Ganz im Ernst, Pisten fetzen macht so richtig Spaß. Besonders wenn man die ersten Carvingschwünge in die frisch präparierte, harte aber griffige Piste setzt, einem am Lift die Sonne ins Gesicht scheint und man nach ein paar Stunden mit müden Beinen gemütlich einen Cappuccino auf der Terasse trinkt. ABER: Nichts, absolut nichts ist schöner als wenn deine Ski im luftig leichten Powder schwerelos dahingleiten, oder im weich-stabilen Schnee ein steiles Couloir surfen oder sie mühelos an einem Firnhang im Frühling schnelle Turns setzen. Warum das so schön ist? Vielleicht, weil dieses Erlebnis mit einem nicht zu geringen Aufwand und Einsatz verbunden ist. Weil man dafür oft stundenlang Wetterstationen, Schneelage und Lawinenlageberichte studiert. Weil man sein Bankkonto für das ideale Material strapaziert. Und vor allem, weil man dafür eine große Portion Know-How benötigt, um sich und seine Tourenpartner nicht in Lebensgefahr zu begeben.

SAAC (Snow & Alpine Awareness Camps) ermöglicht einen unkomplizierten Zugang zu den Basics der Lawinenkunde. Überall in der Alpenregion verstreut, bietet der Verein kostenfreie Camps an, um Freerider und die die es noch werden wollen zu schulen. Die Camps bestehen immer aus einem Theorievortrag am Vorabend und einem Praxistag, wo im Gelände der Umgang mit dem Lawinenverschüttetensuchgerät, Sonde und Schaufel geübt wird. In Kleingruppen erklärt ein professioneller Bergführer nicht nur die gängigen Methoden für Lawinenprävention und Notfallmanagement, sondern gibt auch greifbare Tipps und Tricks zu diesem komplexen Thema.

Hier sind 7 Facts die ich beim SAAC Camp in der Axamer Lizum gelernt habe:

NR 1: Planning is everything

Planung ist das Non plus ultra eines jeden Skitourengehers/Freeriders. Der Lawinenlagebericht schafft einen Überblick über die vorherschenden Gefahrenstellen und aktuell beobachteten Lawinenprobleme. Sollte der LLB die Gefahrenstufe 4 oder 5 herausgeben, freuen wir uns aufs Pisten fetzen und verzichten definitiv auf den freien Skiraum. Viele Faktoren sind hier zu beachten, wie das Wetter, die tageszeitliche Erwärmung, Exposition, Hangsteilheit,… Wer nicht bereit ist, viel Zeit und Hingabe in die Planung und einen steten Wissensaufbau zu stecken, sollte den freien Skiraum meiden.

Planung mit dem SAAC Entscheidungstool

NR 2: Check your gear

Sollte es zum Worst Case Szenario kommen, bin ich von meinen Tourenpartnern abhängig und umgekehrt. Die Batterien im LVS Gerät sind fast leer? Wortwörtlich ein NO-GO. Besonders im Suchmodus verbraucht das Gerät extrem viel Energie. Wie jedes Gerät, ist auch ein LVS-Gerät fehleranfällig und muss unbedingt vor jedem Ausflug ins Gelände auf seine einwandfreie Funktion getestet werden. Dabei geht eine Person in den Suchmodus und ortet der Reihe nach alle anderen. Auch Sonde und Schaufel werden auf eventuelle Mängel überprüft.

NR 3: Know your gear

Volle Batterien im LVS und die neueste Sonde und Alu -Schaufel mit langem Stiel sind top verstaut im Airbag-Rucksack… Aber frag dich mal ganz offen und ehrlich: Kann ich damit auch wirklich im Notfall umgehen, wenn jede Sekunde zählt und echte Menschenleben auf dem Spiel stehen? Die Antwort: Solch eine Ausnahme-Situation wird wohl immer irgendeine Art Schock-Reaktion hervorrufen. Wer jedoch mit der Notfallausrüstung vertraut ist und sich mit dessen Umgang sicher fühlt, kann das auch in jeder noch so fordernden Situation abrufen.

NR 4: Never ride alone

No friends on powderdays? Doch! Lieber die first-line opfern, als allein im Gelände unterwegs zu sein. Im Idealfall bestehen die Gruppen aus 2-5 Personen. Zu große Gruppen erschweren es die Tourenplanung einzuhalten, es geht träge voran und die Kommunikation ist oft nicht ausreichend.

NR 5: Observe, talk, decide

Der Lawinenlagebericht gibt zwar eine gute Übersicht über die aktuellen Verhältnisse, kann dem Wintersportler jedoch die Entscheidung vor Ort nicht abnehmen. Ein erfahrener Freerider ist auf Tour ständig am Beobachten, Überlegen und Schlüsse ziehen. Wie ist der Schneedeckenaufbau an speziell diesem Hang? Sind Gefahrenzeichen sichtbar? Jeder in der Gruppe soll Meinungen, Beobachtungen und Zweifel äußern und gemeinsam wird dann eine Entscheidung getroffen. Im Zweifelsfall ist es besser, sich konsequent für das defensive Verhalten zu entscheiden – der nächste Powdertag kommt bestimmt!

NR 6: Read the signs

Die Gefahrenzeichen sind für das geübte Auge oft leicht zu erkennen. Diese jedoch richtig zu interpretieren ist leider weitaus komplizierter. Starker Wind hat einen immensen Einfluss auf die Schneedeckenbeschaffenheit und hinterlässt meist recht offensichtliche Zeichen in Form von Wingangeln, Wechten und Dünen – Triebschneepakete sind die Folge. Bilden sich bereits beim Aufstieg Risse in der Schneedecke, deutet das ebenso auf die Auslösebereitschaft von frischem Triebschnee hin. Die offensichtlichsten Warnsignale sind kleine Lawinenabgänge oder Schneebretter in der unmittelbaren Umgebung oder Setzungs-/Wummgeräusche. Wer so ein Geräusch schon mal gehört hat, kennt auch das darauf folgende mulmige Gefühl im Magen. Dann ist die Devise: Defensiv bleiben und so flach bleiben.

NR 7:  Train your Skills

Let’s be real. Auch wenn du dich bereits top in Lawinentheorie und -praxis auskennst und deine Ausrüstung im Schlaf bedienen kannst: Skifahren im freien Gelände bedeutet in 99 Prozent der Fälle leider nicht von oben bis unten genialer Powder. Meistens ist die Schneebeschaffenheit stark variabel und kann vom fluffig-leichten Schnee zum Bruchharschdeckel wechseln – und das innerhalb weniger Höhenmeter. Bedeutet: Skifahren (Snowboarden) sollte absolut sicher beherrscht werden und das bei noch so schlechtem Schnee. Stürze und ständiges Anhalten im Hang steigern das Risiko zu einem Lawinenabgang. Auf offiziellen Skirouten kann man das Freeriden perfekt üben und bekommt dabei auch noch Power in den Oberschenkeln. Diese Routen sind nicht präpariert und können ohne Lawinengefährdung befahren werden.

Was kann dein LVS Gerät?

Ihr wollt auch ein SAAC Camp besuchen und noch viel mehr über alpine Gefahren erfahren? Auf der Website könnt ihr euch über Termine und Details informieren. Jedoch sind die Plätze heiß begehrt und meist bereits kurz nach der Öffnung im November vergriffen. Daher heißt es schnell sein und auf dem Laufenden bleiben. Der SAAC Facebook und Instagram Kanal informiert regelmäßig über alles Wissenswertes rund um die Camps.