Eines steht für mich felsenfest: Innsbruck ist die unerreichte Komination aus Stadt und Natur. Die Stadt – ein Juwel mittelalterlicher Baukunst. Die Natur: Saftig-sanfte Almwiesen, steil aufragende, schroffe und vor allem felsige Berge und eine hochalpine Menagerie, die ihresgleichen sucht. Die faszinierenden Bilder des Tier- und Naturfotografen Patrick Centurioni belegen eindrucksvoll, dass die Kombination von Innsbrucks Bergen und Tieren ein unvergleichbarer alpiner Garten Eden ist. Und wenn es die Tiere nicht mehr in freier Wildbahn gibt, dann sind sie im Alpenzoo Innsbruck hautnah zu bestaunen. Wie die Biber beispielsweise. Die heißen im Alpenzoo seit Generationen Fritzli oder so ähnlich und können sogar beim Schlaf in ihrem Bau beobachtet werden.

Dass es in Innsbruck wildlebende Biber gibt war mir bis vor einer Woche nicht bekannt. Ich hätte es auch gar nicht geglaubt, dass sich Europas größtes Nagetier in freier Wildbahn wieder bis in die Hauptstadt der Alpen vorgearbeitet hatte. Biber in Bayern ja, davon hatte ich gehört.

Die Heimkehr der Biber birgt neue Nutzungskonflikte. Bild: Monika Eder-Trenkwalder

Eindeutige Spuren. Die Heimkehr der Biber bringt neue Nutzungskonflikte zwischen Mensch und Tier. Bild: Monika Eder-Trenkwalder

Es war eine eh schon ältere Kurzmeldung die mein Interesse weckte: Biber siedeln wieder am Inn, östlich von Innsbruck, hieß es da. Ich mochte es noch immer nicht glauben. Denn alles was ich wusste war: Die Biber sind in Tirol seit 1813 sozusagen mit Butz und Stingl (komplett) ausgerottet. Damals wurde der letzte lebende Biber an der Vils gefangen. Zu begehrt waren vor 200 Jahren sein Fleisch, der Pelz und das sogenannte Bibergeil, ein Drüsensekret dem eine aphrodisierende (erotisierende) Wirkung nachgesagt wurde. Das Biberfleisch hatte einen damals unglaublichen Vorteil: Es durfte auch in der Fastenzeit genossen werden. Biber wurden nämlich von der katholischen Kirche als Fische betrachtet und auch so deklariert!

Die Biber lieben es, Dämme zu bauen um kleine Tümpel aufzustauen. Bild: Monika Eder-Trenkwalder

Die Biber lieben es, Dämme zu bauen um kleine Tümpel aufzustauen. Bild: Monika Eder-Trenkwalder

Also wandte ich mich an die Biberspezialistin Mag. Monika Eder-Trenkwalder, um die Zeitungsnotiz zu verifizieren. Und tatsächlich: „Es stimmt. Beim Olympischen Dorf hat sich ein Biber angesiedelt“, bestätigt die ausgewiesene Biberexpertin die Zeitungsmeldung. Und da mit dem Biber ein wahrer Landschaftsarchitekt zurückkehrt gibt es auch umgehend neue Konflikte zwischen dem Tier und uns Menschen. Die rastlose Sorge eines Bibers gilt bekanntlich immer dem Bau von kleinen Dämmen, stets bemüht, Wasser aufzustauen und eigene Landschaften – vornehmlich Tümpel – zu kreieren. Das schafft zwar neue Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten und sogar neue Erlebniswelten für den Menschen, provoziert aber auch neue Nutzungskonflikte. Und die will und soll Monika Eder moderieren: sie ist die Tiroler Biberbeauftragte von Kufstein aufwärts und somit auch für Innsbruck zuständig.

Aber woher sind diese Biber 200 Jahre nach ihrer Ausrottung in Tirol gekommen? Von Bayern aus besiedelten sie nach und nach  41 Reviere allein in Tirol. Es muss ihnen also hier gefallen. Sie wanderten eben entlang der Flüsse und natürlich des Inns flussaufwärts. Bis zum Olympischen Dorf und noch weiter. Auch in Telfs und sogar in Prutz sind diese possierlichen Tiere jetzt wieder heimisch. Insgesamt, so schätzen Fachleute, leben und nagen wieder knapp 100 Biber in Tirol.

Der Biberbau im Olympischen Dorf in Innsbruck

Der Biberbau im Olympischen Dorf in Innsbruck

Ein Lokalaugenschein war für mich ausgemachte Sache. Der Biberbau beim O-Dorf ist bald gefunden, ebenso wie Spuren der Tiere in Form angenagter Äste. Ein echtes Wildtier, das so in der Nähe des Menschen lebt? Da wurde freilich etwas nachgeholfen. „Wir hatten Nagespuren des Bibersim Herbst Abfallholz, das wir auf den Biberbau legten“, bemerkt Eder-Trenkwalder. „Damit wird es herumstreunenden Hunden erschwert in die Nähe des Baus zu gelangen. Der Biber fühlt sich sicherer“. Aber auch vor Menschen muss der Biber offenbar immer noch geschützt werden. Unverbesserliche Zeitgenossen trampelten schon auf dem Biber-Bau herum um die Tiere zu vertreiben, da sie ja ‘Bäume fällen’. Dass dieser ‘Schaden’ in keinem Verhältnis zum ökologischen Nutzen der Biber steht, können oder wollen solche Menschen erst gar nicht verstehen. Dass ich bei meinem Besuch des Biberbaus wohl kaum einen Biber bei der Arbeit oder der Nahrungssuche im Inn antreffen würde, war mir schon klar. Die Frage war nur: sind die Biber noch vor Ort? Und das kann ich jetzt bejahen. Der Abdruck frischer Spuren im feinen Sand des Inns belegten es. Und ein Kompliment muss man dem Tier oder den Tieren machen: Sie haben sich eigentlich ein schönes Plätzchen für ihre Biberburg ausgesucht.

Irgendwie bin ich auch ein bisschen stolz darauf, dass uns Biber in Innsbruck wieder die Aufwartung machen. Belegt dies doch, dass sich die putzmunteren Taucher und Schwimmer bei uns wohl fühlen.

 

Unser Tipp für Biberfreunde – ein Besuch im Alpenzoo Innsbruck.

Verständlicherweise werden keine organisierten Führungen zu diesem Biberbau am Inn gemacht, zu sensibel ist die Siutation. Ich rate daher allen, die Biber sehen und ihr Leben studieren wollen, den Alpenzoo in Innsbruck zu besuchen.