Was Olympia mit Elefanten zu tun hat? Nun ja, über die olympische Disziplin des Elefantenreitens wird noch heiß diskutiert, aber sogenannte „weiße Elefanten“ sind bei den olympischen Spielen schon Jahrzehnte Realität. Gemeint sind damit jene gigantischen Stadien, die nach immer größer werdenden Olympischen Spielen leer in der Landschaft stehen und häufig enorme Kosten verursachen.

Die Eröffnungszeremonie der olympischen Winterspiele am 29. Januar 1964 in Innsbruck. Foto: Stadtarchiv

Auf Hannibals Spuren.

“Einfach Nein sagen” ist die Meinung der vielen Befürworter der “No Olympics”-Bewegung – sei es in Garmisch, Salzburg, Boston oder sonst wo. Ein internationales Phänomen, das viel mit den sogenannten „weißen Elefanten“ zu tun hat. Elefanten mit fast weißer Haut waren im alten Siam besonders wertvolle Geschenke. Sie durften aber nicht zur Arbeit benutzt werden. Nur sehr reiche Menschen konnten sie sich daher leisten. In der Welt des Sports sind “weiße Elefanten” heute nutzlose Großprojekte wie Stadien, die nur einmal gebraucht werden, die danach ungenutzt herumstehen und die Steuerzahler des jeweiligen Landes viel Geld kosten.

Wir begeben uns auf Spurensuche, zum Beispiel in Athen. Dort fanden 2004 Olympische Sommerspiele statt. Zwölf Jahre danach sah sie Ruinen, deren Unterhalt der griechische Staat längst nicht mehr garantieren kann und der diese Einrichtungen daher privaten Investoren überlassen hat. In Rio de Janeiro ist jetzt schon erkennbar, dass es auch hier “weiße Elefanten” geben wird. Urbane Interventionen dienen damit nicht selten einer weiteren Verstärkung städtischer Ungleichheiten. Und was ist mit Innsbruck? Das Schlüsselwort ist Nachnutzung…und zwar für Großevents, aber auch im daily business für Einheimische und Gäste.

Nicht nur Legenden entstanden bei den Olympiaden in Innsbruck, sonder auch Großbauwerke. Deren Nachnutzung ist die große Herausforderung von Städtebauern, Architekten und natürlich der Stadt selbst. Foto: Stadtarchiv

Nicht nur Legenden entstanden bei den Olympiaden in Innsbruck, sonder auch Großbauwerke. Deren Nachnutzung ist die große Herausforderung von Städtebauern, Architekten und natürlich der Stadt selbst. Foto: Stadtarchiv Innsbruck

Die olympischen Stätten in Innsbruck 1964/1976.

Doppelt gemoppelt und zweifach genutzt: die olympischen Bauten in und rund um Innsbruck wurden gleich zweimal für die olympischen Winterspiele genutzt: 1964 und 1976. Nicht nur der goldene Triumph in manch einer Skiabfahrt lebt im kollektiven Gedächtnis weiter, sondern auch das Olympiastadion in Innsbruck, die Bergisel Sprungschanze und die Olympia Bobbahn in Igls.

Auch heute noch im Betrieb: die Olympiahalle in Wilten. Foto: Stadtarchiv Innsbruck.

Auch heute noch im Betrieb: die Olympiahalle in Wilten. Foto: Stadtarchiv Innsbruck.

Keine Frage – auch dort musste in den letzten fünfzig Jahren mehr oder minder eifrig investiert werden – dennoch: die Kosten-Nutzen-Rechnung ist um einiges plausibler als anderswo. Die Winter-Universiade 2005, die Eishockey-Weltmeisterschaften 2005, olympischen Jugendspiele 2012, die International Children Games 2016 sind nur die Beispiele der letzten 10 Jahre, die den ehemaligen olympischen Stätten in Innsbruck ihre Berechtigung zurückgeben. Aber auch jährliche Events wie der Snowboard-Event Air&Style (ehemals am Bergisel) und die Vierschanzen-Tournee ebenfalls am Bergisel machen Innsbruck – mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht seiner Einwohner – zur „Welthauptstadt des Sports“. Da darf die Renovierung der Sportstätten auch mal was kosten und der Architekt oder – pardon – die Architektin selbst ein Weltstar sein.

Image ist ja oftmals monetär nicht messbar – sagt man jedenfalls. So dürfen die Pisten am Patscherkofel auch hier und da “naturbelassen” sein. Ein “Zurück zum Ursprung”-Flair, der durchaus charmant ist. Immerhin wurden auf diesem Berg 1964 und 1976 Geschichte geschrieben. Auch das ist tief im kollektiven Gedächtnis verankert. Ein leises Seufzen und dann fällt der Name: Franz Klammer, der wohl am meisten verehrte Skistar der Alpenrepublik, der am Patscherkofel 1976 die Goldmedaille holte.

Olympia in Innsbruck: Der Patscherkofel hat schon viel erlebt - auch heute noch lebt die Erinnerung im kollektiven Gedächtnis von Innsbruck. Darum verzeiht man dem Berg auch manch eine Strukturschwäche...Foto: Stadtarchiv Innsbruck

Der Patscherkofel hat schon viel erlebt – auch heute noch lebt die Erinnerung im kollektiven Gedächtnis von Innsbruck. Foto: Stadtarchiv Innsbruck

Nachnutzung für jedermann: das Olympische Dorf in Innsbruck.

Der Innsbrucker Stadtteil “Olympisches Dorf” jenseits des Inns wurde anno dazumal in zwei Etappen zu den Winter-Olympiaden 1964 und 1976 errichtet. Heute ist dieser Stadtteil eine Großwohnsiedlung für ca. 8.000 Bewohner. Auch das olympische Dorf in Innsbruck weist alle Merkmale einer europäischen Stadtrandsiedlung auf und hat auch mit den gleichen Problemen zu kämpfen: fehlende Infrastruktur, mangelndes kulturelles Angebot, Monofunktionalität sowie eine Tendenz zur räumlichen Segregation von ethnischen Minderheiten.

Olympiastadt Innsbruck: Keine leichte Aufgabe: die Stadtrandsiedlung O-Dorf beschäftigt seit Jahrzehnten. Foto: Stadtarchiv Innsbruck

Keine leichte Aufgabe: die Stadtrandsiedlung O-Dorf beschäftigt seit Jahrzehnten. Foto: Stadtarchiv Innsbruck

Allerdings steuerte die Stadt Innsbruck verhältnismäßig früh gegen: ein umfassendes Zusammenwirken von Architekten mit Politik, Stadtplanung und Bauträgern wird seit den 1980iger Jahren forciert um sukzessive eine Um-Interpretation des Quartiers vorzunehmen. So wurden die einzigen Hochhäuser Innsbrucks Schritt für Schritt modernisiert, die öffentlichen Parkanlagen attraktiv gemacht und auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr verbessert. Heute ist das Olympische Dorf das am besten angebundene Viertel der Stadt.

Vor ein paar Jahren hat CNN Innsbruck zu einer der zehn „heißesten“ europäischen Reisedestinationen erklärt. Ohne das Olympische Dorf wäre die Stadt sogar zum attraktivsten Urlaubsziel der Welt gekürt worden, spottete damals ein Tiroler Journalist. Welche Ironie, dass ausgerechnet jenes Viertel, das der 125.000-Einwohner-Stadt wegen seiner Architektur und Bevölkerungsstruktur am ehesten ein großstädtisches Flair verleiht, das schlechteste Image von allen hat.

Olympiastadt Innsbruck: Sukzessive wurde das O-Dorf seit den 1980igern baulich aufgewertet. Auch für die Zukunft sind Änderungen geplant - hier ein Entwurf der LAAC-Architekten für ein neues Alten-Wohnheim. Foto: LAAC-Architekten

Sukzessive wurde das O-Dorf seit den 1980igern baulich aufgewertet. Auch für die Zukunft sind Änderungen geplant – hier ein Entwurf der LAAC-Architekten für ein neues Alten-Wohnheim. Foto: LAAC-Architekten

Dabei entbehrt diese Wahrnehmung jeglicher Grundlage – zumindest gesellschaftlich (baulich ist ja auch immer Geschmackssache). Der größte Trumpf des Stadtteils ist laut der Meinung vieler seiner Bewohner die Internationalität und der Zusammenhalt der Bevölkerung. Menschen aus 55 Nationen leben im O-Dorf heute. Es wäre sehr schön zu glauben, dass das O-Dorf das geschafft hat, was die Olympische Charta vorgibt: ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, egal welchen Geschlechts, welcher Religion oder Herkunft.