Das 2014 von der Blockflötistin Ilse Strauß und dem Lautenisten Wolfgang Praxmarer gegründete Innsbrucker Ensemble Rosarum Flores begab sich dafür auf eine musikalische Spurensuche in die Zeit um 1710 in Innsbruck.
Der Schriftsteller Christoph W. Bauer steuerte einen literarischen Text bei. Erschienen ist „Tiroler Gröstl 1710. Händel in Innsbruck“ unter dem Label musikmuseum, das von Franz Gratl, dem Leiter der Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum, betreut wird.

Händel in Innsbruck

Nachdem er sich vier Jahre in Italien aufgehalten hatte, reiste Georg Friedrich Händel 1709 über den Brenner. Im Gepäck hatte der aufstrebende Komponist ein Empfehlungsschreiben von Ferdinando de Medici aus Florenz. Es richtete sich an den Karl III. Philipp von der Pfalz, der als Statthalter in Innsbruck residierte.
„Daher wünsche ich ihn mit diesem Ansuchen Eurer Hoheit herzlichst zu empfehlen, wissend, dass er es untertänigst als Ehre empfinden wird, sich Ihnen zu präsentieren […]”, schrieb Ferdinando am 9. November 1709. Dass er sich an Karl Philipp wandte, kam nicht von ungefähr.

Bild Karl Philipps von der Pfalz-Neuburg mit einer Landkarte von Tirol und einer Ansicht Innsbrucks; Kupferstich von George Heinrich Schiffler, um 1706; © TLM

Statthalter mit Musiksinn

Karl Philipps Ruf als Musikförderer reichte weit über die Landesgrenzen. Er unterhielt eine hervorragende Musikkapelle und begeisterte seine Gäste mit prunkvollen Opernaufführungen im „Comedi-Haus“. Seine Frau Theresa Katharina war eine hervorragende Sängerin, seine Tochter aus erster Ehe, Elisabeth Auguste Sophie, veranstaltet regelmäßig musikalische Akademien am Hof.
Für internationales Renommee sorgten die Komponisten Jakob Greber als Kapellmeister und Gottfried Finger als Konzertmeister. Beide hatten davor in London gewirkt.
Über Händels Aufenthalt in Innsbruck ist über das Empfehlungsschreiben – und die Antwort Karl Philpps – hinaus leider wenig bekannt. Briefe und Berichte von Durchreisenden liefern spärliche Hinweise.

Auf der aktuellen CD widmet sich Rosarum Flores Musik rund um Händels Besuch in Innsbruck. Foto © Reinhold Sigl

Brief aus London

Der Schriftsteller Christoph W. Bauer füllt diese Lücke mit einer literarischen Fiktion. Er lässt Händel einige Jahrzehnte später einen Brief verfassen, gerichtet an den damals berühmten Lautenisten Silvius Leopold Weiss.
Sein Leben ist zwar nur fragmentarisch dokumentiert, doch stand er schon vor Karl Philipps Umzug nach Innsbruck in dessen Diensten. Bis circa 1710 dürfte er in Innsbruck tätig gewesen sein – und einige Jahre später nochmals. Und natürlich ist davon auszugehen, dass Händel, Weiss, Greber und Finger sich am Hof in Innsbruck getroffen haben.
Das nutzt Christoph W. Bauer für den Brief. Er lässt Händel in Erinnerungen schwelgen. Der längst berühmte Komponist denkt an die Gespräche mit den Musikerkollegen, an die Zusammenkünfte im Gasthaus (über die historischen Gasthäuser in Innsbruck gibt’s einen Beitrag meines Bloggerkollegen Werner).

Die CD „Tiroler Gröstl 1710. Händel in Innsbruck. Eine literarisch-musikalische Spurensuche“ ist im Label musikmuseum erschienen.

Tiroler Gröstl reloaded

Er riecht förmlich das Tiroler Gröstl, das ihnen damals serviert wurde. Keinem seiner Köche sei es je gelungen, dieses in London so zu kochen, wie er es in Innsbruck genossen hatte, schreibt er an Weiss. Und das, obwohl er dem Wirt das Originalrezept abgerungen habe.
Händel erinnert sich in diesem Brief auch an Musikerkollegen wie Alessandro Scarlatti und Giovanni Bononcini. Er schreibt über Pietro Nicoló Sorosina und Johann Christoph Pepusch, die in Innsbruck gewirkt hatten – und weiß allerlei über sie zu erzählen.

Aufgenommen wurde die CD in der Pfarrkirche zum Hl. Magnus in Ranggen. Foto © Reinhold Sigl

Musikalischer Rahmen

Musikstücke dieser Komponisten finden sich auf der CD „Tiroler Gröstl 1710. Händel in Innsbruck“ neben Georg Friedrich Händels spanischer Kantate „No se emenderá jamás“ und Silvius Leopold Weiss’ „La belle Tiroloise“.
Das Ensemble Rosarum Flores verbindet damit Musik im Umfeld von Händel in Italien mit dem vielfältigen musikalischen Leben in Innsbruck in jener Zeit. Bauers fiktiver Brief rundet das Klangerlebnis stimmig ab. Er lässt die Atmosphäre am Hof, in den Gassen der Altstadt lebendig werden und spickt die Eindrücke mit Geschichten um die Komponisten, die auf der CD zu hören sind.

Der Schriftsteller Christoph W. Bauer machte sich für „Tiroler Gröstl 1710“ auf eine literarische Spurensuche.

Spannende Spurensuche

„Tiroler Gröstl 1710. Händel in Innsbruck“ nimmt einen mit auf eine spannende musikalisch-literarische Spurensuche. Ein umfangreiches Booklet ergänzt diese wunderbar anzuhörende Reise in die Vergangenheit um eine historische Einordnung und die Biografien der Komponisten und Musiker. Große Hörempfehlung!

Tiroler Gröstl 1710. Händel in Innsbruck.
Eine literarisch-musikalische Spurensuche.
Christoph W. Bauer – Ensemble Rosarum Flores
musikmuseum 52, Tiroler Landesmuseum
Erhältlich im Shop der Tiroler Landesmuseen und im gut sortierten Musikfachhandel.

Konzerttermine des Ensembles Rosarum Flores finden sich auf der Homepage und im Veranstaltungskalender von Innsbruck Tourismus.

Fotos, wenn nicht anders angegeben: © Susanne Gurschler