Sie gehen an der Innpromenade entlang und starren auf ihre Smartphones. Plötzlich bleiben die drei jungen Herren unvermittelt stehen, drehen sich um, wischen wild auf dem Bildschirm herum. “Yes!!!”, ein kurzer Ausstoß unerklärlicher Freude. Hauptbahnhof Innsbruck, zwei weibliche Teenager kichern und drehen sich gemeinsam im Kreis. Erst laufen sie beinahe auf die vielbefahrene Straße, dann fast gegen eine Ampel, den Blick starr auf das Handydisplay gerichtet. “Was machen die da?” fragen sich derzeit so ungefähr fast alle über 30-Jährigen beim Blick auf das zombieartige Treiben junger Stadtmenschen. Sie spielen Pokémon Go. Die App löst gerade den größte Online Hype aus, seit es das Internet gibt. Pikachu und seine Freunde haben Innsbruck fest im Griff.

Pokémon Go ist das erste erfolgreiche Augmented Reality Spiel. Über ein Smartphone und dessen Kamera bewegt sich der Spieler durch die reale Welt, die Software nimmt die Bewegungs- und Kameradaten auf und verknüpft sie mit ihrem digitalen Spielalgorithmus. Der alte Nintendo Gameboy Rollenspielklassiker rund um Pikachu und seine Freunde ist nicht nur im New York Central Park ein Riesenerfolg, sondern eben auch vor dem Goldenen Dachl oder am Landhausplatz.

“Alle 1,5 Stunden mach ich ne Pause. Dann ist nämlich der Akku leer und ich muss nach Hause aufladen.”

 

Augmented Reality in der Sillschlucht

Pokémon fangen, Arenen einnehmen und verteidigen und kleine Ungeheuer trainieren. Um Pokémon anzulocken, setzt man Duftstoffe aus (*hier Duftstoffe-Witz einfügen*), um sie zu besiegen ist Fingergeschicklichkeit auf dem Smartphone-Touchdisplay gefragt. In Arenen treten die gesammelten und trainierten Tierchen gegeneinander an, um sie zu erreichen, muss man sich persönlich und real dort hinbegeben. Eine Kartengrundlage und die Smartphonekamera in Verbindung mit GPS-Lokalisierung weisen den Weg.

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Screenshot: In Arenen kämpfen die kleinen Ungeheuer gegeneinander. Teilt eure Pokémon-Spots mit #myinnsbruck!

Lizenzinhaber Nintendo bringt den alten Gameboy-Klassiker in die onlineaffine Zielgruppe der 15 bis 30-Jährigen und verbindet das alte erfolgreiche und interaktive Spielekonzept mit den Möglichkeiten aktueller Smartphones. Wer die kleinen Ungeheuer schon in den 90ern auf dem Gameboy gesammelt hat, ist schnell von den neuen “realen” Möglichkeiten fasziniert. App-Klassiker wie Facebook, Whatsapp und Tinder hat Pokémon Go schon am ersten Tag aus den Allzeit-Downloadstatistiken verdrängt.

“Ich war gestern schon in der Sillschlucht, zweimal am Haupt- und Westbahnhof und viermal am Landhausplatz. 37 Kilometer zeigt mir meine Running App seit gestern an. So viel bin ich im letzten halben Jahr nicht zusammen gelaufen.”

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Screnshot: Pokémon fängt man, indem man sie mit kleinen Pokébällen mit geschickten Fingerbewegungen abwirft. Das kann man auch auch bei einer Pause am Berg bei H+ Empfang.

Pokémon in Innsbruck

“Diese kleinen Ungeheuer sind ja überall, an jeder Ecke trifft man eins.”

– “Fast wie bei Tinder.”

Kleine Ungeheuer (die digitalen sind nun gemeint) findet man sprichwörtlich an jeder Ecke und auch an jedem Gipfel oder Almhütte. Beliebte Pokémon-Arenen sind am Landhausplatz, Bergisel-Stadion und Hafelekar zu finden. Hauptbahnhof, Westbahnhof, Marie-Theresien-Straße und die Sillschucht sind weitere beliebte Spots. So manch Ungeheuer wurde auch schon auf den Gipfelkreuzen anderer Bergen rund um Innsbruck gefunden.

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150 verschiedene Ungeheuer gibt es zu fangen, jedes mit bestimmten Fähigkeiten. The battle is real.

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Innsbrucks höchste Arenen findet ihr auf der Seegrube und am Hafelekar.

pokemon hafelekar

Ungeheueralarm an der Hungerburg!!! 😉

Jagd nach Pikachu in den Bergen

Innsbruck hat im Vergleich zu vielen anderen Alpentälern den Vorteil, dass der oft hervorragende städtische mobile Netzempfang bis auf die Berggipfel reicht. Bei einer Wanderung auf einen der Hausberge und durch die Feriendörfer hat man oft gar vollen LTE-Empfang und damit hervorragenden Spielegenuss. Die zahlreichen Restaurants, Almhütten und Cafes auf eurem Weg helfen bei netter Nachfrage sowohl mit einer realen als auch digitalen Stärkung des strapazierten Akkus. Kasspressknödel für den Körper, Strom für das Smartphone.

Tipp: Innsbrucks höchste Arenen findet ihr bei der Seegrube und am Hafelekar, ganz oben auf der Nordkette. Und bitte nicht nur aufs Smartphone schauen, ein Pokemon kann vielleicht fliegen, ihr jedoch (wahrscheinlich) nicht. Spezialtipp: Die Natur ist in Realität noch viel schöner als auf dem Smartphonedisplay ;).

giphy.com, source unknown.

giphy.com, source unknown.

Pokémon Go oder Poké-Mongo?

So fest mancher über das neue Spielekonzept den Kopf schütteln mag, es ist erst der Anfang einer neuen interaktiven, digitalen Realität. Ladenbesitzer können mit Sponsored Spots und besonderen Spielzusätzen Kunden anlocken, so mancher Touristiker beruft schon eifrig Meetings mit seiner Werbeagentur ein.

“Das Spiel hat auch was Positives: Mein sonst so geh-fauler Mitbewohner geht jetzt regelmäßig in die Sillschlucht spazieren. Sein Hund findet Pokémon glaube ich richtig gut.”

Dass man Pokémons im Winter auch auf der Skipiste sammeln wird, daran besteht schon heute im Hochsommer nach wenigen Tagen Pokémon Go kein Zweifel mehr. Man muss auch kein Zukunftsforscher sein, um zu erkennen, dass das Thema Augmented Reality bald unaufhaltsam die Internet-Welt erobern wird. Ganze Erlebnisse und virtuelle Räume werden die Realität erweitern. Sich mit seinen Freunden virtuell, live und interaktiv am Gipfel beklatschen? Skirennen gemeinsam fahren? Produkte auf der Lieblings-Almhütte designen, während der Geschäftspartner gerade auf Bali im Strandcafe sitzt? Pokémon ist er der Anfang einer großen und raschen Änderung des alltäglichen Lebens, ob im Central Park oder am Hafelekar.

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Regnerischer Tag? Dann spielt man eben gemeinsam in gemütlicher Runde indoor. Foto: MS

Während Teenager gegen Ampel laufen und ihre größte Sorge die Laufzeit des Handy-Akkus ist, fragen sich Teile des  Internets scherzhaft, wann wir Nintendos noch beliebteres Rennspiel “Mario Cart” auf den Straßen und Augmented Skirennen auf Skipisten erleben werden. Wir sammeln schonmal Bananenschalen und warten genüsslich ab, während neben uns wieder jemand auf sein Handy starrend über ein stehendes Fahrrad stolpert.

Teilt eure Screenshots, Tipps und Tricks mit dem Innsbruck-Hashtag #myinnsbruck!