Ob ich die Rugby-Spielregeln kenne? Ich mache erst einmal große Augen. Keinen blassen Schimmer. Während langsam Panik und Zweifel in mir aufsteigen, stehe ich schon mitten am Trainingsfeld. Meine Co-Bloggerin Laura trainiert den Women’s Rugby Club Innsbruck, und ich bin heute mittendrin. Wie viele Spieler spielen pro Mannschaft? Was darf ich und was nicht? Wo muss ich eigentlich hin? Was hat es überhaupt mit diesem seltsamen Ball auf sich? Und auf all diese Fragen bin ich nur wegen einer Crowdfunding-Kampagne gestoßen.

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Die Nische der Nische

Was wir Österreicher im Sommer so machen? Wandern, Biken, Schwimmen, Bier trinken, Grillen, die Ski auf den nächsten Winter vorbereiten. Rugby? Zählt eher nicht zu den Nationalsportarten in den Alpen. Und das Rugby-Team der Frauen? Ich bin schon überrascht, wenn meine Gesprächspartner überhaupt von der Existenz eines solchen Teams in Innsbruck wissen. Im Gegensatz zu Neuseeland, wo der Haka des Rugby Teams schon Kultstatus erreicht hat, wird die Sportart hier zu Lande eher stiefmütterlich behandelt bis ignoriert. Und das, obwohl drei Frauen des Innsbrucker Teams mit im österreichischen Rugby Nationalteam sind und uns damit bei der kommenden EM verteten. Während in Österreichs Gastgärten zurzeit alle Augen auf die Fußball-WM gerichtet sind, darf ich einen Blick hinter die Kulissen des WRC Innsbrucks werfen. Und gleich einmal mitspielen.

 

Das Training

Normalerweise verbringe ich meine Abende im Poledance Playground, hin und wieder im Kletterzentrum Innsbruck. Aber Rugby? Nie wäre ich auf die Idee gekommen, hier mein Glück zu versuchen. Aber eine Anfrage für diesen Blogbeitrag später erklärt mir Laura schon die Grundregeln. Nach hinten passen, mit dem Ball nach vorne laufen, ohne Ball nicht im Abseits herumstehen und schlussendlich den Ball hinter die weiße Linie bringen. “Klingt einfach”, denke ich mir. So ganz blicke ich aber dann in der ersten Trainingsrunde doch nicht durch. Zum Glück habe ich ja Edith, die ist nämlich mein Shadow. Das heißt, sie sagt mir, was ich tun muss, wohin ich laufen und passen muss und was eigentlich gerade passiert, wenn ich nur reichlich verwirrt am Kunstrasen stehe. Knapp zehn Minuten dabei und schon laufe ich mit dem Ball zwischen zwei Händen eingeklemmt über das Spielfeld. Na bravo.

Nach jeder Spielrunde gibt's ein kurzes Feedback. Was war gut? Was gibt es noch zu verbessern? © Monica Nadegger

Nach jeder Spielrunde gibt’s ein kurzes Feedback. Was war gut? Was gibt es noch zu verbessern? © Monica Nadegger

WRC Innsbruck

Das Frauen-Team in Innsbruck gibt es seit mehr als zehn Jahren. Damals hat sich die Mannschaft aus einer Hand voll befreundeter Spielerinnen entwickelt. Dieser freundschaftlich-familiäre Charakter des Teams ist bis heute geblieben. 2007 stößt dann meine Blogger-Kollegin Laura dazu. Aus den Staaten in die Alpenrepublik gekommen, findet sie die Gleichgesinnten über StudiVZ. Facebook? “Gabs damals noch nicht”, lacht sie. Und heute? Trainiert sie nicht nur den WRC Innsbruck, sondern ist auch gemeinsam mit Head Coach Eva Gerstl die Managerin des Nationalteams.

Dem Frauen 7s Nationalteam steht Großes bevor. Die Rugby-EM in der Ukraine steht quasi vor der Tür und die Damen spielen nicht mehr in der Conference Liga, sondern messen sich eine Liga höher in der Rugby Europe 7s Women Trophy gegen Favoriten wie Schweden, Ungarn und Finnland. Edith, Kristin und Anna aus Innsbruck sind neben Spielerinnen aus Wien, Wiener Neustadt, Graz und Linz dabei und fiebern den möglichen Scores entgegen. Wer einen kleinen Überblick über die European Trophy braucht, findet hier kurz und knapp die wichtigsten Infos zu den Teams.

Der Weg zur EM

Hartes Training und Herz bei der Sache allein reichen nicht ganz auf dem Weg zur Rugby-EM. Obwohl die EM an sich  für das Team finanziert ist, muss alles rund um die Turniere selbst bezahlt werden. Je höher das Niveau des Teams wird, desto höher werden die Ausgaben. Mehr Training, mehr Qualifikationspiele in Städten quer durch Europa; das alles kostet Geld, das Rugby Austria nicht mehr vollständig decken kann. Für die Athletinnen ist es also nicht nur eine nervliche, sondern auch eine finanzielle Belastung. Die meisten sind ja nicht hauptberuflich “Rugby-Spielerin”, sondern haben ganz normale 9-to-5-Jobs. Und um die EM-Teilnahme möglich zu machen, musste eine neue Strategie her. Crowdfunding! Mit einer Kampagne werden die Spielerinnen der Rugby Nationalmannschaft unterstützt – wie man das eben in einer großen Familie so macht.

Vor dem ersten Tackle gibt es noch ein Warm-Up, damit die Muskeln und Gelenke auch ganz brav mitmachen. Edith (links) und Kristin (rechts) nutzen das Training für die Vorbereitung auf die Rugby Trophy. © Monica Nadegger

Vor dem ersten Tackle gibt es noch ein Warm-Up, damit die Muskeln und Gelenke auch ganz brav mitmachen. Edith (links) und Kristin (rechts) nutzen das Training für die Vorbereitung auf die Rugby Trophy. © Monica Nadegger

Zum Abschluss des Trainings lerne ich noch einen Grundbestandteil des Rugby: TACKLE! Oder für Rugby-Laien ausgedrückt: wie ich den Gegner zu Boden bringe. Auf Lauras Frage, ob ich das denn versuchen wolle, antworte ich noch selbstbewusst: Natürlich! Als ich dann den restlichen Spielerinnen bei ihren Trainings-Tackles zusehe, wird mir doch etwas mulmig. Das sieht Laura und beruhigt mich gleich wieder. Wir starten mit den drei Grundregeln und nähern uns Schritt für Schritt meinem ersten Tackle. Der war zwar noch ganz unspektakulär mit Vorankündigung und aus dem Stand und nicht mitten im Spiel, aber ein bisschen stolz bin ich trotzdem. Und fühle mich schon am ersten Tag nicht nur als Gast, sondern auch ein bisschen als Teil des Trainings.

Weitere Infos:

 

Ich bedanke mich bei dem ganzen Rugby-Team (Herren und Frauen) für den spannenden und tollen Trainingsabend und drücke die Daumen für die Rugby-EM!