Was für die einen ein kleiner Spaziergang ist, ist für die anderen schon eine Wanderung. Für andere geht ein vierstündiger Bergmarsch gerade mal als kleine Wanderung durch, alles darunter ist ein Spaziergang. Es wird klar: Der Begriff „Wanderung“ ist ein dehnbarer. Wenn ihr zur letzteren Sorte gehört, werdet ihr in diesem Beitrag keine passenden „Wander“-Tipps finden. Wenn ihr aber wie ich kleine Kinder habt, mit denen der Weg zum Supermarkt schon als Ausflug gilt, dann werdet ihr garantiert fündig. Und an alle „richtigen“ Wanderer: Lest ruhig trotzdem weiter, denn für euch sind es dann einfach schöne Spaziergänge!

Es summt: Bienenoase in Sistrans

Auf der Suche nach neuen Ausflugszielen bin ich zufällig auf den Bienenlehrpfad am Sistranser Mühlteich gestoßen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich bis jetzt nicht sonderlich für Bienen interessiert habe. Klar, ich mag Honig und weiß, dass Bienen wichtig für die Umwelt sind, aber mir war zum Beispiel vollkommen neu, dass es Winter- und Sommerbienen gibt und dass die Königin die Einzige im Bienenstock ist, die mehrere Saisonen überlebt (bis zu 5 Jahre kann sie werden). Oder wusstet ihr, dass bereits 10.000 v. Chr. Honig von wildlebenden Bienen geerntet wurde? Fun Fact Alarm: Besonders witzig finde ich, dass Bienen im Winter scheinbar nicht aufs Klo müssen. Erst im Vorfrühling kommt es zum Reinigungsflug, bei dem sie ihre Kotblase entleeren.

Bienenlehrpfad am Sistranser Mühlteich

Wer mehr über Bienen erfahren möchte, ist am Bienenlehrpfad genau richtig!

Bienenlehrpfad am Sistranser Mühlteich

All das wüsste ich nicht, wenn mein großer Sohn nicht so wissbegierig wäre. Er interessiert sich sehr für Tiere. Deshalb haben wir uns auch brav (fast) alle der 20 Schautafeln angesehen und konnten wirklich viel Interessantes erfahren. Mein kleiner Sohn ist gerade erst zwei geworden, Bienen und Schautafeln beeindrucken ihn eher weniger. Aber sobald er ein feines Plätzchen zum Picknicken hat, ist er glücklich. Die Steinplatten am Mühlbach eignen sich dafür perfekt. Außerdem durften wir noch eine Entenmama und ihre Jungen beobachten. Es war einfach ein perfekter kleiner Ausflug für die ganze Familie.

Mühlteich in Sistrans

Da hält jemand Ausschau nach dem perfekten Picknickplatz!

Kinder spielen am Mühlteich

Gefunden! Unser Jausenplatz auf den Felsen am Mühlteich.

Von der Volksschule zum Mühlteich und wieder retour

Gestartet wird die Wanderung beim Parkplatz Tigls bei der Volksschule in Sistrans. Wir folgen dem Weg an der Schule vorbei dorfeinwärts in östlicher Richtung, dann dem Schild Mühlteich nach links hinab zur Hauptstraße. Wir queren diese in nördlicher Richtung und folgen den Beschilderungen „Bienenlehrpfad“. Dann queren wir den Bach und kehren in südlicher Richtung ins Dorfzentrum von Sistrans zurück.
Diese Wanderung ist wirklich auch schon für ganz kleine Kinder perfekt bewältigbar. Mein 2-Jähriger ist den ganzen Hinweg selbst gelaufen und da die Strecke kinderwagentauglich ist, konnte er sich beim Rückweg von den „Strapazen“ erholen und im Wagen ein Schläfchen halten.

Mühlteich in Sistrans

Der idyllische Mühlteich liegt sanft eingebettet in die traumhafte Landschaft.

Der Goldbichl – ein altes Heiligtum aus der Bronzezeit

Ein Brandopferplatz im Herzen der Alpen – das klingt für mich im ersten Moment etwas gruselig. Aber keine Sorge, das ist der Goldbichl, eine Erhebung zwischen den Orten Igls, Patsch und Lans, keinesfalls. Ganz im Gegenteil: Es handelt sich um ein wunderbares Ausflugsziel mitten im Wald mit einem unbezahlbaren Blick auf die Serles.

Ein kurzer geschichtlicher Abriss: Der Goldbichl war vor circa 4.000 Jahren ein mächtiges Heiligtum. In der Bronzezeit war das tägliche Leben stark von religiösen Vorstellungen geprägt. Leichen wurden verbrannt, um ihnen so das Eingehen ins Jenseits zu ermöglichen. Diese Vorstellung verbarg sich auch hinter den Brandopfern: Weihgaben wurden entmaterialisiert und konnten so als Rauch zu den Göttern aufsteigen. Für einige Jahrhunderte konnten am Goldbichl keine deutlichen Spuren von rituellen Handlungen gefunden werden. In der Eisenzeit aber, ungefähr 500 Jahre v. Chr. setzten die Räter das inzwischen verfallene Heiligtum aus der Bronzezeit wieder in Stand. Es kam zu beträchtlichen Umbauten. Der Brandopferhügel wurde zu einer meterhohen Pyramide. Heute ist davon leider nichts mehr zu sehen, denn die Römer zerstörten im Zuge ihrer Eroberung das eisenzeitliche Heiligtum. Dafür erinnern viele Schautafeln an das damalige Geschehen.

Schautafeln am Goldbichl

Heute erinnern Schautafeln an das einstige Heiligtum am Goldbichl.

Der Archäologiepfad – eine Reise in die Vergangenheit

Der ganze Archäologiepfad, der durch den Wald bis zum prähistorischen Brandopferplatz führt, nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch die Vergangenheit. Er führt vom Kurpark in Igls östlich am Congresspark vorbei, südlich in den Wald hinein. Wenn man der Beschilderung Archäologiepfad/Goldbichl folgt, kann man sich kaum verlaufen.

Wald

Illustrierte Informationstafeln verraten uns mehr über die Zeit zwischen circa 2.000 und 15. v. Chr. Wer noch tiefer in die Materie eintauchen möchte, kann bronze- und eisenzeitliche Fundstücke sowie ein Modell des Heiligtums „Goldbichl“ im Haus des Gastes in der Tourismus Information Igls bestaunen. Mein Kollege Werner hat auch einen sehr interessanten Beitrag dazu geschrieben – absolut empfehlens- und lesenswert!
Ich denke, diese kleine Wanderung ist für etwas ältere Kinder besser geeignet. Die Strecke ist nicht wirklich kinderwagentauglich. Am Goldbichl angelangt, muss man ein bisschen aufpassen, denn auf der Südseite geht es ziemlich steil bergab. Für Erwachsene und größere Kinder ist das kein Problem, bei kleineren ist einfach Vorsicht geboten.

Goldbichl

Ein toller Platz für Fotos, aber Achtung hier geht’s steil bergab!

Wir gehen auf Schatzsuche!

Schatzsucher aufgepasst, wir haben eine Mission! Hier möchte ich euch zu guter Letzt die Lieblingswanderung meines Sohnes vorstellen: Es geht zum sagenumwobenen Schatzstein am Mieminger Plateau. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber mein Großer ist ein Abenteurer. Er liebt Action jeglicher Art und mag Piraten- und Heldengeschichten. Was er nicht so toll findet, ist spazieren gehen. In der Wohnung läuft er herum, jagt seinen Bruder, kämpft mit Styroporschwertern und ist voller Energie. Sobald wir das Haus verlassen, ist die Energie verpufft und jeder Schritt anstrengend. Das sind Momente, in denen ich die Welt nicht mehr verstehe. Wie auch immer, ich habe gelernt, dass man meine Kinder mit zwei Dingen locken kann: Das ist zum einen Essen und zum anderen ein interessantes Ziel – und ihm dieses gut „verkauft“. Und genau so haben wir es beim Schatzstein gemacht. Es handelt sich um einen Stein – oder eigentlich einen Felsen – mitten im Wald. Ich persönlich finde das ja schon ziemlich cool, weil man darauf herumklettern kann, es ein toller Picknickplatz ist und ich sowieso gerne im Wald bin, besonders am Mieminger Plateau, die Lärchenwälder dort sind einfach wunderschön.

Mieminger Schatzstein

Der sagenumwobene Schatzstein

Ein „Hexenhäuschen“ mitten im Wald

Der Weg zum sagenumwobenen Schatzstein

Mein Sohn findet den Schatzstein allerdings nur deswegen richtig cool, weil ihm seine Oma den ganzen Weg dorthin Geschichten erzählt hat und die beiden gerätselt haben, wer, wann, wo diesen sagenumwobenen Schatz vergraben haben könnte, und wie sie ihn am besten finden. Alle die, die sich für die „wahre“ Sage interessieren, sollten hier vorbei schauen. So viel sei verraten, wir haben wirklich einen Schatz gefunden (ehrlich gesagt, war das aber nur ein sehr glücklicher Zufall, denn der Schatzstein scheint ein Geocaching-Punkt zu sein). Es war ein absolut gelungener Ausflug, den ich wirklich jedem empfehlen kann.

Gestartet wird beim Parkplatz beim Waldschwimmbad Barwies, man wandert Richtung Moosalm und von dort aus folgt man der Beschilderung „Schatzstein“. Der circa 20-minütige Weg ist auch für Familien mit ganz kleinen Kindern geeignet, denn die Strecke ist mehr oder weniger kinderwagentauglich, auch wenn der Weg aufgrund vieler Wurzeln und Steine streckenweise doch recht holprig ist.

Kind im Wald zeigt den Weg

Mein kleiner Schatzsucher

Wer noch Energie hat: Eine ebenfalls sehr schöne Wanderung, ausgehend von der Moosalm, findet ihr hier.

Ich hoffe, ich konnte euch drei tolle neue Wanderungen (beziehungsweise Spaziergänge) vorstellen, die eurer Familie genau so gut gefallen wie meiner!

Informationen:

Bienenlehrpfad am Sistranser Mühlteich
Streckenlänge: 2 km
Ausgangspunkt: Sistrans – Tigls
Endpunkt: Sistrans – Tigls
Wegbeschaffenheit: teilweise Asphalt, teilweise Schotterweg

Archäologiepfad Goldbichl
Streckenlänge: 1,7 km
Ausgangspunkt: Igls – Kurpark
Endpunkt: Igls – Goldbichl
Wegbeschaffenheit: vorwiegend Waldwege, Asphalt

Wanderung zum Schatzstein
Streckenlänge: 3 km
Ausgangspunkt: Parkplatz Waldschwimmbad, Barwies (kostenfrei)
Endpunkt: Schatzstein (950 m)
Wegbeschaffenheit: Forstweg

 

Alle Fotos ©Elisabeth Siegl