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Kletterlegenden Pt. 2: In der Bigwall mit Babsi Zangerl

Vor Kurzem haben Babsi Zangerl und Jakopo Larcher die Route Magic Mushroom [1] (8b+) am El Capitan im Yosemite frei klettern können. Das ist eine der härtesten Big Wall Routen der Welt. Um so ein gigantisches Projekt zu realisieren, müssen die Kletterer tagelang in einem Portaledge in der Wand verbringen.

 

!! SAVE THE DATE: Am Dienstag 11.9. ab 21 Uhr wird bei der Black Diamond Movie Night [2] Babsi und Jakopos Film über das Projekt Magic Mushroom gezeigt: ‘The Magic of the Big Stone’.!!

Wie läuft so ein ganz normaler Tag in der Wand ab, wieviele Stunden am Tag seid ihr beim Klettern?

Am El Cap sind wir meistens um 4 Uhr morgens aufgestanden, weil es eine Südwand ist und untertags zu heiß um in der Sonne zu klettern. Nach einem Kaffee und einem warmen Frühstück bin ich dann geklettert. Jacopo ist eher der Morgenmuffel, deswegen ist er meistens abends und in der Nacht geklettert. Wir haben zur Vorbereitung viel an den einzelnen Seillängen probieren müssen. So hatte es schon sein können, dass ich am Morgen 4h in einer Seillänge herum gebouldert bin und das Gleiche hat Jacopo dann am Abend gemacht. Bei dem eigentlichen Versuch das Ganze in einem Stück von unten bis zum Gipfel durch zu klettern läuft das Ganze dann anders ab. Man klettert dann so viele Längen wie möglich an einem Tag (auch in der Sonne). Für die Begehung von Magic Mushroom waren wir 11 Tage in der Wand.

Was macht ihr wenn ihr mal nicht klettert, wie vertreibt ihr euch die Zeit?

Untertags liegt man auf 2m2 im Portaledge, schläft und isst sehr viel und macht sich Gedanken über die Kletterei. Das Ziel ist es alles sturzfrei zu klettern und eine komplett freie Begehung zu schaffen. Alle Griffe und Tritte sind genau einstudiert. Das Leben in der Wand ist sehr simpel, da gibt es nicht viel zu tun außer klettern und die ganze Arbeit die damit verbunden ist. Zum Beispiel 100 Kilo Material durch eine 1000m Wand zu ziehen. Es gestaltet sich vieles komplizierter als im normalen Leben auch wenn es nur um das geht sein morgendliches Geschäftchen zu erledigen 🙂

 

Gibt es etwas auf das du keinesfalls verzichten kannst – das aber eigentlich nicht unbedingt notwendig ist für euer Projekt?

Erdnussbutter, Kaffee.


Wie gut schläfst du im Portaledge?

Wie Zuhause im Bett
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Und was gibt’s zu essen?

Dryfood (Fertiggerichte wo man nur mehr heisses Wasser dazu geben muss) Aber auch Couscous, Eier, Käse, Thunfisch, Oatmeal mit gefriergetrockneten Früchten, Riegel, Erdnussbutter. Leider nichts Frisches – das wäre viel zu schwer und würde schlecht werden, aber das Essen schmeckt trotzdem 100 mal besser wie am Boden.

Gibt es Momente in denen du solche Aktionen hinterfragst? Wie würde so eine Situation aussehen?

Ja, definitiv. Ich hatte am zweiten Tag unserer Begehung von Magic Mushroom eine Gastritis. Da war ich ganz kurz davor abzuseilen. Es ist einfach noch um einiges härter wenn es einem gesundheitlich nicht so gut geht. Oder wenn einem die einzelnen Längen unmöglich vorkommen. Wenn man das Gefühl hat, dass die Route einfach zu schwer ist. Dann kommt man leicht ins zweifeln. Aber sobald man wieder kleine Fortschritte macht ist die Motivation wieder voll da.

 

Und wann wird dir besonders bewusst, dass sich die Mühe jedes Mal doch auszahlt?

Man erlebt unglaublich schöne Momente. Wenn das erste Sonnenlicht am Morgen in die Wand scheint und das gesamte Tal noch in einem grauen Schleier im Schatten liegt. Das sind die Momente die einem immer in Erinnerung bleiben. Und es ist einfach das Abenteuer das es ausmacht. Man weiß im Vorhinein nicht was einen erwartet und die Zeit in der Wand ist schon unglaublich lässig. Da muss man am Schluss auch nicht immer erfolgreich am Gipfel stehen. Es zahlt sich eigentlich immer aus eine Route zu versuchen. Der Prozess und die kleinen Fortschritte sind der motivierendste Teil an der Sache.

 

Worauf freut man sich am Meisten wenn man aus der Route aussteigt und wieder am Erdboden steht?

Auf eine Dusche!! Und frisches Essen.

Babsi in der Route “Unendliche Geschichte” 8b+ 12 Seillängen, Rätikon CH. Foto von Robert Bösch

Im September findet die Kletter-WM [3] in Innsbruck statt. Wann hast du das letzte Mal bei einem Wettkampf teilgenommen?

Letztes Jahr beim Psycobloc in Salt Lake City. Das war ein DeepWaterSolo Contest.

Vermisst du manchmal die Wettkampf-Atmosphäre und dich so direkt mit anderen messen zu können?

Ich war eigentlich nie richtig in der Wettkampfszene unterwegs. Auch früher habe ich nur vereinzelt Wettkämpe mitgemacht. Das hat mir immer getaugt aber das Felsklettern stand bei mir immer schon im Vordergrund und hat mich mehr fasziniert.

Wie empfindest du die Kletterszene in Innsbruck im internationalen Vergleich?

In Innsbruck ist die Dichte an sehr starken Kletterern extrem hoch, da gibt es weltweit wahrscheinlich keinen Vergleich. Ich glaube, die Trainingsatmosphäre in Innsbruck macht das gesamte Team so stark. Erstens sind die Trainingsmöglichkeiten [4], die besten die man sich vorstellen kann und das gesamte Team ist befreundet. Mir kommt es oft so vor als ob eine Gruppe von Freunden gemeinsam unterwegs ist (zum Trainieren, Wettkämpfe und auf Reisen). Auch wenn man nicht Wettkampf-klettert ist es immer leicht einen Kletterpartner in Innsbruck zu finden.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Hier geht’s zum Pt. 1 der Kletterlegenden mit Heinz Zak. [5]

Extra-Tipp:
Von 6. – 16. September findet in Innsbruck die Weltmeisterschaft im Klettern statt!!! Alle Infos inkl. Rahmenprogramm findet ihr hier. [6]

Fotos von Francois Lebeau und Robert Bösch

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