„Gemma figln?“ Wenn die ersten Bäume blühen, die Skilehrer eifrig Latschenkiefer-Creme schmieren und die weißen Flecken auf den Bergen ringsum Tag für Tag kleiner werden, dann ist der Frühling auch in Tirol angekommen. Und wenn einen dann ein netter Innsbrucker zum Figln einlädt, hat das zwar sehr wohl was mit Frühlingsgefühlen zu tun, ist allerdings nichts Anstößiges, wie man anfangs vielleicht vermuten würde.

Am schönsten ist der Frühling nämlich beim Figln.

Am schönsten ist der Frühling nämlich beim Figln.

Wenn man zu dieser Jahreszeit nun in der Hauptstadt der Alpen zu Besuch ist, kann man leicht Zeuge des besonderen Phänomens werden: dem saisonalen Überschneiden der alpinen Sportarten. So stehen nicht selten Skifahrer, Wanderer in kurzen Hosen, wagehalsige Paragleiter mit großen Rucksäcken und Inder in Flipflops gedrängt nebeneinander in der Gondel, die sie in Windeseile auf 2000m über die Stadt auf die Seegrube und das Hafelekar bringt. Und dann wären da noch die Figler und Figlerinnen.

Das sind all jene, die man nicht gleich zuordnen kann. Sie tragen feste Wanderschuhe oder auch Skischuhe und haben kurze Ski aus Blech in der Hand. Die Sportart ihrer Wahl wurde von dem Innsbrucker Emo Johann Heinrich im Jahre 1946 patentiert und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit in den Bergen. Heinrich machte damals aus der Not nach hochalpinen Klettertouren über Schneefelder heil bergabzukommen eine Tugend, und fuhr bereits damals mit Fichtenbrettern über den weichen Firn-Schnee talwärts.

Blick über Innsbruck und in die Berge, da kommen die Frühlingsgefühle ganz automatisch auf.

Blick über Innsbruck und in die Berge, da kommen die Frühlingsgefühle ganz automatisch auf.

Wenn der Schnee schmilzt ist die Zeit gekommen die Figl aus dem Keller zu holen.

Wenn der Schnee schmilzt ist die Zeit gekommen die Figl aus dem Keller zu holen.

Die Figlscharte in der Karrinne 2012, eine Respekteinflösende Angelegenheit.

Die Figlscharte in der Karrinne 2012. Da wird mir schon in Gedanken ein wenig flau im Magen.

„Wenn der Baggersee noch zu kalt ist, aber die meisten Skigebiete schon zu haben kann’s los gehen!“ Peter ist Ur-Innsbrucker und großer Figl-Enthusiast. Von ihm leihe ich mir Figl (auch bekannt als Firngleiter) aus für meine ersten Versuche und lasse mir die Technik erklären.

Bei den Figln selbst gibt es viele verschiedene Modelle, die klassischen Figl sind Blechski mit Lederlappen, die man mit einer Schnur an den Wandernschuh bindet. Etwas mehr Halt hat man in jenen Figln, die mit einer herkömmlichen Skischuh-Bindungsvorrichtung kommen. Diese eignen sich auch für das akrobatische Figln im Snowpark. Im Gegensatz zu Ski muss man sich bei Figln nicht um den Belag (gibt es nicht) oder die Kanten (bringen einem nichts) sorgen. Selbst Steine können den Figln kaum etwas anhaben, ein recht unzerstörbares Sportgerät.

Zwei klassische Modelle mit unterschiedlicher Bindung.

Zwei klassische Modelle mit unterschiedlicher Bindung.

Mein Modell der Wahl und ein klassischer Figl-Sprung mit Hafelekar im Hintergrund.

Mein Modell der Wahl und ein klassischer Figl-Foto-Jump mit Hafelekar im Hintergrund.

„Sonnencreme, Augenschutz und eventuell einen farbenfrohen Kleidungsfund aus Papas, Tantes oder Opas Kleiderschrank sind sinnvolle Accessoires.“ Peter weiß, wovon er spricht, und so stehe ich an einem sonnigen Sonntag am Anfängerhang auf der Seegrube und probiere den Spaß einfach mal aus. Popo nach hinten raus, volle Rückenlage und los. Und wie bremse ich eigentlich? Nun, Bremsen gibt es nicht, abgesehen vom klassischen Hinsetzen. Wie das so aussieht und wie es aussieht, wenn man das Figln zur akrobatischen Vollendung treibt, gibt es in einem kleinen Videoausschnitt zu sehen.

Ein bisschen wird es nun noch dauern, bis es soweit ist und die Figl-Saison in Fahrt kommt. Meine Antwort steht aber jetzt schon fest: da bin ich fix dabei.

5 Fragen an den Tiroler Experten

Peter Anegg im Interview.

Peter Anegg (hier am Hafelekar mit den Figln seiner Wahl) im Interview.

Welche körperlichen und geistigen Voraussetzungen sollte man mit sich bringen um Figln zu erlernen?
Jeder, der gern an der frischen Luft und nicht wasserscheu ist, ist hervorragend für die Figl-Gaudi geeignet.

Figln für dich in drei Worten:
Feucht. Fröhlicher. Spaß.

Dein erstes Mal. Kannst du dich noch erinnern, wie alt du warst, bzw. wo du zum ersten Mal auf Figln den Hang runtergesaust bist?
Als Spätberufener ist mein erster Versuch knapp 10 Jahre her und erfolgte ganz klassisch auf der Seegrube.

Immer mehr ehemalige Trendsportarten werden im Laufe der Jahre olympisch, wie viel Chancen rechnest du Firngleiten aus auch einmal zu den ganz Großen zu gehören?
Große Chancen für Figln bei Olympia kann ich mir leider nicht vorstellen, da es hauptsächlich in Österreich praktiziert wird bzw. überhaupt nur dort bekannt ist. Außerdem müsste man das Filgn in die olympischen Sommerspiele integrieren, was wiederum die Wahl der Austragungsorte schwierig macht. Es gibt aber jährlich das ein oder andere Figlrennen in Tirol.

Beim Figln hängt viel vom Schnee und den bereits geschaffenen Rinnen ab, gab es in den letzten 10 Jahren besonders gute Jahre? Wie sieht deine Prognose für diesen Frühling aus?
Durch die nur schwache Schneedecke könnte die heurige Figlsaison leider eher kurz ausfallen. Gute Jahre waren z.B.: 2009 (Foto von der tiefen Figlrinne am Hafelekar) und 2010 (Videoauschnitte)

Nachm Figln geht's auf die Chill Out Area auf der Seegrube.

Nachm Figln geht’s auf die Chill Out Area auf der Seegrube.

Weitere Informationen
Figl können beim Alpenverein Innsbruck um 5€ pro Tag ausgeborgt werden. Alternativ bekommt man sie auch beim Sportverleih Rudi auf der Seegrube selbst.

 

Alle Fotos: Lea Hajner und aus dem Archiv von Peter Anegg, vielen Dank.