Sonntagmorgen, Innsbruck, halb zehn: „So, ich hol schnell die Brötchen aus dem Ofen, ach, was sag ich denn, ich meine die Ski!“

Tja, was nun im ersten Moment ein wenig „verpeilt“ wirkt, ist beim genaueren, weiteren Lesen dieses Blogs völlig schlüssig und sinngebend. Man holt nämlich die selbstgemachten Ski oder das handmade Board aus dem Ofen, welche zuvor im Rahmen eines zweieinhalb-tägigen „SPURart“-Workshops mit den eigenen Händen gefertigt, designt und in Form gebracht wurden. Ganz getreu dem Firmenmotto, „Design your line“, bietet SPURart die Möglichkeit, sein ganz persönliches Paar Ski oder Snowboard zu konstruieren, um die malerischen Tracks rund um Innsbruck auf eine völlig neue „Art & Spur“ zu erleben!

Letzte Woche habe ich daher Jenny und Paul Bartholomew’s Einladung Folge geleistet und die „SPURart“- Werkstatt besucht, um mir einen eigenen Eindruck von dieser sehr spannenden Geschichte zu verschaffen. Jenny Bartholomew betreut unter anderem den medialen Auftritt von SPURart und Paul ist der Geschäftspartner von Michael Freymann, der seines Zeichens das Gesicht und der Gründer von SPURart ist und sämtliches Know-How über die “Ski- und Snowboardbauerei” besitzt. Michael Freymann leitet die Firma und symbolisiert den “Spirit & Passion”-Faktor von SPURart.

Als ich dort eintraf, wurde ich bereits von höchst motivierten und emsig arbeitenden Kursbesuchern erwartet, sozusagen ein buntes Skibauertreiben, das mich im ersten Moment an das Unterrichtsfach Werken, erinnert – meine Affinität für den Geruch von Klebstoff, Holz und Lack war schon immer sehr groß – kurz gesagt, ich hatte mich schon im ersten Moment sehr wohl gefühlt, was allerdings auch daran lag, dass Jenny & Paul mir einen sehr herzlichen und sachlich-fundierten Einblick in die „Brettlbauerei“ boten.

SPURart

Doch wie genau funktioniert das jetzt eigentlich? Meine eigenen Ski oder mein eigenes Board bauen? Ich hab mich daher schlau gemacht und neben den Fakten, welche ich von Jenny & Paul erhalten habe, auch den Erklärungen des letztwöchigen Workshop-Leiters, Dr. Michael Wurzbacher, interessiert gelauscht.

Das Ganze beginnt ca. drei Wochen vor Workshop-Beginn. Per Telefonat werden wichtige Details im Rahmen eines “Planungsgesprächs” geklärt. Sprich, welchen Ski- oder Snowboard-Typ man haben möchte, ob die Präferenzen mehr auf der Piste oder im Gelände liegen, wie das eigene Können zu bewerten ist und welche Designwünsche einem so vorschweben. Anhand dieser Daten werden im Anschluss daran maßgebliche Vorbereitungen, wie Kernsubstanz, Furnierauswahl, Fiberglasschichten, Designs etc. getroffen, um letztendlich im Rahmen des „SPURart“-Workshops gleich richtig loslegen zu können.

Generell werden die Workshops auf zweieinhalb Tage aufgeteilt, wobei man jeweils am Freitag von 18.00 bis ca. 20.00 Uhr schon mal seine neuen, eigenen Ski oder das Board auf einer Schablonenskizze, die im Vorfeld von Michael Freymann, basierend auf den Informationen des Planungsgesprächs, in einem CAD-Programm angefertigt wurde, zuschneidet. Dieser Schritt verlangt genaues Arbeiten, da das Modell die Vorlage für den späteren Ski oder das Board ist.
Der zweite Tag, Samstag, nimmt dann schon etwas mehr Gestalt an und ist dabei nicht weniger spannend. Morgens ab ca. 8.30 Uhr widmet man sich den einzelnen Schichten des Skis oder des Boards. Man beginnt mit dem Zuschneiden des Belags und des Verklebens der Kanten. Eine extrem filigrane Arbeit, die wirklich höchste Genauigkeit verlangt. Nach dem „Kantenkleben“ ist das Herzstück jedes Skis oder Boards an der Reihe – der Kern, in unserem Fall aus dem hochqualitativen Eschenholz, wird mit der jeweiligen ABS-Kunststoff-Spitze zusammengesetzt. Auch hier gilt, „Genau sein!“ und man versteht, warum immer in Zweierteams gearbeitet wird!

Nun kommt der Part, der mich irgendwie ans Lasagnemachen bzw. Sandwichmachen erinnert. Die jeweiligen Schichten, Belag – Eschekern – Fiberglas-Layers – Topsheets, werden nach und nach auf dem Spannbrett zusammengefügt. Sauber muss alles sein – kein Staubflöckchen, kein Holzspann, kein Luftblässchen darf sich abzeichnen, um die beste Performance zu erzielen. Man kann die Anspannung förmlich greifen, soviel sei versichert!
Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, kommen Vakuum, Hitze und Ofen ins Spiel. Unser Ski oder unser Board wird nun in einen Vakuumsack gehüllt und über Nacht in den Ofen geschoben. Kontinuierlicher Druck und eine stetige Temperatur von 60 Grad sorgen dafür, dass sich die einzelnen Schichten miteinander verbinden und die Form des Skis oder des Boards gebildet wird.

SPURart

Am Sonntag dann darf man seine Ski oder sein Board, wie eingangs bereits erwähnt, aus dem Ofen holen. Wer jetzt denkt, dass somit alles fertig ist und man schnurstracks in Richtung Seegrube starten kann, ist ein bisschen zu früh dran, da die Ski oder das Board erst zugeschnitten werden müssen. Entlang der Kantenlinie wird exakt gefräst um dem eigenen „Baby“ nun noch den perfekten „Shape“ zu verpassen. Der Schliff, der die Kantenneigung entstehen lässt, wird danach von Profis des „SPUR-art“-Teams übernommen, da dies größtes Know-How verlangt.

Auch das erste Service und die Montage der mitgebrachten Bindung wird in der Werkstätte durchgeführt. Ein professionelles Finish erhalten die „SPUR-art“ Kreationen dann noch im Schleifcenter Reichmann in Mutters, um das perfekte Gefühl am Schnee zu erzielen.
Nach dem Schleifen und Co ist er dann endlich da, der Moment, auf den man schon sehnsüchtig hingearbeitet hat – man hält die eigenen Ski oder das eigene Board in seinen Händen! „Handmade, individual, pure, authentic, full of passion for the sport”

SPURart

Fazit: Ich würde diesen Workshop den Wintersportlern wärmstens ans Herz legen, da das Gefühl des Selbermachens, des Einbringens der eigenen Vorstellungen und Wünsche bis hin zum letztendlichen Ergebnis, dem handmade Ski oder Board, eine wunderbare Erfahrung ist, die nicht nur unvergessliche Momente am Schnee garantiert, sondern auch schöne „Brettlbauerbegegnungen“ als Bonus frei Haus liefert!“ – „Design your line“ und „Design your journey“ – SPURart und Innsbruck machen’s möglich!

Hier könnt ihr euch schon mal anmelden und auch die verfügbaren Termine einsehen. Preislich bewegt sich der ganze Workshop bei 690 €.

Wichtige Links:
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