BMX. Für die einen eine Randsportart, für die anderen ein Lebensinhalt. Die BMX Szene in Innsbruck ist ein bunter Haufen mit vielen Ideen und Ehrgeiz am Rad. Ich habe zwei von ihnen, Mike Santek (29) und Dominik Mariacher (30), beim 20inch Contest im Dirtpark vergangenes Wochenende getroffen und mich mit ihnen unterhalten.

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Einmalig: die Bergkulisse im Hintergrund des Dirtparks Innsbruck.

Doch bevor wir in das Treiben zwischen Erdhügeln, Fahrrädern, Fotografen, einem Bier und dem Burgerstand vor der spektakulären Kulisse der Nordkette eintauchen, treten wir einen Schritt zurück und blicken von außen auf die Szene und die Stadt. Die Stadt Innsbruck ist für viele ein Eldorado der Sportarten, das ist nichts Neues. Kaum in sonst einer Stadt treffen so viele passionierte Sportler aufeinander. Ob Weltklasse-Kletterer, Profi-Skifahrer und Snowboarder oder Radfahrer. Manche werden hier groß, andere ziehen später hierher um von der einmaligen Lage der Stadt in den Alpen zu profitieren.

Die BMX Szene in Innsbruck

An die Jungs mit ihren engen Jeans, bunten Shirts und verdammt kleinen Fahrrädern denkt man da erst in zweiter Linie. Zu unrecht, denn die BMX Szene in Innsbruck ist eine der lebhaftesten und aktivsten in Österreich. Seit 2006 gibt es den Verein RIP BMX (was für „Ride in Pleasure“ steht und keine morbiden Rest-in-Peace Gedanken erwecken sollte) und genau solange ist Mike Santek auch schon Obmann. Dafür hat er Ende September von der Stadt Innsbruck sogar die goldene Nadel für ehrenamtliche Tätigkeiten verliehen bekommen. „Wie auch immer, kein Grund sich auszuruhen,“ meint er dazu bescheiden und verweist auf die bereits bestehenden Pläne für nächstes Jahr. Das Engagement wird eben geschätzt, nicht nur von den Mitgliedern und Fans, sondern auch von der Stadt. 2008 hat der Verein ein eigenes Grundstück von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen und in der Nähe des Flughafen einen eigenen Dirtpark gebaut. „Für solche Parks gibt es keine Regeln und Normen, daher muss jeder Einzelne, der den Park mitgestalten will, kreativ werden und sich überlegen was er gerne hätte. Seit 2008 war es ein stetiger Wandel – eine Line (also die Radstrecke, welche über die Hügel führt) dazu, eine andere weg, die nächste neu, die Startrampe  – die essenziell ist – verbessern und umbauen etc. Die Arbeit ging uns noch nie aus,“ so Mike. 

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Das Set-Up der Strecke ändert sich immer wieder ein wenig. Hier ein Blick von der Startrampe auf den Park hinterm Flughafen.

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Mike Santek (li. Obmann), Dominik Mariacher (re. Moderator des Contests) und ein Überflieger.

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Die Jury bewertet die Technik und die Schwierigkeit der Tricks, aber ebenso den Style.

Das besondere an dem Dirtpark Innsbruck ist, dass er Westösterreichs größter BMX und MTB Dirtpark ist, der in letzter Zeit wieder viel stärker frequentiert wird. Neben Innsbruck gibt es in ganz Österreich nur zwei andere Spots auf ähnlichem Niveau. Seit dem Bau 2008 findet hier auch die heimische 20inch TrophyÖsterreichs größte Contest-Serie im BMX Sport – statt. Jährlich treten bei mindestens zwei Tour-Stopps internationale Fahrer gegeneinander an um im Herbst den Titel des Gesamtsiegers zu erhalten. Zuletzt fand der Contest am 20. September statt, den der Oberbayer Simon Moratz für sich entscheiden konnte. In der Overall Gesamtwertung führen die Locals, sie kennen ihren Park doch am besten und sind in jeder freien Minute bei guten Wetter im Park anzufinden. Insgesamt hat der Verein momentan 37 Mitglieder, wie aktiv man dabei ist, entscheidet jeder selbst. Mike Santek”Das besondere an der BMX Szene in Innsbruck ist, dass es keine einzelnen konkurrierenden Gruppen gibt, sondern wir eine große Gruppe sind, die zum Teil das Gleiche im Kopf hat – Radfahren und Spaß dabei haben, egal ob Park, Street oder Dirt. Wie gut jemand fährt, ist auch nebensächlich, das Wichtigste ist der Spaß. In anderen Städten habe ich schon anderes erlebt und bin froh, dass es sich bei uns so entwickelt hat.”

No dig, no ride 

Besucher können den Park selbstverständlich auch benützen. Dafür bedarf es allerdings einer Anmeldung beim Verein, einer Unterschrift unter dem Haftungsausschluss und einem Helm. Der ist essentiell, den ganz ungefährlich ist der Sport nicht. Wie man unter anderem am Werbeplakat des letzten Contests erkennen kann. Hier blickt einem Dave Lemberger, einer der local riders mit einem Blut unterlaufenem Auge entgegen. Kleinere und größere Verletzungen nehmen echte Enthusiasten schon mal in Kauf. Vielleicht auch ein Grund, warum es kaum Mädels gibt, die ihre Räder über die Erdhügel jagen, eine gewisse Härte und Ausdauer gehört schon dazu. Zwei sind trotzdem beim Verein dabei.

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No dig, no ride. Wer hier regelmäßig fahren will, muss auch schaufeln.

Auch beim Feiern haben die Jungs Ausdauer. Ob bei den in den letzten Jahren immer im Weekender Club stattfindenden After-Parties oder bei der jährlichen Präsentation des Vereins-eigenen BMX Akt-Kalenders. Auch damit finanziert sich der Verein, wobei diverse Sponsoren und die Stadt den Großteil übernehmen. Nachdem an der 20inch Trophy niemand etwas verdient und wir nur einen coolen Event schaffen wollen, freuen wir uns über jede Unterstützung. Ohne all die freiwilligen Helfer, die ihre Freizeit opfern, bliebe die 20inch Trophy nur eine Wunschidee. In vielen Städten passiert im Vergleich schon viel weniger – dann soll es wenigstens bei uns richtig abgehen!” Ein gelungenes Vorhaben könnte man mit einem Blick in die Menge meinen.

20 Zoll zum Glück

“Warum eigentlich 20inch?” haben wir die langjährige Stimme und Stimmungs-Macher beim 20inch Contest Dominik Mariacher gefragt: „20 Inch, also Zoll, ist die Größe eines BMX Rades“ Logisch, eigentlich. Dominik weiß die Zuschauer und Fahrer zu unterhalten, selbst für Nicht-BMXer gibt es jede Menge zu sehen und hören bei den Contests. Ein heißer Tipp für Besucher, und garantiert dreisprachig – tirolerisch, hochdeutsch und ein bisschen englisch. Das ist notwendig geworden, denn inzwischen kommen die Teilnehmer zwar zu 2/3 aus Österreich und Deutschland, der Rest ist international und reist aus Ungarn Italien, Tschechien und selbst Frankreich an. Was für Dominik an der 20inch Trophy so besonders ist? “Dass ich sie mitveranstalten und moderieren darf!” sagt er mit einem Strahlen und Grinsen und ehe wir uns versehen, ist er schon wieder zwischen den Hügeln verschwunden um die beste Sicht auf die Fahrer zu haben um dem Publikum die Tricks zu erklären. Und vielleicht den einen oder anderen Schmäh zu reißen, denn Spaß kommt hier definitiv nie zu kurz.

Weitere Infos:

 

Hinweis: Alle Fotos RIP BMX oder wie im Bild selbst angegeben.