Schaufel lernen wir die wichtigsten Grundschritte. Nach einer kurzen Theorie-Einführung geht es dann auch schon los. In Zweier-Teams suchen wir unsere Rucksäcke und spielen das Szenario durch. So einfach wie es klingt, ist es dann doch nicht. Wir laufen, suchen, sondieren und graben – und finden alle Rucksäcke lebend wieder. Hier macht es noch Spaß, später sind wir aber so für gefährliche Situationen ein wenig besser gewappnet.

Flipchart einmal anders. Vor der ersten praktischen Such-Übung gibt es noch theoretischen Input. © Monica Nadegger

Flipchart einmal anders. Vor der ersten praktischen Such-Übung gibt es noch theoretischen Input. © Monica Nadegger

Ein Wohlfühl-Camp auf über 2.000 Metern Seehöhe

Zum Abschluss im Kühtai gibt es noch Kaffee und Kuchen. Das Mohnkuchen-Rezept von Gerolds Mutter hinterlässt bleibenden Eindruck und bei einem Cappuccino lässt es sich perfekt über das Gelernte plaudern.

Nur mehr ein Stück Kuchen bliebt für das obligatorische Essens-Foto. Nach so viel Action braucht Frau eben ein bisschen Zucker. © Monica Nadegger

Nur mehr ein Stück Kuchen bleibt für das obligatorische Essens-Foto. Nach so viel Action braucht Frau eben ein bisschen Zucker. © Monica Nadegger

Für mich geht die Reise wieder langsam Richtung Innsbruck. Den Camp-Teilnehmerinnen steht hingegen noch ein entspannendes Abendprogramm unter dem Motto “Bergraumklänge” mit winterlichen Texten und international angehauchter Volksmusik bevor.

Wie lässt es sich besser entspannen, als mit modernen Harfenklängen nach einem sportlichen Tag? © Ines Hase

Wie lässt es sich besser entspannen, als mit modernen Harfenklängen nach einem sportlichen Tag? © Ines Hase

Morgen geht es dann auf die erste Skitour mit den neu erlernten Fähigkeiten. Ich werde den lehrreichen Tag auf jeden Fall in Erinnerung behalten und freue mich schon auf weitere Camps im schönen Kühtai.

Was für ein Ausblick! © Follow me Alpinschule

Was für ein Ausblick! © Follow me Alpinschule

Die Skitour am Sonntag war nicht nur eine Wohltat für die Tourengeher-Seele, sondern das Gelernte vom Vortag konnte gleich umgesetzt werden. © Ines Hase

Die Skitour am Sonntag war nicht nur eine Wohltat für die Tourengeher-Seele, sondern das Gelernte vom Vortag konnte gleich umgesetzt werden. © Ines Hase

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