Was ist Enduro? Wie in beinahe jedem Sport gibt es verschiedene Lager und Gruppierungen. Und, obwohl alle irgendwie vom gleichen reden, kann oft kein Verständnis für die Gegenseite aufgebracht werden. Wie genau man den Begriff Enduro am Besten beschreibt, ist ein empfindlich kontroverses Thema und hat bestimmt schon zu langwierigen Diskussionen an den Bierbänken geführt. Hier ein Versuch den Begriff Enduro aus verschiedenen Blickwinkeln – möglichst objektiv und demokratisch natürlich – zu beschreiben:

… aus der Sicht eines bergauforientierten Racebikers: Mit Traktorreifen und viel zu schweren Bikes träge und langsam den Berg raufschleichen, um sich danach über endlose Wurzelteppiche, riesige Felsstufen und Steilkurven in eine Nahtoderfahrung zu begeben. Und das auch noch in weiten, viel zu heißen Longsleeves und flatternden Shorts.

… aus der Sicht eines bergaborientierten Downhillers: Unnötige Energie und Zeit beim Forstwege-Bergauftreten verschießen, um dann müde und langsam nur ein einziges Mal den coolen Trail ballern zu können (mit viel zu wenig Federweg und extrem gefährlicher Helmwahl).

… aus der Sicht eines Endurofahrers: Die kompletteste Art Mountainbike zu fahren, Freiheit auf zwei Rädern, Dauergrinsen im Gesicht, einfach lässig.

Enduro-Schaukel

Ihr habt es vielleicht schon vermutet – wir sind am liebsten mit unseren Enduro-Bikes unterwegs. Relativ viel Federweg, breite Lenker, abfahrtsorientierte Reifen und – aufgrund des moderaten Gewichts und der ausgeklügelten Geometrie – trotzdem noch halbwegs agil bergauf.

Start- und Endpunkt unserer heutigen Tour ist der Kern Innsbrucks. Der erste Teil der Strecke führt uns über den Mentlberg nach Mutters. Von dort sind es ein paar Meter auf Asphalt Richtung Kreith, bevor man auf einen Forstweg mit angenehmer Steigung gen Kreither Alm abbiegt.

Marillenkuchen statt Powerbar

Ziemlich griabig (auf gut Deutsch: gemütlich) liegt die Kreither Alm im Talkessel, und nach fast 1.000 Höhenmetern kommt eine kleine Stärkung in Form von Knödel und Kuchen genau richtig. Wer braucht schon Powerbar!

Weiter geht’s vorbei an der Raitiser Alm (nicht bewirtschaftet) und auf dem idyllischen Innsbrucker Almenweg zur Mutterer Alm.

Nach einem kurzen Stich von der Bergstation der Mutterer Alm hinauf zum Speicherteich ziehen wir uns zum ersten Mal unsere Knieprotektoren an. Vorfreude!

Wild & Rough

Mit Vollgas geht es im Bikepark Innsbruck hinein in den ‘Wild One’, der unten dann in den ‘Rough One’ mündet. Oben erwarten uns viele flowig geshapte Kurven, kleine Wellen zum Abheben und einige Northshore-Elemente. Beim Rough One geht es naturbelassener über Wurzeln und Stufen ziemlich zur Sache, genau dieser Mix bedeutet für uns ultimativen Spaß. Sooo Enduro! 😉

Nach der langen Abfahrt geht’s einmal quer durch Innsbruck, und auf der gegenüberliegenden Talseite auch schon wieder bergauf. Über das Höttinger Bild schlängeln wir uns in etwas gemäßigterem Tempo den Forstweg die Nordkette hinauf. Zugegebenermaßen: mit den Gedanken schon bei der nächsten Einkehr.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Ein paar Minuten nachdem wir die Umbrüggler Alm erreichen, sorgt ein Sommergewitter für Abkühlung von Außen – und das Weißbier von Innen. Gut geschützt auf der gemütlichen Terrasse der Alm, beobachten wir das Wetterspektakel und überzeugen uns selbst vom guten Ruf der Küche. Wir sind uns sicher, nicht nur der sich ankündigende Hungerast ist Schuld an unserer Begeisterung für das Essen auf der Umbrüggler. Die Kaspressknödel und der Backhendlsalat sind wirklich phänomenal! Und wenn du denkst, es geht nicht besser… kommt von irgendwo ein Traum von Topfenstrudel mit Vanillesauce und frischen Beeren daher. Die Sonne hatte sich mittlerweile auch schon wieder gegen das kurzweilige Gewitter durchgesetzt und so sind wir bereit für die letzte Etappe unserer Tour.

Mit aufgeladenen Batterien (nicht falsch verstehen, Bio-Bike, kein E!) strampeln wir noch ein paar Höhenmeter auf dem Forstweg bergauf. Hier gäbe es weiter oben auch die Option auf den Nordkette Singletrail einzusteigen, der ist jedoch momentan geschlossen. Daher queren wir direkt hinüber zum Arzler Alm Trail, wo wir die letzte Abfahrt des Tages genießen. Auf unserem Hometrail kennen wir natürlich jede Wurzel, was dem Spaß keinen Abbruch tut – ganz im Gegenteil! Der AAT, wie wir Locals den Arzler Alm Trail nennen, ist eine perfekte Symbiose aus flowigen und ruppigen Passagen, kleinen und größeren Sprüngen und Anliegern – so wie wir es am liebsten mögen!

Hier geht’s zum Track unserer Tour:

https://www.komoot.com/tour/225243056/embed?profile=1