Der Herbst zeigt uns auf eine ganz wunderbare Weise, dass Veränderung etwas Schönes sein kann. Keine andere Jahreszeit bietet ein so prächtiges Farbenspiel und weist uns freundlich, aber bestimmt darauf hin, wieder etwas langsamer zu treten. Die Tage werden kürzer, die Temperaturen sinken und die Natur geizt nicht mit ihren Reizen. Einerseits mit den offensichtlichen: der wunderbaren Farbenpracht, andererseits mit kulinarischen Köstlichkeiten. Dies soll eine Hommage an den Herbst sein und zeigen, wie schön er ist, was man vor allem mit Kindern unternehmen kann und welche Feste wir hier in Tirol feiern.

Bunte Schätze

Waldspaziergänge machen im Herbst am meisten Spaß. Allein der Geruch von frisch gefallenem Laub lässt meine Laune steigen, die leuchtenden Gelb-, Orange- und Rottöne tun ihr übriges. Wer Kinder hat, darf die Natur aber nicht nur draußen genießen, sondern findet plötzlich auch in der Wohnung alle möglichen Schätze. Oder geht es nur mir so? Meine Jungs jedenfalls lieben es, Kastanien, Blätter und Tschurtschen (österreichisches Wort für Tannenzapfen) zu sammeln und mit nach Hause zu bringen. Aber was macht man dann damit? Wegwerfen? Das fände ich irgendwie schade. Also basteln wir. Ich bin aber ehrlich gesagt ein eher praktisch veranlagter Mensch. Ich verfüge weder über massenhaft Geduld, noch möchte ich viele verschiedene Materialen kaufen. Also verwenden wir das, was wir ohnehin zuhause haben. Besonders hipp ausgedrückt: wir recyceln, oder noch besser: wir upcyceln.

Ich möchte euch gerne unsere liebsten Herbstspaziergänge vorstellen und euch zeigen, was wir gefunden und daraus gebastelt haben. So viel sei verraten, es geht um den heiligen Martin, aber dazu später mehr.

buntes Herbstlaub

Was man daraus alles basteln kann?

Der goldene Herbst in Lans

Fangen wir mit einer wunderbaren Miniwanderung an, die erstens kinderwagentauglich und zweitens schon für ganz Kleine gut bewältigbar ist. Wir starten beim gebührenpflichtigen Parkplatz des Gasthof Walzl und spazieren Richtung Norden. Dann überqueren wir die Straßenbahnschienen und biegen nach links (also Richtung Westen) ab. Entlang der Schienen spazieren wie ein paar Minuten, bevor wir rechts zum Lanser See abbiegen. Hier findet auch schon unser erster Stopp statt. Nach so einer “langen” Wanderung muss man sich ja schließlich auch erst einmal ausruhen. Der Lanser See ist wirklich zu schön, um ihn einfach so links liegen zu lassen. Auch wenn die Badezeit vorbei ist, hat das Restaurant Freitag, Samstag und Sonntag geöffnet. Man genießt seinen Kaffee mit einem wunderbaren Blick auf das Wasser.

Lanser See

Im Herbst ist sogar das Licht golden.

Lanser See

Die Badesaison ist längst vorbei und doch sitzen immer wieder Leute am Wasser.

Nach der kleinen Stärkung geht es weiter, hinter dem Lanser See vorbei durch den Wald, auf dem gut beschilderten Weg bis zum Lanser Moor und schließlich weiter bis zum Sportplatz.

Lanser Moor

Fast genauso idyllisch wie der Lanser See

Für mich als Erwachsenen war der Lanser See das Highlight, für Kinder kommt es erst jetzt: und zwar der im September eröffnete „Waldpark Lans“. Ein Spielplatz und ein Pumptrack also ein Fahrrad-Parcours. Nachdem sich die Kleinen ausgetobt haben, geht es wieder Richtung Gasthof Walzl.

Waldpark Lans

Der neu eröffnete Waldpark Lans ist schon für die ganz Kleinen spannend.

Der Waldspielplatz Rinn

Ein Spielplatz, der mir ebenfalls im Herbst sehr gut gefällt, ist der Waldspielplatz in Rinn. Parken kann man problemlos beim kostenpflichtigen Parkplatz der Rinner Alm. All jenen, die keine gehfaulen Kinder haben, empfehle ich auch eine Wanderung zu eben dieser. Momentan ist sie allerdings geschlossen und öffnet erst wieder am 08. Dezember. Es gibt einen Steig, der erstens kürzer und zweitens schöner, aber für Kinder etwas schwerer zu gehen ist. Wer es lieber bequemer mag, nimmt die Forststraße, die theoretisch sogar kinderwagentauglich wäre. Allerdings habe ich das noch nie probiert, denn so lange bergauf zu schieben, ist ganz schön anstrengend. Wer aber lieber nur einen (sehr) kleinen Ausflug macht, spaziert etwa 15 Minuten über den beschilderten Weg bis zum Waldspielplatz.

Waldspielplatz Rinn

Der Waldspielplatz Rinn

Waldspielplatz Rinn

Die Bäume leuchten um die Wette

Er liegt wirklich sehr idyllisch – wie der Name schon vermuten lässt – im Wald. Ein großer Ahornbaum strahlt in leuchtendem Gelb und wenn der Wind geht, wirbelt er das Laub auf. Herbstfeeling pur! Kleiner Tipp: Gummistiefel und Matschhose nicht vergessen, auch bei schönem Wetter, denn es fließt ein kleines Bächlein durch den Spielplatz. Und welches Kind kann der Versuchung widerstehen hinein zuspringen? Meine nicht!

Der Heilige Martin und seine Bräuche

Auf unseren Spaziergängen sammeln wir allerhand Schätze, die wir dekorativ zu Hause verarbeiten. Ich möchte euch hier zeigen, wie man super schnell und super einfach mit Materialen, die fast jeder zu Hause hat, eine Laterne bastelt.

Basteln im Herbst

Aus getrockneten und gepressten Blättern kann man ganz tolle Sachen basteln.

In Österreich und, soweit ich weiß, im gesamten deutschsprachigen Raum, gibt es am 11. November – dem Martinstag – den Brauch des Laternenumzugs. Martin war Bischof von Tours und der Überlieferung nach ein äußerst gütiger, bescheidener und gerechter Mann. Bevor er Bischof wurde, war er Soldat der Reiterei der Kaiserlichen Garde. An einem kalten Wintertag begegnete Martin einem armen, unbekleideten Mann. Außer seinen Waffen und seinem Mantel trug Martin nichts bei sich. In einer barmherzigen Tat teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab eine Hälfte dem Armen. Der Legende nach erschien ihm in dieser Nacht Jesus Christus im Traum.

Jahre später sollte er dann in Tours zum Bischof geweiht werden. Auf Grund seiner Bescheidenheit fühlte er sich dazu aber unwürdig und versteckte sich vor den Einwohnern, die ihn weihen lassen wollten, im Gänsestall. Die aufgeregt schnatternden Gänse verrieten aber seine Anwesenheit, und er musste das Bischofsamt annehmen. Davon leitet sich auch der Brauch ab, am Martinstag eine Gans zu essen. Der aber wohl bekannteste und beliebteste Martinsbrauch ist der Laternenumzug. Die Kinder basteln Laternen und ziehen mit diesen singend durchs Dorf. Das Martinsfest zählt zu den Höhepunkten des Jahres und die Kleinen bereiten sich schon Wochen im Vorhinein darauf vor. Mein Sohn singt mir jedenfalls schon im Oktober Martinslieder vor.

Wir basteln eine Laterne

Ich habe zwei Kinder und der Größere bastelt seine Laterne im Kindergarten. Damit der Kleine aber nicht leer ausgeht, fertigen wir zuhause noch eine an. Wie das ganz einfach geht, zeige ich euch hier: Alles, was ihr dafür braucht, sind eine leere Plastikflasche, Bastelkleber, ein scharfes Messer, Klebeband, einen Laternenstab (zum Beispiel ein Ast oder Bambusstab) Transparentpapier und natürlich getrocknete und gepresste bunte Blätter.

Schon kann’s los gehen: Das Transparentpapier reißt ihr in kleine Stücke, die Flasche schneidet ihr mit dem scharfen Messer zurecht, indem ihr einfach das dickere untere Ende abtrennt. Links und rechts bohrt ihr ungefähr einen Zentimeter unterhalb des Rands zwei kleine Löcher.Durch die schiebt ihr den Draht und verbindet ihn mit dem Stab, an dem die Laterne getragen werden kann. Die Schnittkanten der Flasche mit dem Klebband versiegeln und das zerrissene Transparentpapier bis zum Boden der Plastikflasche aufkleben. Zu guter Letzt kommen die Blätter drauf. Wichtig ist, dass ihr diese bereits einige Tage zuvor gesammelt und gepresst habt. Das Pressen funktioniert am besten, indem ihr die Blätter zwischen zwei dicke Bücher legt. Damit diese nicht schmutzig werden, legt zwischen Blatt und Buch nochmal Küchenrolle. In ein bis zwei Tagen sind die Herbstblätter getrocknet und ihr könnt sie zum Basteln verwenden.

Basteln im Herbst

Unsere Martinslaterne

Genießt den Herbst, er vergeht so schnell. Man sollte jeden Tag richtig auskosten, ob bei einem schönen Spaziergang, einer Tasse Kakao auf dem Sofa oder einer Bastelsession; egal wie, Hauptsache man genießt ihn.

Lust auf weitere Wanderungen mit den Kindern? Dann schaut euch diese Wandertipps an.