Die Wandertour zur Pfeishütte im Karwendel nordöstlich von Innsbruck eignet sich super für Ausprobierer und erfahrene Bergsteiger. Viele Routen von und zur Hütte erlauben Wanderern jeden Levels eine für sich einzigartige Erfahrung. Als Übernachtungsmöglichkeit mit Verpflegung während der Saison von Mitte Juni bis Mitte Oktober ist sie sehr beliebt als Etappenziel bei Mehrtageswanderungen durch das Karwendel.

Die Pfeishütte im Karwendel

Die Terrasse der Pfeishütte lädt zum Verweilen ein. © Maximilian Schneider

Kurz mal raus.

In den Bergen schlafen. Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Oft geht diese Devise mit Wanderungen von mehreren Tagen einher. Für eine Nacht auf der Pfeishütte muss es aber nicht so sein. Wer nur für eine Nacht in die Natur flüchten möchte, liegt bei dieser Hütte goldrichtig. Bevor es losgeht, ist es ratsam, sich auf der Webseite der Hütte einen Schlafplatz zu reservieren. Auch weitere Informationen zur Hütte und ihrer Umgebung sind auf der Webseite zu finden.

Bei der Buchung und der Webseite fällt auf: Hier wird viel Wert auf Persönlichkeit gelegt. Die Hüttenwirte Michl und Vroni stellen sich vor und halten bei Rückfragen persönlich den Kontakt.

Los geht’s

Wenn es so weit ist, den Hüttenschlafsack (ein Bettdeckenüberzug tut es auch), Verpflegung und Wechselkleidung einpacken. Wanderkleidung an, Wanderschuhe schnüren und los geht’s. In meinem Fall hatte ich noch einiges an Kameraequipment dabei, jedoch hat für alles zusammen ein 30-Liter-Rucksack völlig ausgereicht.

Um zur Hütte zu gelangen gibt es von Innsbruck aus mehrere Möglichkeiten. Entweder man fährt mit der Nordkettenbahn bis zur Hafelekarstation und spart sich einige Höhenmeter oder man startet von der Hungerburg aus und steigt auf dem Weg rund 1300 Höhenmeter auf. Da mein Rucksack dann doch recht schwer war, habe ich mich für die leichte Variante entschieden und bin von der Hafelekar-Bergstation aus gestartet.

Vom Hafelekar aus begibt man sich direkt nach Verlassen der Bergtation auf den Goetheweg. Dieser verläuft entlang der Nordkette Richtung Osten und bietet eine unvergleichliche Aussicht über das Inntal. Etwa 2h – 2,5h ist man unterwegs und überwindet insgesamt einen Anstieg von circa 250 Höhenmetern. Damit man vor Staunen nicht stolpert und vom Weg abrutscht, sind schwierigere Stellen mit Drahtseilen als Haltemöglichkeit gesichert.

Der Goetheweg über Innsbruck

Der Goetheweg über Innsbruck © Maximilian Schneider

Nach einiger Zeit muss man sich dann jedoch von der Zivilisation verabschieden und steigt auf der Nordseite der Nordkette in das Karwendel hinab. Nicht nur der Blick auf die Stadt schwindet, sondern auch die Geräuschkulisse und das Mobilfunknetz. Ab hier ist man nur mit sich und dem Wind allein. Über Geröllfelder und hin und wieder an etwas Schnee vorbei, tut sich nach jeder Kurve eine neue Perspektive auf das Karwendel auf und lässt einem jedes Mal aufs Neue den Atem stocken. Nach dem letzten steileren Stück erreicht man das obere Ende der Arzler Scharte. Hier lässt sich ein letztes Mal ein Blick in das Inntal erhaschen. Weiter nordwärts geht es nun durch die Latschenkiefern über das letzte Stück zur Pfeishütte, hier steigt man noch einige Höhenmeter hinab.

Latschen bei der Pfeishütte

Das letzte Stück zur Pfeishütte. © Maximilian Schneider

Ankunft auf der Pfeishütte

Es ist geschafft! Die Hütte ist erreicht. Je nach dem wie früh man seinen Weg auf die Pfeishütte bestreitet, bleibt hier eventuell noch Zeit vor dem Abendessen eine kleine Tour auf einen der umliegenden Gipfel zu machen. Da ich erst gegen Mittag gestartet bin, habe ich mich dazu entschieden auf der Terrasse zu verweilen und ohne Eile mein Zimmer zu beziehen. Die Begrüßung war sehr herzlich und auch der Check-In geht schnell. Es werden kurz die Hausregeln sowie der Ablauf der Nacht erklärt und man darf sich für das Abendessen aus mehreren Speisen für das 3-Gänge-Menü (!) entscheiden. Für mich war es an diesem Abend ein gemischter Salat, Kasspatzln und ein Apfelstrudel als Dessert. Zur Zuordnung aller konsumierten Getränke und Speisen erhält man einen Chip, die Rechnung hierauf wird vor dem Zubettgehen beglichen. Wer hier eine Mitgliedschaft des ÖAV vorweisen kann, der spart sich für die Übernachtung den ein oder anderen Euro.

Das Organisatorische hatte ich nun hinter mir. Bevor ich das Zimmer bezog habe ich meine Wanderschuhe im Schuhkeller gegen trendige Hausschlappen eingetauscht. Auf den ersten Blick scheint die Hütte recht klein, jedoch finden in den zwei Obergeschossen insgesamt 80 Personen in 2-, 3-, 4-, 6- und 8-Bettzimmern sowie den Matratzenlagern (11 – 14 Pers. pro Lager) einen Schlafplatz. Es herrscht Einbahnverkehr auf den engen Treppen, aber genau dies macht die Gemütlichkeit auf einer Hütte wie dieser aus.

Mein Quartier für die Nacht befand sich in einem 6er Zimmer im ersten Stockwerk. Meine Zimmergenossen waren schon vor mir da, das Bett am Fenster war allerdings noch frei. Blick auf die Berge aus dem Bett heraus – wenn das kein Luxus ist!

Vor dem Abendessen war noch etwas Zeit das Bett vorzubereiten, sowie sich frisch zu machen und die Kleidung zu wechseln. Duschen gibt es, für Warmduscher wird ein kleiner Beitrag fällig. Da es sich bei der Hütte um ein geschlossenes und autarkes System handelt, ist besonders die Bereitstellung warmen Duschwassers eine Herausforderung.

Pünktlich um 18:00 Uhr ging es los mit dem Abendessen. Ebenso wie die Zimmer werden die Tische geteilt und schnell macht sich hier die Geselligkeit breit. Jeder teilt seine Geschichten, man lacht, diskutiert und trinkt das ein oder andere Bier. Man hat auch die Möglichkeit sich mit dem Hauswirt Michl zu unterhalten und mehr über die Geschichte und den Betrieb der Hütte zu erfahren. Die Herausforderungen, welche die Lage der Hütte mit sich bringt und wie diese gemeistert werden, sind ein besonders spannendes Thema. Auch ein Blick aus dem Fenster lohnt sich hier hin und wieder, denn der Sonnenuntergang, bei dem das gesamte Tal in ein goldenes Licht getaucht wird, ist auf jeden Fall sehenswert.

Sonnenuntergang in der Pfeis

Die letzten Sonnenstrahlen in der Pfeis © Maximilian Schneider

Pfeishütte bei Nacht

Die Pfeishütte im Vollmondschein © Maximilian Schneider

Nach einem letzten Schlummertrunk heißt es dann die Bettruhe zu suchen. Nachtruhe ist um 22:00 Uhr. Auch wenn man die gemütlich Runde ungern verlassen wird, am nächsten Morgen gilt es wieder früh aufstehen um das Frühstück (07:00 – 08:00 Uhr) nicht zu verpassen. Also ab ins Bett. Mit einem letzten Blick auf die Berge im Vollmondschein habe ich mich von diesem Tag verabschiedet. Am nächsten Morgen ist schon früh Bewegung in der Hütte. Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen und überrascht mit der Auswahl, das frühe Aufstehen lohnt sich also. Nach der Stärkung und dem Abschied von seinem Zimmer und Tischgenossen tritt jeder wieder seine Reise zum nächsten Ziel an.

Zurück in die Stadt

Für mich hieß an diesem Morgen wieder den Rückweg zur Hafelekar-Bergstation zu bestreiten. Auch hier beträgt der Weg gute zwei Stunden. Wie der Hinweg ist die Rückkehr nach Innsbruck über mehrere Routen möglich. Nach den ersten paar Höhenmetern kehrt das Mobilfunknetz auch wieder zurück. Ehrlich gesagt habe ich dies während meines Aufenthalts auf der Hütte nicht vermisst. Über den Goetheweg in entgegengesetzter Richtung geht es aus dem Karwendel wieder hinauf auf die Nordkette, wo man erneut einen wunderschönen Blick auf Innsbruck und das Inntal genießen kann. Am frühen Mittag war der Kurzausflug für mich schon wieder zu Ende. Die Gesamtdauer betrug dabei weniger als 24 Stunden vom Verlassen bis Erreichen meiner Haustüre in Innsbruck.

Fazit

Es war mein erster Besuch auf der Pfeishütte und wird auch nicht mein letzter sein. Die Gastfreundschaft, Persönlichkeit und Gesellschaft in Verbindung mit Natur und Bewegung geben diesem Ausflug ein ganz besonderes Flair. Jeder, der sich einmal an das Thema von Mehrtageswanderungen herantasten möchte, dem kann ich einen Besuch auf der Pfeishütte wärmstens empfehlen. Aufgrund der Lage und Organisation auf der Hütte ist diese ein wunderbarer Einstieg, um das Thema Wandertouren und Schlafen am Berg für sich zu entdecken.

Details

Die Tour

Quelle der Tourendaten: alpenvereinaktiv.com

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