‚Aufg’horcht in Innsbruck –  Volksmusik erobert die Stadt’ heißt die Idee eines bislang jährlichen ‚Open-Air-Volksmusikantentreffens in der Innsbrucker Altstadt. Ursprünglich war die ‚Klangwolke’ als Programmteil im Anschluss an die Vergabe des renommierten ‚Herma Haselsteiner-Preises‘ konzipiert. Da trafen sich alle zwei Jahre junge Volksmusikanten, um ihr Können vor einer Fachjury zu präsentieren. Es war eine einzigartige Gelegenheit, sich in der Szene einen Namen zu machen. Geboren hatten die Idee einer anschließenden ‚Volksmusik-Wolke’ in Innsbrucks Innenstadt der Obmann des Tiroler Volksmusikvereins Peter Margreiter mit seiner Frau Sonja Steusloff-Margreiter. 

Volksmusikanten bei Aufg'horcht

Bereits Tradition: an einem Wochenende im Oktober musizieren Volksmusikanten in der Innsbrucker Altstadt auf Einladung des Tiroler Volksmusikverbandes. Hier die ZackZack Musi aus Kärnten. Bild: W. Kräutler

Dass im vergangenen Jahr weder der Haselsteiner-Preis vergeben noch eine Volksmusik-Klangwolke in der Altstadt erklang ist der Pandemie geschuldet. ‚Rien ne va plus’ hieß es. Dass Peter Margreiter seine Idee aufgeben würde, Volksmusik quasi direkt zum Volk zu bringen, war ausgeschlossen. Zu stark sind seine Wurzeln in der Volksmusik, ist er doch auch Mitglied der inzwischen auch international renommierten Stubaier Freitagsmusig. Obwohl, wie er einräumt, „die Organisation der heurigen Aktion in einem Superschnelldurchgang“ erfolgen musste. Lange war nämlich nicht wirklich klar, ob solche Veranstaltungen überhaupt durchgeführt werden durften. Und wenn ja, wie.

Sonja Steusloff-Margreiter mit ihrem Mann Peter. Bild: TVM

Wer aber Peter Margreiter und seine Gattin und Mitstreiterin Sonja kennt weiß, dass beiden Beharrlichkeit und Perfektion zu eigen sind. Innerhalb weniger Wochen wurde das Programm auf die Beine gestellt, Musikgruppen eingeladen, Unterkünfte und Auftrittsorte organisiert. Immerhin folgten 25 Musikgruppen mit rund 100 Musikanten ihrer Einladung nach Innsbruck. Vom 22. bis zum 24. Oktober war’s dann soweit.

Die Tanzlmusig ‘Weiß-Siaß’ spielte vor dem Goldenen Adler in der Altstadt auf. Bild: W. Kräutler

Das Treibhaus als Treibsatz

Zum Auftakt des heurigen Volksmusik-Festivals wurde das Innsbrucker Treibhaus erkoren. Der Treibhaus-Turm erwies sich denn auch als ein idealer Aufführungsort für die aus drei Ländern stammenden Volksmusikgruppen. Und so feierten die rund 100 jungen Musikanten gemeinsam mit den Besuchern einen Abend lang bei allerfeinster Volksmusik und witziger Conference von Theresa Frech und Peter Margreiter ihren persönlichen Triumph über die Pandemie.

Theresa Frech und Peter Margreiter

Die Radio-Moderatorin Theresa Frech und Peter Margreiter führten durch das Eröffnungsprogramm des heurigen ‘Aufg’horcht’. Bild: W. Kräutler

Die Geschwister Mayr aus Imst bei ihrem Konzertauftritt im Treibhaus. Bild: W. Kräutler

Der Samstag war dann ganz dem Spiel auf den Plätzen Innsbrucks gewidmet. Die Besucher der Altstadt kamen von 11:00 bis 17:00 Uhr in den Genuss echter Volksmusik. Dargeboten von Volksmusikgruppen, die in der Vergangenheit zu den Gewinnern des Haselsteiner-Preises zählten.

Geigenmusi

Die ‘Salzkammergut Geigenmusi’ bei ihrem Auftritt vor dem Goldenen Dachl. Da wagten sogar Hochzeitspaare ein Tänzchen, bevor sie an diesem Samstag zum Standesamt schritten. Bild: W. Kräutler

Die Auftritte vor dem Goldenen Dachl waren nicht nur für Touristen und Passanten interessant. Gleich mehrere Hochzeitsfeiern – das Standesamt im Goldenen Dachl ist ja überaus beliebt – kamen an diesem wunderschönen Samstag in den Genuss alpenländischer Weisen. 

Einheimische und Besucher der Stadt waren gleichsam begeistert von den Auftritten der Volksmusikanten. Bild: W. Kräutler

Die Absamer Zitherdirndln erfreuten nicht nur die Besucher des Café Munding. Bild: W. Kräutler

Die ‘Huangartler’ in voller Aktion im Innenhof des Stadtturmes. Bild: W. Kräutler

Was ist ein Raffele?

Seltenheitswert hatte der Auftritt eines Duos im Innenhof des Stadtturmes. Nicht nur das Instrument war quasi exotisch. Auch der Musikant war es. Beim Instrument handelte es sich um die Urversion einer Zither, die in Tirol liebevoll ‘Raffele’ genannt wird. Ich hatte von einem solchen Instrument bisher ehrlich gesagt noch nie gehört. Der Musikant, der das Ur-Instrument zum Klingen brachte war nicht weniger interessant. Sein Name: Xaver Hernandez. Der ursprünglich aus Spanien stammende und nun in Südtirol lebende und arbeitende Englischlehrer beherrscht als Musiker das Raffele in Perfektion. Genauso wie er das Instrument beherrscht spricht er schon nach wenigen Jahren Aufenthalt in Südtirol ein unglaublich lupenreines Südtirolerisch. Oder sollte ich sagen Meranerisch? Es ist jedenfalls ein seltenes Vergnügen, ihm beim Erzählen und beim Raffelespiel zuzuhören.

Xaver Hernandez mit seinem Raffele beim Auftritt in Innsbruck. Bild: W. Kräutler

So schaut die Urform der Zither aus: ein Raffele, gefertigt aus Fichtenholz mit einem Steg aus Nussholz. Bild: W. Kräutler

Ein weiterer, in der Zwischenzeit bereits historischer Aufführungsort von ‘Aufg’horcht’ ist die Annasäule in der Maria Theresienstraße. Dort wurde dann zur Musik auch gleich getanzt. 

Die Kärntner MaKatsch-Musi brachte Stimmung vor die Annasäule. Bild: W. Kräutler

Die Innsbrucker Sängerrunde Wolkensteiner ließ sich einen Auftritt in unserer Prachtstraße nicht entgehen. Bild: W. Kräutler

Bereits Tradition: der Abschluss des Volksmusikantentreffens in Innsbruck wird im Gasthof Bierstindl ausgiebig gefeiert. Bild: Thomas Erichsen, TVM

Und da Volksmusik und Gasthäuser eine Art historischer Symbiose darstellen, erfolgte auch heuer wieder der Abschluss von Aufg’horcht – sozusagen routinemäßig – im Gasthof Bierstindl. „Wie überhaupt Gasthäuser uns Volksmusikanten über die Pandemiezeiten hinweg geholfen haben“ erzählt Peter Margreiter. Weil größere Auftritte in den von Lockdowns unterbrochenen Zeiten nicht möglich waren zogen es viele Musikgruppen mit einigem Vergnügen vor, Einladungen von Wirtshäusern anzunehmen und dort im kleineren Rahmen aufzutreten. Dass die heurige Veranstaltung wieder ein voller Erfolg war bestärkt ihn in der Hoffnung, im kommenden Jahr wieder zur Normalität des Haselsteiner Preises und der anschließenden Auftritte in der Innsbrucker Altstadt zurückkehren zu können.