Seit letztem Jahr bietet das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck Themenführungen an – letzthin ging es um „Das Runde, das Eckige und die wichtigste Nebensache der Welt“: die Fußballgeschichte Innsbrucks. Und die begann tatsächlich in der Innenstadt.

Georg Herrmann zeigte uns Orte in der Innenstadt, die eng mit der Geschichte des Fußballs verknüpft sind.

Fußball ist, ich muss es gestehen, keines meiner Herzensthemen. Ich kann mich maximal für die Weltmeisterschaften erwärmen. Ansonsten ist Fußball für mich nicht die wichtigste Nebensache der Welt – sorry, liebe Fußballfans. Allerdings: Wo die Geschichte des runden Leders in der Innenstadt seine Spuren hinterlassen hat, das interessiert mich wieder brennend.

In diesem gelben Gebäude am Innrain befand sich das legendäre Gasthaus Bierwastl.

Das Runde und das Eckige

Georg Herrmann, Fußballfan und Verfasser der „Innsbrucker Fußball Fibel“, wird uns dieses Mal von Station zu Station mit Infos füttern. Wir müssten einiges an Fantasie aufwenden, denn die Orte, die wir besuchen, seien heute ganz anders als damals, warnt Herrmann bevor wir starten. Letztes Jahr verzeichnete der Tiroler Fußballverband (TFV) neun Innsbrucker Fußballvereine, heuer sind es acht – der Verein „Sans papiers“, 2013 gegründet und damit der jüngste Innsbrucker Fußballverein, nimmt heuer eine Auszeit.

Postkarte mit dem Gasthaus zum Bierwastl, wo 1905 der Verein „Fußball Innsbruck“ gegründet wurde. Foto: © Stadtarchiv Innsbruck

Beim Bierwastl

Wir spazieren Richtung Innrain, im Haus Nummer 19 befand sich früher der Gasthof zum Bierwastl. Hier gründeten Ballenthusiasten 1905 den ersten Innsbrucker Fußballverein – Fußball Innsbruck (FI). Begonnen hatte der Kampf ums Leder früher. Schon 1898 spurteten Nachwuchssportler hinter dem Ball her, am sogenannten Prügelbau. Wo sich heute die Universitätsbibliothek befindet, führten Innsbrucker Schüler nicht nur ihre Leibesübungen durch, dort stellten sie auch die ersten Tore auf – markiert durch Kleidungsstücke.

In der Altstadt mag es keinen Fußballplatz geben – Bezüge zur Fußballgeschichte in Innsbruck finden sich dafür einige.

Und die Regeln waren noch ziemlich diffus: „Wer den Ball hatte, gab ihn meist einfach nicht mehr ab“, schmunzelt Herrmann. Die Leidenschaft für den Sport griff um sich. In der Kiebachgasse 18 befand sich das erste Büro des FC Wacker, der 1913 als Verein angemeldet wurde, im Gasthaus Goldenes Dachl gründete sich der FC Veldidena.

Im Gasthaus Goldenes Dachl in der Altstadt wurde 1919 der Fußballverein Veldidena gegründet.

Förderungen und Forderungen

Natürlich darf das Historische Rathaus in der Altstadt als Station nicht fehlen, immerhin befindet sich hier das Sportamt – die städtische Institution, die für die Förderung der Vereine und den Erhalt der Plätze zuständig ist.

Östlich des Hofgartens findet sich der Fußballplatz der Union Innsbruck.

Der Mangel an Flächen, der Zustand der Spielfelder war, so Herrmann, seit der Gründung der Sportvereine ein Dauerthema. 1974 gingen die Vereine sogar auf die Straße, um ihrer Forderung nach mehr Sportplätzen in der Stadt Nachdruck zu verleihen.

Auf dem Platz

Im Zentrum gibt es heute nur noch wenige Fußballplätze, mit dem 1925 eröffneten Tivoli-Areal verschwanden die meisten von hier. Dem Ball hinterher ist man immer noch am Beselepark nahe der Klinik. Dieser erhielt als erster einen Kunstrasen. Östlich des Hofgartens findet sich der Fußballplatz der 1965 gegründeten Union Innsbruck. Für deren Nachwuchs war das MK, das Jugendzentrum am Jesuitenkolleg in der Sillgasse, ein wichtiger Pool.

Ausgrenzung

Bezugnehmend auf die Synagoge in der Sillgasse verweist Herrmann darauf, dass über jüdische Mitbürger in der Fußballgeschichte kaum Informationen vorhanden sind. Mit ein Grund dafür sei wohl der damals in Tirol stark verankerte Antisemitismus.

Einige der Teilnehmer entpuppten sich als profunde Kenner der Innsbrucker Fußballgeschichte.

Bereits 1898 gab es Plakate mit Aufrufen, nicht bei Juden zu kaufen – die jüdischen Geschäfte waren namentlich angeführt. 1938 waren 25 Vereine in Innsbruck aktiv, bis auf vier wurden alle vom NS-Regime verboten. „Der Innsbrucker Sportklub ISK und der IAC verblieben aufgrund ihrer sportlichen Leistungen, der SVI und der FC Wacker als Wegbereiter des Fußballsports“, so Herrmann.

Der Fußballverband

Schon sind wir beim Hotel Grauer Bär in der Universitätsstraße angelangt. Im Gastlokal erfolgte am 5. September 1919 die Gründung des Tiroler Fußballverbandes, der sich kurzzeitig in „Tiroler Fußball Gauverband“ umbenennen musste, seit 1920 aber wieder „Tiroler Fußballverband“ heißt. Weiter geht’s in die Maria-Theresien-Straße, der letzten Station des Themenspaziergangs.

Der Beselepark südöstlich der Klinik am Südring gelegen erhielt als erster Platz Innsbrucks einen Kunstrasen.

Im Saal des legendären Breinößl versammelten sich 1964 über 2.000 Menschen, um im Radio die Liveübertragung des Spiels des FC Wacker gegen Wacker Wien zu verfolgen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie beengt die Situation war, wie angespannt die Nerven.

Meister am Ball

Und auch der Balkon des Rathauses erlebte schon einige kritische Momente. Etwa als der FC Tirol den Meistertitel holte und die Sieger sich auf den schmalen Balkon drängten. Der Tisch im dahinterliegenden Saal soll den feiernden Fußballern als Tanzfläche gedient haben.

Einer der wenigen Fußballplätze in der Innenstadt: der UNION-Fußballplatz östlich des Hofgartens

Beinahe vergessen zu erwähnen hätte Georg Herrmann, dass es auch eine Geschichte des Frauenfußballs gibt. Vor 40 Jahren wurde die erste Damenmannschaft in Innsbruck gegründet – heute sind drei aktiv. Das Runde und das Eckige ist also längst auch für Frauen die wichtigste Nebensache der Welt.

Das Café Restaurant Tivoli wich in den 1920er Jahren einer großen Sportanlage. Foto: © Stadtarchiv Innsbruck

So viele spannende Details – der Themenspaziergang hat sich wieder total gelohnt! Zwei gibt es heuer noch. Am 20. Oktober geht es um „Schule, Gymnasium und Universität“ (Achtung: beschränkte Teilnehmerzahl, Tickets ausschließlich im Vorverkauf!).
Die Führung „Piloten, Pioniere und Flugretter“ am Innsbrucker Flughafen ist bereits ausgebucht.
Doch nächstes Jahr geht es bestimmt weiter mit den Themenführungen des Stadtarchivs/Stadtmuseum Innsbruck.

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Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler