Wer schon einmal am Flughafen Innsbruck gelandet ist, weiß: So eine Landung mitten in den Alpen in direkter Nähe zum Stadtzentrum ist spektakulär. Und bleibt es im Übrigen auch, wenn man den Ausblick öfters sieht. Wo sonst auf der Welt gibt es kurz vorm Touch Down oder nach dem Take Off so viel zu sehen?

Auch Michael Wieser, Chef der Air Traffic Control (ATC) am Turm in Innsbruck, hat in seinem Büro einen Fensterplatz – einen mit 360 Grad Blick. Auch wenn mittlerweile vieles am Bildschirm abläuft, fällt sein Blick immer wieder auf das Flugfeld und die Umgebung. Es ist ein gemütliches Büro, ein Teppichboden schluckt störende Geräusche, die Aussicht phänomenal und der Alltag stets fordernd. Auch wenn eine Arbeitsschicht elf Stunden dauert, für Pausen und Erholung zwischendurch ist gesorgt. 

Aviation-Jargon für Anfänger

Bei unserem Besuch sind die beiden Controller im Dienst gerade zu zweit an den Plätzen. Eine Stelle ist für den durchfliegenden Verkehr zuständig und eine für die Landung. Der zugehörige Luftraum deckt ganz Tirol zwischen dem Hochkönig und Vorarlberg und im Norden und Süden die Zone zwischen den Landesgrenzen ab. Bis auf eine Höhe von 5.500 Metern müssen sich Flugzeuge hier am Turm per Funk melden, wenn sie passieren oder landen wollen. Alles darüber wird vom nahe gelegenen Flughafen München koordiniert.

“Sicher, ordentlich und effizient” so beschreibt Michael ihre Entscheidungen mit deren Hilfe der Flugverkehr pünktlich und sicher verkehrt. An Tagen, an denen besonders viel los ist, haben im Turm bis zu fünf weitere Mitarbeiter Platz. Üblicherweise sind Samstage besonders belebt. Umso mehr an Schönwettertagen im Sommer, da dann auch besonders viele kleine private Flieger in der Luft sind. Zum Flughafen Innsbruck gehört nämlich nicht nur die Süd-Seite, sondern auch der Segelflughafen/Motorflughafen auf der Nordseite. Welcher zusätzlich eine eigene Landebahn im Gras hat. Somit gibt es insgesamt also zwei Landebahnen. Die große verläuft zwischen 260 Grad West und 80 Grad Ost, weswegen man auch von einer Landung auf “twosix” (die Null entfällt in der Kommunikation) oder “zeroeight” spricht. Gelandet wird übrigens in “INN” nach IATA (englisch für “Internationale Luftverkehrs-Vereinigung”), die internationale ICAO-Kennung (“International Civil Aviation Organization”) hingegen heißt “LOWI”. “L” steht dabei für Südeuropa, “O” für Österreich, “W” für Wien (der übergeordnete Flugplatz) und “I” für Innsbruck. Wer beim nächsten Urlaubsflug angeben möchte, sollte nun mit reichlich Fachjargon ausgestattet sein, um jeglichen Sitznachbarn zu beeindrucken.

Insgesamt landen und starten in Innsbruck 40.000 Flugzeuge pro Jahr, rund die Hälfte davon sind kommerzielle Flieger. Sie alle müssen mit den Besonderheiten des Flughafens Innsbrucks vertraut sein. Piloten von Passagierflugzeugen haben sogar eine eigene Ausbildung, welche die Fluglinie vorweisen muss, um ihre Maschinen nach Innsbruck zu schicken.

Blick aufs Landefeld.

Blick aufs Landefeld.

Die Flugdaten werden elektronisch erfasst.

Die Flugdaten werden elektronisch erfasst.

Auf der eigens entwickelte System für das Inntal ist man besonders stolz.

Auf das eigens entwickelte System für das Inntal ist man besonders stolz.

Alles im Blick.

Alles im Blick.

Wetterphänomene Innsbruck: Föhn und Nebel

Zwei Wetterlagen bereiten Piloten unter Umständen Kopfzerbrechen: Föhn und Nebel. Letzterer bildet sich gerne im Herbst und Winter im Inntal und wird dann problematisch, wenn er bis zum Boden hinab reicht. Denn ohne Sicht kann in Innsbruck nicht gelandet werden. Den Nebel in Windeseile vertrieben hat hingegen das zweite Phänomen: der allseits bekannte Föhn. Er bläst aus dem Süden durchs Wipptal mit ordentlichem Antrieb und prallt im Inntal an die Nordkette. Dabei wirbelt die Luft auf und eine ruhige Landung wird zusehends schwieriger. Aus welcher Richtung nun gelandet wird, entscheiden zwar meistens die Piloten je nach Flugzeug, bei Föhn haben die erfahrenen Air Controller aber auch die Möglichkeit für die Piloten zu entscheiden.

Es kracht im Funk, gefolgt von einem Funkspruch. Irgendetwas mit “zerosix“, den Rest kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Aber Michael hat bereits die Antwort parat und der Pilot bestätigt zurück. Eine Sekunde später ist er wieder voll und ganz bei unserem Gespräch, das sich mittlerweile um Schnee dreht. Fasziniert beobachte ich diese ausgeprägte Form des Multitaskings. Jeden Flieger, jeden Heli hat er im Kopf und am Radar. Vorher eben haben sie noch gescherzt, dass man in diesem Job die Arbeit immerhin nicht mit nach Hause nimmt. Aber wie verhält es mit den Angewohnheiten? Michael lacht und nickt. Wer beruflich lernt “so viel wie möglich mit so wenig Worten wie möglich” zu sagen hat es in so mancher Beziehung nicht ganz einfach.

Landen bei Schnee

Und wie sieht es nun mit dem Schnee aus? Immerhin ist Tirol als Winterdestination besonders beliebt. An Tagen mit starkem Schneefall rücken jeweils sechs Trucks gleichzeitig aus auf die Landebahn. Leicht versetzt räumen sie die gesamte Landebahn in nur acht Minuten, bis zu drei Minuten danach können die Flieger landen. Auch hier läuft eben alles effizient, sicher und ordentlich. Da könnte man sich selbst direkt eine Scheibe abschneiden für den eigenen Alltag.

Ashley, Diana, Michael Wieser (Austro Control) und ich.

Ashley, Diana, Michael Wieser (Austro Control) und die Autorin.

 

Lesetipps: Danijel war am österreichischen Nationalfeiertag (26.10.) am Flughafenfest Innsbruck. Jedes Jahr hat man hier die Möglichkeit einen Einblick ins Geschehen zu bekommen, auch wenn ein Besuch im Turm leider nicht möglich ist, gibt es hier allerlei zu entdecken. Mehr Tipps für Fotografen hat Danijel hier: Planespotting in Innsbruck.

 

Alle Fotos: ©Lea Hajner