Wie wird man eigentlich zur Legende? Voraussetzung sind zumal geschaffte Leistungen, die für viele unfassbar sind, aber die gleichzeitig auch inspirieren und faszinieren. (Lebende) Legenden schreiben Geschichten, einfach durch ihre Art zu leben. Und pflanzen dabei Visionen in die Köpfe vieler Menschen ein, treiben sie an und motivieren sie bestehende Grenzen zu sprengen. Solche Menschen gab und gibt es in Innsbruck einige. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass Tirol überdurchschnittlich viele solcher Idole beheimatet. Im Hinblick auf die bevorstehende Kletter-WM 2018 stellen wir einige dieser überragenden Persönlichkeiten vor, beginnend mit niemand geringerem als Heinz Zak.

Heinz Zak und Adam Ondra im Portaledge

Heinz Zak feierte heuer seinen 60. Geburtstag und er lebt nach wie vor nach seinen Prinzipien: Er tut, was er liebt. Klettern, fotografieren, reisen. Wie es scheint, steht bei Heinz immer ein neues Abenteuer auf dem Programm. Sein Kopf immer voll mit kreativen Ideen. Beim Gespräch im KI erzählt er von Filmprojekten in Yosemite und dass er sich freut bald wieder ‘Separate Reality’ klettern zu können. Eine Route, die sein Leben auf den Kopf gestellt hat – wortwörtlich, als auch im übertragenen Sinn…

Heinz, wie haben deine Anfänge im Klettern ausgesehen, hast du mit Sportklettern begonnen?

Dieses Wort hat es da noch nicht gegeben. Für uns gab es einfach nur Klettern, heute würde man es als alpines Klettern bezeichnen. Es hat uns dann aber bald nach Frankreich gezogen, wo Sportklettern bereits ein Begriff war und es auch schon schwerere Touren gab. Diese Entwicklungen haben wir hier nicht mitbekommen. Wir haben klettern anders erlebt, wir hatten nach wie vor Angst vor dem Stürzen – eigentlich gab’s diese Option für uns nicht. Wir wussten gar nicht wie das funktioniert, haben das klarerweise auch nie probiert.

Ich habe dann einen deutschen Kletterer kennengelernt, wir gingen gemeinsam klettern und er meinte: ‚Das probiere ich jetzt Rotpunkt.‘ Ich wusste natürlich nicht mal was das bedeuten sollte! Mir war nicht bewusst, dass er stürzen könnte, er hat davon nichts gesagt. Plötzlich stürzte er ins Seil und mich hat es komplett unvorbereitet gegen die Wand gescheppert. Anfangs betrachteten wir das sogar noch eher als Blödsinn, aber langsam wurde uns dann auch klar: Wer schwer klettern will, muss auch öfter mal ins Seil fallen. Wir konnten uns auch nicht vorstellen, dass man steiler als senkrecht klettern konnte – dafür packte man damals hier immer die Trittleiter aus. Es zog uns dann auch bald ins Yosemite Valley, wo viele unserer Idole bereits kletterten.

Alexander Huber, fotografiert von Heinz Zak

…und wieder daheim in Innsbruck?

Als wir dann wieder zurück nach Hause kamen brachten wir das Sportklettern quasi mit. Wir wurden auch vom Alpenverein eingeladen Sportklettern zu demonstrieren, hier im Höttinger Steinbruch. Das war ein Riesenspektakel und die Leute kamen von überall her um uns klettern zu sehen. Wir entdeckten dann immer mehr Gebiete rund um Innsbruck, wie zum Bespiel das Dschungelbuch. Damals war der Name so passend, weil es sehr versteckt im Wald gelegen ist und über der überhängenden Wand ein Efeu-Vorhang hing. Deswegen hat es mich so an ein Versteck im Dschungel erinnert, wo wir wie die Affen herumgeklettert sind.

Wie betrachtest du die rasante Entwicklung im Klettersport?

Klettern war früher nicht nur eine Randsportart, auch die Kletterer selber waren in gewisser Weise alternativ. Ich sehe mich da selber ja als ein Relikt, ich habe die Entwicklung beobachten können und heute hat sich das komplett verändert. Kletterer waren früher etwas Ungewöhnliches, heute wird es als cool und lässig empfunden. Der soziale Faktor war und ist aber immer wichtig, das KI ist dafür das beste Beispiel: Man geht vielleicht abends nach der Arbeit klettern und trinkt danach noch hier im Cafè gemeinsam ein Bier.

Adam Ondra in Norwegen, fotografiert von Heinz Zak

Warum klettern?

Ich hatte das Glück Klettern immer als etwas Positives erleben zu dürfen. Für mich war es schon immer ein Mittel um fit und motiviert zu bleiben – Ziele zu haben. Ich merke einfach für mich selber, wie viel mehr ich aushalten kann und dass es mir besser geht, wenn ich körperlich fit bin.

Klettern hat mich mein ganzes Leben lang begleitet, das war für mich immer wie eine Art Anker. Das wünsche ich jedem, und genau deswegen finde ich es genial, dass Klettern immer mehr zum Breitensport heranwächst. Am Klettern taugt mir auch besonders, dass immer eine starke Verbindung zum Seilpartner oder der Gemeinschaft aufgebaut wird. Das ist nicht einfach nur den anderen sichern, es entstehen ganz besondere Freundschaften. Auch wenn die Sicherungsgeräte immer besser werden, Vertrauen zum Partner spielt dennoch eine große Rolle. Für mich wird Klettern immer eine Gelegenheit sein, um meine Freunde zu treffen.

 

Es werden dauernd Rekorde gebrochen, immer schwerer oder schneller geklettert. Denkst du persönlich, dass irgendwann das Limit erreicht ist?

Nein, niemals. Seit ich klettere habe ich es immer wieder erlebt, wie das Level weiter gehoben wurde. Ich habe früher öfter mal gedacht: Jetzt ist das Limit erreicht. Das letzte Mal dachte ich das 1991, wo Wolfang Güllich die ‘Action Directe’ (weltweit erste Kletterroute im UIAA Schwierigkeitsgrad XI) erstbegang. Und als er nach der Tour meinte, er könne nicht mehr klettern – er brauche jetzt einen Monat Pause, damit sich seine Gelenke erholen können. Dabei war er einer der ersten die wirklich konsequent und richtig trainiert haben. Als ich angefangen habe, war Trainieren noch uncool, Talent war viel wichtiger. Heute trainiert man bereits im Kindesalter mit System, erkennt Talent früh und baut dann darauf auf. Und genau deswegen wird die Kurve des allgemeinen Kletterlevels immer weiter nach oben gehen.

Adam Ondra in der Dawn Wall, fotografiert von Heinz Zak

Heinz, du bist bereits auf der ganzen Welt geklettert, kennst alle namhaften Gebiete. Können wir in Innsbruck/Tirol da mithalten?

Wir haben in Tirol eindeutig Weltklasse Klettergebiete, ganz klar. Das Niveau ist bei uns unglaublich hoch, ob im Ötztal, Zillertal oder am Wilden Kaiser. Die besten Kletterer haben bei uns Linien und Klettergebiete erschlossen, die auch, und das ist ganz wichtig, gut zugänglich sind, das heißt es gibt genügend Parkplätze, gute Zustiegswege und so weiter.

Gibt es irgendetwas in deiner langen und unglaublich erfolgreichen Karriere als Kletterer und Fotograf, das dich nach wie vor am stolzesten macht?

Ja, als Erstes fällt mir da schon die Free-Solo Begehung von Separate Reality ein. Die Tour hat einfach mein komplettes Leben verändert. Dieses Dach hat mich so fasziniert, dass ich 1979 nach Amerika geflogen bin. Dann war diese Tour 1986 maßgeblich und lebensentscheidend für mich, als ich Wolfgang Güllich bei der Free-Solo Begehung von ‘Separate Reality’ fotografiert habe und dadurch auch weltweit bekannt wurde als Kletterfotograf. Seitdem begleitet mich das Klettern und Fotografieren durchs Leben. Stolz ist für mich ein eigenartiges Wort, aber genau diese Tour ohne Seil klettern zu können war für mich persönlich einfach etwas ganz Besonderes.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Alle Fotocredits: Heinz Zak