Der Botanische Garten in Hötting versammelt Pflanzen aus aller Welt. Auf rund zwei Hektar entführt die grüne Oase in entfernteste Regionen – vom Himalaya bis in die Antarktis, von den Anden bis Sibirien – und bietet so einen kleinen Urlaub vom Alltag.

Der wunderbar angelegte Teich umrahmt von wasserliebendem Gewächs.

Oase in Hötting

Gegründet 1793, ist die Lehr- und Forschungsstätte des Instituts für Botanik der Universität Innsbruck seit 1906 öffentlich zugänglich. Ob Sonnenschein, trübes Wetter oder Regen – die weitläufige Anlage beherbergt unglaubliche 7.000 Pflanzenarten – im Freien und in Gewächshäusern. Letztere waren bei meinem Besuch wegen der Corona-Verordnungen noch geschlossen, einen virtuellen Rundgang gibt es hier.

Gebirgspflanzen aus allen Kontinenten finden sich im Alpinum.

Bezaubernde exotische und heimische, bekannte und unbekannte Gewächse liefern Ideen für den eigenen Balkon oder Garten und sind einfach wunderbar zu betrachten.

Überlebenskünstler

Am idyllisch angelegten Teich mit plätscherndem Wasser, Seerosen und Schilf vorbei flaniere ich zum Alpinum: große Steingärten, in denen Gebirgspflanzen aus allen Kontinenten versammelt sind, die oberhalb der Waldgrenze wachsen. Blumen, Sträucher, kleine Stauden schmiegen sich an Steine, wuseln am Boden entlang. Sie alle vereint, dass sie in den unwirtlichsten Gegenden gedeihen, sich den wechselnden klimatischen Bedingungen perfekt angepasst haben. Über einige alpine Blumen habe ich vor kurzem gebloggt.

Eigene Zucht

Am Institut für Botanik ist man stolz darauf, fast alle Pflanzen aus Samen gezogen zu haben, die direkt vom jeweiligen Naturstandort kommen. Die Gärten werden liebevoll gehegt und gepflegt. Infotäfelchen helfen beim Bestimmen der Pflanzen, immer wieder gibt es (interaktive) Schauelemente, die den Besuchern zum Beispiel die Bedeutung der Bäume fürs Klima näherbringen.

Am Krötenbrunnen vorbei geht es zu den Heilpflanzen.

Im Systemgarten fühlen sich nicht nur Ordnungsfreunde wohl, die systematische Erfassung der Pflanzenwelt bildet die Grundlage für die Botanik.
Wenige Schritte weiter tauche ich ein in die Welt der Heil-, Gewürz- und Giftpflanzen. Nicht fehlen darf der giftige Gefleckte Schierling. Der „Schierlingsbecher“ bedeutete in der Antike das Todesurteil. Das bekannteste Opfer war der Philosoph Sokrates, der 399 vor Christus starb.

Heilkraft der Natur

Viele Heilpflanzen sind giftig, ihre Verwendung braucht daher Fachwissen und Fingerspitzengefühl. Im Botanische Garten kann man sich die Pflanzen genau anschauen, lernen, sie zu unterscheiden – und in freier Natur wiederzuerkennen beziehungsweise wiederzufinden. Rund 300 Pflanzenarten finden sich allein in diesem Abschnitt.

Der Gefleckte Schierling – er schaut harmlos aus, ist aber giftig!

Immer wieder stechen einem beim Rundgang besonders markante Blüten ins Auge, steigt einem ein besonders intensiver Duft in die Nase und wird der Spürsinn gekitzelt. Welche Blume ist das? Woher kommt dieser Strauch? Wie heißt diese Kletterpflanze?

Fünf-Sterne-Unterkunft

In diese Oase eintauchen, heißt, den Alltag hinter sich zu lassen und sich den Geheimnissen der Natur zu nähern.
Insekten finden geradezu paradiesische Zustände. Den fleißigen Bestäubern steht ein luxuriöses Bienenhotel zur Verfügung. Sie haben hier jede Menge zu tun und summen, während sie sich von Blüte zu Blüte schwingen.

Den emsigen Bienen steht ein luxuriöses Hotel zur Verfügung.

Besonders sinnlich finden nicht nur sie den Duft- und Tastgarten. Hier erfahren wir ganz nebenbei Wissenswertes über bekannte und weniger bekannte Blatt- und Blütendufter. Die Eindrücke sammeln sich, während ich an der Zitronenmelisse rieche, die fleischigen Blattrosetten der Hauswurz betaste, vorsichtig über die spitzen Blätter des Stechlaubs streiche oder Korkspindelstrauch, Lorbeer und Mauerpfeffer eingehend begutachte.

Sinnliche Erfahrungen zuhauf gibt es im Duft- und Tastgarten.

Einladende Plätze

Der lauschige Pavillon ist stets gut besucht, von hier geht es zu Bäumen und Sträuchern ins Arboretum. Ich notiere unter anderem Antarktische Scheinbuche (Chile), italienischer Aronstab (Mittelmeergebiet) und Westlichen Gewürzstrauch, der mit seinen samtenen Blüten lockt. Ich stoße auf den Amerikanischen Baumwürger, eine Kletterpflanze, und die aus dem asiatischen Raum stammende Blaugurke.

Samtig rot leuchtet die Blüte des Westlichen Gewürzstrauchs.

Mystische Farne in Fülle

Zum Schluss lande ich in meinem liebsten Bereich – bei den Farnen. Sie sind in jedem Wald zu finden, neben Moosen und Flechten sorgen sie für ein gutes Mikroklima und für einen wunderbar grünen Teppich, aus dem die Bäume sich majestätisch erheben. Farne verwandeln Wälder in Orte voller Zauber und Magie.

Farne aus aller Welt begeistern zum Abschluss des Rundgangs.

Und wie viele es davon gibt. Ein Wahnsinn! Das Sankt-Lorenz-Blasenfarn stammt aus Nordamerika, der Immergrüne Frauenhaarfarn aus dem Himalayagebiet, der Rotschleier-Wundfarn aus Ostasien, der Empfindsame Perlfarn wächst in Nordamerika und Ostasien wie der Pfauenrad-Frauenhaarfarn. Einige Namen lassen der Fantasie Flügel wachsen.

Einfach abtauchen

Ich könnte Stunden im Botanischen Garten verbringen! In der Tat lädt er zu immer neuen Erkundungen und Spaziergängen ein, denn es gibt unglaublich viel zu entdecken. Ein floraler Weltenbummel, der das Fernweh mildert, den Wissensdurst stillt, zum Erholen und Staunen einlädt – und leicht zu erreichen ist: Buslinie H und A, Haltestelle Botanikerstraße.

Üppige Blütenpracht zieht Bestäuber magisch an – Kalifornischer Strauchmohn zum Beispiel.

Übrigens: Wer am Patscherkofel, Innsbrucks Hausberg, wandert oder radelt, sollte sich den dortigen Alpengarten nicht entgehen lassen – immerhin der höchstgelegene Botanische Garten Österreichs. Der Rundwanderweg führt vorbei an alpinen Kräutern, Blumen und Sträuchern. Die Universität betreibt dort eine Forschungsstation.

Flinker Zeitgenosse erklimmt auf seiner Erkundungstour ein Hinweisschild.

Ab Juli gibt es wieder einmal im Monat Führungen im Botanischen Garten. Erster Termin: Donnerstag, 9. Juli um 17.00 Uhr. Weitere Termine und Informationen findet ihr hier sowie Informationen zu den aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen für Besucher auf der Homepage.

Das Freigelände des Botanischen Gartens ist täglich von 8.00 Uhr bis 19.00 Uhr geöffnet, über die Botaniker- und die Sternwartestraße zugänglich. Freigelände: Eintritt frei, Tropische Schaugewächshäuser: 2 € für Erwachsene, 1 € für Kinder, Schüler, Studenten, Senioren. Aufgrund der Corona-Schutzbestimmungen gelten Zugangsbeschränkungen für die Gewächshäuser!

Botanischer Garten
Institut für Botanik/Universität Innsbruck
Sternwartestraße 15
6020 Innsbruck
Botanischer-Garten@uibk.ac.at
www.uibk.ac.at/botany/botanical-garden
Infos zu den Führungen: Tel. +43 512 507-51177, Mail Gruene-Schule@uibk.ac.at

Neben dem Botanischen Garten verfügt Innsbruck über eine Vielzahl grüner Oasen, die zum Verweilen einladen – darunter der Hofgarten, der Rapoldi Park oder der Park von Schloss Ambras.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: ©Susanne Gurschler