Das Leben in den Bergen ist nicht hart, sondern aussichtsreich und schön, aber es macht hart und die Berge sind unser geilster Spielplatz außerhalb des Bettes: Der Innsbrucker Lifestyle bewegt wahrlich, denn bei fast allem steht Sport im Mittelpunkt. Punkt!

 Der Anflug knapp über die Berggipfel hinweg zum Innsbrucker Flughafen ist wunderschön, technisch sehr anspruchsvoll und unter Piloten sehr beliebt. Wer hier aussteigt, weiß was ihn erwartet. Foto: Danijel Jovanovic

Der Anflug knapp über die Berggipfel hinweg zum Innsbrucker Flughafen ist wunderschön, technisch sehr anspruchsvoll und unter Piloten sehr beliebt. Wer hier aussteigt, weiß was ihn erwartet. Foto: Danijel Jovanovic

 Leben um den Sport

Innsbrucks Sportkultur beginnt sehr früh: In der Schule mit Skikursen, Wandertagen und Ausflügen – anders kennen wir es nicht. Wer hier zur Welt kommt, für den steht fest: Wald statt Betonbunker und Skikult statt Playstation. Reinhold Messner meinte, wir gingen auf die Berge, weil sie da seien und er hat recht: Sie schaffen und sind eine Infrastruktur, die eine schier unstillbare Nachfrage erzeugt. Auch ich war als Kind fast jedes Wochenende im Winter mit meinen Eltern auf der Piste. Gelernt habe ich es von meinem lieben Vater. Im Schul-Skikurs durfte ich es verfeinern. Heute gehe ich an drei Tagen der Woche eine Skitour und bin stets in guter Gesellschaft: Überall sind sie unterwegs, Skifahrer tagsüber, Skitourengeher nach der Arbeit und am Wochenende ist die ganze Stadt geschäftig, fast schon vom Freizeitstress getrieben.

Nacht

Innsbrucker zu sein, heißt in eine Welt hineingeboren zu werden, in der Berge und Sport ein wichtiger Teil unsere Kultur und unseres Lebens sind. Foto: Danijel Jovanovic.

Reden um den Sport

Wer es nicht tut, der ist nicht dabei und kann auch nicht mitreden. Die Nicht-Sportler sind keine verstoßenen Außenseiter, aber in der Minderheit und ihnen fehlt der Gesprächsstoff, bei dem ein richtiger Großstädter manchmal seine Stirn runzeln würde: Die letzte Skitour, die neuesten Bretter, die Route fürs Wochenende, oder die Bestzeit auf den Hausberg. Drei Minuten weniger! Wer nun glaubt, wir seien totale Freaks, braucht jetzt kein Valium. Den üblichen Klatsch und Tratscht und das Liebesding gibt es freilich auch, aber eben oft nur um den Sport angeordnet. Anbandln (=sich näher kennen lernen von Mann und Frau) funktioniert auf einer Almhütte oder bei einer Skitour sehr gut. Wer da nicht mitzieht, dem entgeht echt etwas, denn so viel sage ich euch: Die Sportler sind in jeder Hinsicht fit 😉

Gesundheit spannt den roten Faden

Die Tiroler sind gesünder als die Wiener – das ist empirisch belegt und kein gefärbter Lokalpatriotismus, denn Herzkreislauferkrankungen und Diabetes gibt es in Tirol weniger als im Osten Österreichs. Der Schlüssel ist vermutlich Bewegung und ein manchmal höheres Bewusstsein für gesunde Ernährung. Logisch hauen wir auch rein! Was wäre das Leben ohne Speck, Wurst, Käse & Co? Eher farblos! Ein feines Schnitzel darf schon sein. Wir gehen halt vorher auf den Berg. Unser Leben dreht sich also nicht nur um Gesundheit, sie hängt vielmehr von der vielen Bewegung ab, die gesund und glücklich macht. Wer außerdem viel sportelt, tut gut daran, gesund zu essen, sonst geht die Leistung ins Untergeschoss vom Keller. So spannt sich ein roter Faden des Wohlbefindens durch unser Leben, denn selbst Raucher rennen hier auf die Alm, bevor sie sich eine anzünden oder zünden sich eine an, nach dem sie raufgelaufen sind.

Des Innsbruckers neue Kleider

Kleider machen keine Leute. Leute machen Kleider, oder ziehen sie an!  Die Alpenstädter ziehen sich als Folge ihrer Freizeit eher pragmatisch an: Gore-Tex-Jacken, Fließ, Sportschuhe und Gadgets wie Uhren, Lawinenpieps oder Carbonstöcke prägen unser Erscheinungsbild. Schwarzen Anzug mit Budapester-Schuhen gibt es zwar auch, im Theater noch eher, aber selbst dort ist’s locker. Er und sie verraten sich durch das eine nicht dazu passende Detail: Eine übergroße Uhr mit Höhenmesser und Barometer statt der Rolex, eine schrille Gore-Tex-Jacke statt des schwarzen Mantels, eine Wollmütze statt dem Hut und Sportschuhe statt der 12er-High Heels.

Die Mountain Unicorns vereinen den Lifestyle - Sport, Business und Big City Life. Sponsoren: Mountain Unicorns, Spotsnapr Eyewear, All I need, Area 47, PILGERfilm. Foto: © Julian Walkner

Die Mountain Unicorns vereinen den Lifestyle – Sport, Business und Big City Life. Sponsoren: Mountain Unicorns, Spotsnapr Eyewear, All I need, Area 47, PILGERfilm. Foto: © Julian Walkner

Happy go lucky!

Die Innsbrucker und –Innen sind sehr Gesellige und Freundliche. Mein Besuch aus Polen gestand mir: „Ihr seht glücklich aus, ein Lächeln ziert euer Gesicht!“ Und wieder lande ich bei der einen Sache: Sport macht glücklich und ist omnipräsent, gleich wie Gott im Heiligen Land Tirol.

Das gesellige Beisammensein ordnet sich also auch um den Sport an, sei es vorher oder nachher. Nachher eher entspannt, weil die erforderliche Tagesdosis zur Beruhigung schon eingenommen wurde. Vorher nie zu lange, weil der Herr von der Dame frühmorgens wieder mit den zärtlichen Worten geweckt wird: „Aufstehn!“ Dabei freut SIE sich nur auf die Piste und sieht das Wecken eher pragmatisch nach dem Motto: Erst die Pflicht und dann das Vergnügen… Versucht euch doch auch mal im Innsbrucker Lifestyle. Es lohnt sich.

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Ob vorher oder nachher, Socialising darf auch bei Sportfanaten sein, aber eben nicht zu lange… Foto: Danijel Jovanovic.

 

Radler

Zum Schluss nochmal der verrückte Radler, der entweder von einer Skitour kommt, oder seine Ausrüstung zur Reparatur bringt oder was weiß ich, warum er mit Skischuhen ein Rad manövriert. Foto: Danijel Jovanovic.

 

Nur damit ich es gesagt habe: Alle, die nicht so sportlich sind, können freilich das urbane Leben in Innsbruck genießen: Ausgehen, Essen, Trinken, Kultur und Events. Davon gibt es genug.