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Abkühlen in der Eisgrotte am Stubaier Gletscher

Es ist heiß. Und jeder, der etwas Anderes behauptet, lügt. Seit Wochen ist der Tiroler Sommer 2015 ein Prachtexemplar sondergleichen. Während man sich in Innsbruck bei dem einen oder anderem Eis abkühlt, hat man am Stubaier gleich eine Eisgrotte errichtet. Diese ist seit letztem Jahr für Besucher zugänglich. Im Winter ein lauschig warmes Plätzchen, wenn draußen die Minusgrade wüten, im Sommer die beste Erfrischung weit und breit. 

Knapp eine Stunde braucht man mit dem Auto zu den Bergbahnen des Stubaier Gletschers [1], dann geht es hinauf zum Eisgrat.

Erster Stop.

Bereits am Parkplatz war die Luft deutlich frischer und angenehmer. Nun wollen wir die 0 Grad Grenze aufsuchen. Das Schild zeigt uns den Weg zum Gletscherflo Frederik. Eins vorweg: Gletscherflöhe gibt es wirklich! Sie sind ganz besondere Freund von Bauleitern, denn wenn sie gefunden werden, liegen ganze Baustellen – aus Schutzgründen – ruhig. Wir begegnen allerdings keinem, mit der Ausnahme des Maskottchens.

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Ein steiler Weg (gute Schuhe sehr von Vorteil) führt einige Meter unter die Bergstation zum Eingang der Höhle. Für Kleingruppen kann man auf Wunsch gratis eine Führung voranmelden. Ich schließe mich einer kleinen Gruppe an. Daniel Mersch, der die Führungen macht, kennt hier alles in- und auswendig, er ist für die Eisgrotte zuständig. Wer die Runde durchs Eis alleine geht, kann sich beim Kauf der “Coins” für das Drehkreuz eine kleine Broschüre mit allen wichtigen Infos holen. Das Drehkreuz reguliert die Menge der Leute, die sich zugleich in der Höhle aufhält. Bei 60 Personen ist Einlassstop – damit sie nicht wegschmilzt. An viel besuchten Tagen kann die Temperatur trotzdem schonmal ein bisschen ansteigen. Wir haben genau 1 Grad bei unserem Besuch.

Ice, ice, baby

Die Höhle wurde komplett neu gemacht, und ist keine Gletscherspalte. Sie wurde mit Maschinen – und im hinteren, engen Teil, mit der Hand – ins Eis geschlagen. Dabei hat man sich mit der Uni Innsbruck zusammengetan und alle möglichen Forschungen angestellt. Das Eis das dabei ausgegraben wurde liegt heute übrigens unter dem Vorplatz beim Eingang und wurde so nicht komplett vom Gletscher entfernt. So hat man nun die Möglichkeit 30 Meter unter der Eisdecke zu spazieren. Nach unten sind es übrigens auch noch einmal 20-30 Meter.

Super Handyempfang 30Meter unter dem Eis. [6]

Super Handyempfang 30 Meter unter dem Eis.

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Die Stationen entlang des Pfades erklären anschaulich die Entstehung von Gletscherspalten, was eigentlich Gletschermilch ist und sie zeigen die diversen Einschlüsse im Eis auf. Wie bei einem Baum kann man auch im Eis die Jahre ablesen. Schichten, die Bläschen eingeschlossen haben, waren mal Schnee – also Winter. Andere sind glasklar und im Sommer entstanden. Auch wenn man keine großen Dinge gefunden hat, ein paar kleine Funde begeistern auch die Besucher. Zum Beispiel die Pilzsporen oder die Saharasandreste oder auch die Milbe, die durch das Mikroskop riesig aussieht!

Welche Farbe hat Eis?

Schaut man von oben auf den Gletscher könnte man meinen, das Eis sei Blau. Warum das nicht so ist, ist schnell erklärt. Rotes Licht wird sehr schnell absorbiert, während blaues tief ins Eis eindringen kann. Nach einem Meter Eisschicht sind so nur mehr 1% Rot vorhanden, aber noch 25% Blau. Falls die Frage mal bei Trivial Pursuit kommt, wisst ihr nun also Bescheid!

Wenn man schonmal auf einem Gletscher steht, muss man natürlich auch die Aussicht von oben genießen. Mit der Seilbahn geht es zum Top of Tyrol – der Gipfelplattform. Hier kommt man schon ganz schön aus der Puste – kein Wunder, die Plattform liegt auf 3.210m. Dafür hat man sich dann die “Gletscherpommes” in der Jochdohle verdient. Schmecken übrigens viel besser als Schwimmbadpommes und gehören zu einem heißen Sommertag einfach dazu.

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Am Ende des Tages fahren wir müde zurück nach Innsbruck. So viel frische Luft und die Höhe machen einen doch recht fertig. Gut fertig. Als ich aussteige, treffe ich ein paar Freunde, die darüber klagen, wie heiß es heute in der Stadt war. Mir kommt es angenehm warm vor, ich bin doch gut gekühlt und nach einem Schläfchen auch wieder recht frisch.

Ein perfekter Sommertag.

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Weitere Infos:

 

Alle Fotos: Lea Hajner 

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