In Tirol leben circa 10.000 orthodoxe Christen. Vielen Gläubigen in Westeuropa ist die orthodoxe Kirche weitestgehend unbekannt. Umso mehr freut es mich, als serbisch-orthodoxer Christ, diesen Blog schreiben zu dürfen und euch unsere Kirchengemeinde wie auch das orthodoxe Weihnachtsfest näherzubringen.

Orthodoxes Weihnachtsfest

Badnji Dan / Badnje Vece (Heiliger Abend)

Das orthodoxe Weihnachtsfest feiern wir ab dem 6. Jänner. Dieser Tag entspricht dem Heiligen Abend, wir nennen ihn Badnji Dan (Tag) oder Badnje Vece (Abend). Das Datum stammt vom Julianischen Kalender, den die Ostchristliche Kirche beibehalten hat. Die Westkirche feiert nach dem Gregorianischen Kalender am 24.12. den heiligen Abend. Diesen gibt es seit dem 16. Jahrhundert.

Früh morgens vor Sonnenaufgang geht das Familienoberhaupt in den Wald um einen Eichenzweig oder eine kleine Eiche (Badnjak) zu schlagen. Die Eiche symbolisiert dabei das Holz das in die Krippe gebracht wurde um dort ein Feuer zu entfachen. Währenddessen wird zuhause das Essen zubereitet. Der heilige Abend ist das Ende der 40-tägigen Weihnachtsfastenzeit, deshalb gibt es weder Fleisch noch Milchprodukte. Traditionellerweise backen wir eine Münze in ein Brot in Form einer Krone ein. Für den Eichenzweig muss man heute nicht mehr unbedingt in den Wald gehen. In Innsbruck bekommt man ihn morgens in der Kirche und nimmt ihn mit nachhause.

Eichenzweig

Traditioneller Eichenzweig “Badnjak”

Traditionell legt man im Haus oft Heu am Boden aus, was die Gegebenheiten der Krippe zu Jesu Geburt symbolisieren soll. Ich war bei meiner Mama zuhause und es gab, obwohl es ein Fastenessen war, traditionelles serbisches Essen. Neben serbischen Bohnen gab es gefüllte Paprika (ohne Fleisch), eine Kartoffelsuppe und traditionell Nüsse und Obst.

Bohnen

Serbische Bohnen

Gefüllte Paprika

Gefüllte Paprika

Die Familie und das Miteinander stehen im Mittelpunkt. Statt fernzusehen wird miteinander gesprochen. Dieser Tag dient auch dazu Streitereien beizulegen. Geschenke wie in Westeuropa sind nicht üblich. Geschenkt werden Kleinigkeiten wie Süßigkeiten. Es wird alles sehr traditionell gehalten. Anschließend – ab 23:00 Uhr – geht man in die Christmette.

Weihnachtsessen

Reichlich gedeckter Tisch bei meiner Mama

Božić

Mit dem Weihnachtstag endet auch die Fastenzeit, es gibt reichlich zu essen und zu trinken. Man begrüßt einander mit den Worten “Mir Božji Hristos se rodi” (Weihnachtlicher Frieden, Christ wird geboren). Die übliche Antwort darauf lautet: “vaistinu se rodi” (Wahrlich, Er ist geboren). Danach wünscht man: Srećan Božić” (Frohe Weihnachten).

Gereicht wird nun das zuvor erwähnte Brot, genannt “Božićna Česnica”. Wir brechen dieses Brot ausschließlich mit der Hand. Wer das Stück mit der Münze erhält, dem prophezeit man in diesem Jahr sehr viel Glück.

Traditionell folgt nun das Verbrennen des Badnjak. In Innsbruck machen wir das jedoch schon am Heiligen Abend vor der Kirche.

Weihnachtsbrot

Bož*`üäićna Česnica

Weihnachtsfeuer

Traditionelles verbrennen des Badnjak vor der Kirche

Einen Christbaum gibt es wie in der Westkirche auch. Dieser wird meist schon zu Silvester aufgestellt und geschmückt. “Deda Mraz” (Väterchen Frost) bringt dann zu Silvester kleine Geschenke und legt diese unter den Christbaum.

Christbaum

Weihnachten bei mir zuhause

Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde in Tirol

Die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Tirol wurde 1992 gegründet, umfasst circa 10.000 Gläubige tirolweit und an die 4.000 in Innsbruck selbst. 1974 wurde die Gemeinde auf dem Gebiet von Salzburg, Tirol und Vorarlberg zusammengefasst und ein Pfarrer reiste zwei Mal pro Monat von Salzburg an um Gottesdienste abzuhalten. Damals bekamen die orthodoxen Gläubigen von der Innsbrucker Stadtverwaltung die Schulkapelle in der Siebererstraße zur Verfügung gestellt. Diese ist mittlerweile viel zu klein geworden, weshalb die Gemeinde in Kürze eine neue Kirche bezieht. Sie konnte sich 2018 mit den Redemptoristen einigen, die sich aufgrund geringer Mitgliederzahlen aus Innsbruck zurückgezogen haben, die Herz-Jesu-Kirche in der Maximilianstraße zu übernehmen. Diese diente den Redemptoristen als Klosterkirche des angrenzenden Kollegs. Bis die Kirche bezugsfertig ist, feiert die orthodoxe Gemeinde weiterhin ihre Messen in der Siebererkapelle.

Siebererkapelle

Serbisch Orthodoxe Kirche in der Siebererstraße Foto: SPC Innsbruck

Homepage der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Innsbruck

Serbisch Orthodoxer Jugendverein Innsbruck SPOJI

Alle Fotos © Danijel Jovanovic Photography (außer anderst angegeben)