Vermutlich kennt jeder Tiroler den Wallfahrtsort Locherboden. Zumindest von der Autobahn hat man ihn sicher schon gesehen, denn die Kirche, die mit der Mieminger Kette im Hintergrund über dem Inntal thront, ist nicht zu übersehen. Der Locherboden ist auf alle Fälle einen Besuch wert und ich habe für euch einen kurzweiligen Weg gefunden, bei dem Erwachsene und Kinder gehörig Spaß finden werden.

Ausgangspunkt: Hängebrücke

Mit der S-Bahn kann man vom Hauptbahnhof Innsbruck bis nach Stams fahren. Vom Stamser Bahnhof sind es nur ein paar Minuten Gehzeit bis zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Autofahrer fahren über die A12 bis nach Mötz und nehmen die Bundesstraße Richtung Stams. Beim Gewerbegebiet Hängebrücke biegt man ab und kann sein Auto am kostenfreien Parkplatz abstellen. Der Weg ist beschildert.

Unter einer Unterführung gehen wir unter der Autobahn, dem Schild „Hängebrücke“ folgend, hindurch. Bereits auf der anderen Seite sieht man die tolle Hängebrücke, die sich über den Inn spannt. Hier beginnt schon unser kleines Abenteuer. Unter uns der reißende Fluss, und die – doch ziemlich wacklige – Brücke. Jedenfalls macht es gehörig Spaß, wer ist schon so knapp über dem Wasser des Inns gegangen. Die Hängebrücke ist 107 Meter lang und wurde 1933 nach den Plänen von Johann Hörmann aus Mötz und dem Landesingenieur Heinrich Kluibenschedl erbaut.

Stamser Hängebrücke

Die Hängebrücke über dem Inn

Stamser Hängebrücke

Liebesschlösser auf der Stamser Hängebrücke

Stamser Hängebrücke

Blick auf die Hängebrücke gen Osten

Ruhepunkt: Wasserfall

Nach der Hängebrücke zweigt sich der Weg. Wir nehmen den Weg nach rechts, der uns in die Stamser Innauen führt. Hier erwartet uns nach ein paar Minuten Gehzeit ein schönes Naturschauspiel. Ein wunderschöner Wasserfall stürzt sich vom Mieminger Plateau herunter, um dann in vielen kleinen Flussarmen in den Inn zu münden. Es handelt sich hier um den Lehnbach, der uns dieses wunderschöne Erlebnis beschert. Das Wasser ist kalt und klar und an den vielen Wasserarmen bietet sich ein kleines Kinderspielparadies.

Wasserfall Stams

Der Wasserfall des Lehnbachs stürzt sich Richtung Inn

Stamser Wasserfall

Ein richtiger Erholungsplatz

Nachdem wir einen Rundweg gehen, kann man hier auch nochmal am Ende der Wanderung wieder zukehren und sich ein wenig erholen. Wir nehmen den Weg wieder zurück zur Hängebrücke und gehen dort nun in die andere Richtung, den Schildern „Locherboden“ folgend. Ein enger Waldpfad führt knapp am Inn vorbei durch dichten Wald hindurch. Immer wieder geht man an großen Informationstafeln vorbei, die allerlei Wissenswertes zum Inn, zur Au und zu den verschiedenen Tieren und Pflanzen vermitteln. Und immer wieder hat man einen schönen Ausblick auf Stams und das Stift Stams. Mehr zum Stift könnt ihr in meinem anderen Blogbeitrag lesen. An einer Lichtung ist der Blick besonders schön, jedoch sollte man hier gut aufpassen, da es senkrecht nach unten geht.

Kurz vor dem Locherboden wird der Pfad breiter, der Weg dafür aber um einiges steiler. Nun sind es nur noch 10 bis 15 Minuten bis man den Wallfahrtsort erreicht.

Locherboden

Schmaler Waldsteig hinauf zum Locherboden

Infotafeln Locherboden

Schön aufbereitete Informationstafeln

Infotafel Locherboden

Die verschiedenen Pflanzen in diesem Bereich bestens erklärt

Stift Stams

Blick auf die andere Talseite zum Stift Stams

Blick auf Stams

Wunderschöner Ausblick auf den Inn und Stams

Locherboden Steig

Kurz vor dem Locherboden wird’s steiler

Endpunkt: Locherboden

Nach gut 45 Minuten Gehzeit erreichen wir nun die Wallfahrtskirche Maria Locherboden. Die römisch-katholische Kirche gehört zur Gemeinde Mötz und ist aus dem Inntal von weit sichtbar. Imposant hinter der Kirche trohnt die Mieminger Kette. Die Kirche wurde von 1896 jahrelang – aufgrund von Geldmangel – erbaut und schließlich im Jahr 1916 fertiggestellt.

Aber warum wurde gerade hier eine Kirche erbaut?

Es wird die Geschichte von einem Knappen erzählt, der hier nach Erzen schürfte und im Stollen begraben wurde. Er betete zur Gottesmutter Maria und versprach bei Rettung hier ein Marienbild aufzustellen. Gesagt, getan. Mit der Zeit pilgerten immer mehr Menschen zu diesem Ort. Der Stollen wurde zu einer Grotte erweitert. Doch das Interesse am Ort nahm wieder ab und wurde erst durch eine wundersame Heilung wieder bekannt.

Einer schwerkranken Frau mit dem Namen Maria Kalb aus Rum soll Maria erschienen sein. In einer ersten Erscheinung bekam sie von Maria ein Bild. In einer zweiten Erscheinung sagte sie, man solle sie im Tiroler Oberland suchen, um dort den Rosenkranz für die Heilung zu beten. Maria Kalb konnte jedoch die Worte des Ortes nicht verstehen und so kam es zu einer dritten Erscheinung, in der Maria sagte, man soll sie auf der Sonnenseite des Inntals suchen, zwischen Stams, Silz und Mötz. Durch Erzählungen erfuhr Maria Kalb von der Grotte, die in Vergessenheit geraten war, und entschloss sich, den Ort aufzusuchen. Als sie die Grotte besuchte, betete sie für ihre Heilung und erlangte völlig geschwächt wieder Gesundheit und Kraft. Sie starb im Alter von 82 Jahren in Rum.

Aufgrund der Wunderheilung stieg die Pilgerzahl wieder stetig an und so entschloss man sich, am Locherboden eine Kapelle zu errichten. Der Kapelle folgte dann ab 1896 die neugotische Kirche.

Maria Locherboden

Der Locherboden mit der imposanten Mieminger Kette im Hintergrund

Maria Locherboden

Wallfahrtsort Locherboden

Maria Locherboden

Einige Bänke um die Kirche laden ein, diesen Kraftplatz zu genießen

Maria Locherboden

Der Innenraum der Kirche Maria Locherboden

Umkehrpunkt: Und nun wieder zurück…

Vom Locherboden aus nehmen wir den beschilderten Weg Richtung Untermieming, der uns am südlichen Ufer des Badesees vorbei und nach einiger Zeit einen Steig hinunter durch den Wald zurück zur Hängebrücke bringt. Wer nun möchte, kann natürlich die paar Minuten wieder zum Wasserfall gehen und dort entspannen. Den Hunden hat die Abkühlung jedenfalls sehr gefallen.

Stamser Wasserfall

Alea und Amiga genießen die Frische des Wasserfalls

Informationspunkt

  • Gehzeit: circa 2 Stunden
  • Länge: 7 Kilometer insgesamt
  • Höhenmeter: circa 290 hm

 

Alle Fotos © Danijel Jovanovic Photography – www.djphotography.at

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