Eine Geschichte über eine Männerfreundschaft und Mutters bei Innsbruck

Samstag, 8 Uhr morgens. Mein Handy läutet. Mist! Wieso ist es eingeschalten? Eine unbekannte Nummer? Ich traue mich abzuheben: „Hallo Vil! Wir kommen dich gleich in Innsbruck besuchen“, freut sich Martin Vogt aus Hamburg, verheiratet mit Inka und Vater zweier Kinder. Ich weiß schon, wo ich sie unterbringe und was wir machen werden. Ich mag Überraschungen, vor allem solche. Kaffee und Dusche schaffe ich gerade noch, da klingelt es an der Tür.

Auf ins Hotel

„Gehen wir Gondel fahren?“ brüllt die 5-jähirge Anne vom Rücksitz des Autos. „Natürlich“, antwortet Papa Martin geduldig und sieht mich dabei fragend an. Ich nicke. „Werden wir auch Brot backen und Go Cart fahren?“, fragt der kleine Heinz besorgt. Ich nicke erneut. Mama Inka hat nun das Gefühl, in guten Händen zu sein. Die Vier checken im Hotel in Mutters bei Innsbruck ein, wir spazieren eine Runde durchs Dorf und fahren noch an den See.

Das Dorf in der Stadt

Mutters

Der Blick von der Talstation der Muttereralmbahn auf Mutters.

„Mutters wurde bereits zwei Mal zum schönsten Dorf Tirols gekürt“, erzähle ich, als wir durchschlendern. Sachunterreicht der Schule sei Dank. Es gehört eigentlich zu Innsbruck, liegt aber zehn Minuten außerhalb auf einem Plateau. Wir sind umgeben von beeindruckenden Bergen, geheimnisvollen Wäldern sowie duftenden Wiesen und spazieren vorbei an gepflegten Bauernhäusern mit buntem Blumenschmuck. „Gleich ums Eck liegt das Dorf Natters, wo Kaiser Maximilian seine Sommerresidenz hatte“, fahre ich augenzwinkernd fort und stelle fest: Ich könnte Reiseführer werden. Es ist heiß und ein Sprung in den Natterer See rettet uns vorm Hitzschlag.
Die vier werden hier noch jeden Abend herkommen, denn der See ist ein richtiges Familienbad mit Rutsche und Kinderprogramm wie Sumoringen, Zaubershows, Indianertag oder Jugenddisco. Außerdem werden Martin und Inka das echte und traditionsreiche Tirol kennen lernen: Platzkonzerte und Tiroler Abende machen es möglich. Wir gehen nur noch eine Kleinigkeit essen. Gut schmecken sie, die Speckknödel. Aber nun ab ins Bett: Anne und Heinz fallen die Augen zu.

Mountain Cart

Sonntags schweben wir mit den Gondeln der Muttereralmbahn über Innsbruck und schließen uns dem Wanderprogramm an. Dafür fahren wir sogar gratis hinauf. Die Wanderungen in der Gegend sind eher leicht und für Familien mit Kindern daher geeignet. Anne und Heinz haben freilich noch zu viel Energie: Sie toben sich am Spielplatz aus und entdecken dort die Elemente Sand, Stein, Wasser und Holz. „Diese Stadtkinder!“, grinse ich in mich hinein. Martin und Inka belohnt der Blick auf Innsbruck und der Kaiserschmarrn in einer der Almhütten. Ich weiß ja, wie ich meine Gäste umsorge.


Wir freuen uns mehr als die Kinder, gestehen Martin und ich heimlich. Nun geht es nämlich mit den Mountain Carts ans Eingemachte und wir haben eine stille Vereinbarung getroffen: „Ein Rennen muss es sein.“ Die Konkurrenz hat uns vor 9 Jahren auf der Uni in Innsbruck auch schon gut getan. Heute ist er Michael Schuhmacher mit Sozius Heinz und ich Gerhard Berger. OK! Das heißt, Team Schuhmacher im Mountain Ferrari wird gewinnen. Die Strecke führt 5 km ins Tal hinunter, ist abgesperrt und daher sicher. Drei, zwei, eins: Los geht’s. Das Gastrecht hat mir den Sieg verboten, oder vielleicht war mein Cart einfach nur langsamer. „Nochmaaal!“ schreit Heinz unten angekommen. Wir waren leicht zu überreden: Wieder rauf und flott hinunter. Immer noch ist mein Cart langsamer. Martina genießt inzwischen mit Anne noch das Zauberwasser und weitere Köstlichkeiten auf der Mutterer Alm.

Männerabend

Bevor es dunkel wird verduften Martin und ich in die Stadt. Mit der Straßenbahn fahren wir von Mutters hinunter. Er muss natürlich ein wenig shoppen. Normalerweise machen das doch nur Frauen? Als Mann weiß er jedoch, was er will: „Hemden, Hosen, Tiroler Hut, Kuchen für die Kinder und heiße Unterwäsche für seine Frau.“ Anscheinend muss er sich für den Abend freikaufen. Ich weiß jedenfalls, wo er alles bekommt. Der ganze Zirkus ist eine Angelegenheit von einer Stunde. Männliche Effizienz nennen wir das.

Für die Frauen unter den Lesern: Ja, es gibt in ganz Innsbruck genug Geschäfte und etliche Einkaufszentren. Ich nennen jetzt keine Namen, ihr findet sicher was 😉

Etliche Kneipen warten schon auf uns: Krahvogel, Elferhaus oder der Stiftskeller sind jenen Ort, an denen Männer noch sie selbst sein dürfen. Wir nehmen den berühmten ersten Schluck von einem kühlen Bier. Wenn es doch nur erste Schlucke gäbe. Zeit zum Schwelgen in Erinnerung: glorreiche Studienzeit, erschummelte Prüfungen, niemals widerholbare Frauengeschichten und die gemütlichen Abende im Sommer am Inn. „Früher war ja alles noch besser, aber auch hier und jetzt ist es sehr schön“, stellen wir unisono fest. Deutschland schlägt derweil Brasilien derweil 7:1 bei der Fußball WM. Martin freut sich irgendwie. Ich nicht! Nach Hause geht´s wieder mit der Bahn. Über die Uhrzeit schweige ich. Martin hat alle seine Sachen im Lokal vergessen…

Königreich des Schnees

Stubaitalbahn

Die Stubaitalbahn fährt regelmäßig von Innsbruck aus bis nach Fulpmes im Stubaital.

Martin und mir ist nicht unbedingt nach Reden. Inkas Gesicht ist lang. Gut, dass ich seine Einkäufe mitgenommen habe, denn plötzlich hatten alle ein fettes Grinsen im Gesicht – besonders Inka, die Martin zuzwinkert. Heute machen wir nur einen kleinen Ausflug: Direkt von Mutters fährt uns die Stubaitalbahn bis nach Fulpmes ins Stubaital und von dort fahren wir mit Bus und der Gondel weiter bis zum Stubaier Geltscher. „Von den Einheimischen wird er das Königreich des Schnees genannt, weil er selbst im Sommer sehr schneereich sein kann“, meine einzige Erklärung für heute. „Schnee und Eis im Sommer?“, wundern sich die Kleinen und haben Spaß daran. Es dauert nicht lange, da fliegt mir ein Schneeball ins Gesicht. Martin geht es wohl wieder besser. Ab ins Tal und wellnessen im Hotel.

Mit Nature Watch Unsichtbares sehen

Den Stadtmenschen will ich die Tier- und Pflanzenwelt der Alpen ein wenig näher bringen. Am vierten Tag begleite ich die Vogts daher noch – dachte ich zumindest, denn ich wurde zum Vater auf Zeit: Eigentlich sollten wir alle zusammen eine Nature Watch Führung mitmachen, aber ich durfte mit den Kindern alleine gehen. Mit den Ferngläsern konnten wir in Mutters das Unsichtbare der Natur entdecken. Der Wanderführer leitet uns nur bergab und die Kleinen haben es gemütlich. Ich hätte gar nicht mitgehen müssen, aber: Anne und Heinz steht der Mund jedes Mal weit offen, als sie Lurche, Eichhörnchen, Wollgras, seltene Insekten und sogar ein Reh sehen. „Das gibt es bei uns nur im Fernsehen“, staunen sie. Ich klopf mir selbst auf die Schulter, freu mich mit ihnen und bringe sie zufrieden zur ihren Eltern zurück. Ein wenig Übung als Vater hat irgendwie gut getan.

Mit tollen Pauschalen die Sommersaison eröffnen

Besonders Familien und Pärchen freuen sich über die Pauschalen vom Hotel SonnhofHotel Seppl und Hotel Schieferle in Mutters. Das Angebot gilt für 4 oder 7 Übernachtungen mit Halbpension. Kinder unter 5 Jahren wohnen gratis, zwischen 6 und 14 Jahren erhalten sie eine Preisermäßigung. Selbstverständlich sind Sauna, Hallenbad und Relaxgarten der Hotels inkludiert; W-LAN ist überall kostenlos. Für Anne und Heinz gibt es die restliche Zeit außerdem gratis: Wanderungen, Kutschenfahrten, Ponyreiten, Brotschaubacken, Bauernhofbesuche und den Natterer See mit Animationsprogramm.
Über den Besuch der Vogts habe ich mich sehr gefreut. Mein liebster Studienkollege ist mit Sack und Pack wieder abgereist. Aber ich werde mich revanchieren, wenn ich in der Hansestadt mal unangemeldet eintrudele – vielleicht habe ich dann meine eigenen Kinder mit. Vater und Guide auf Zeit darf dann Familie Vogt sein. Moin, Moin!

Alle Bilder: Marlies Mair