Wenn Michael Gapp in der Früh mit dem Auto über die Burgenlandstraße am Südring fährt und an der roten Ampel zum Stehen kommt, kurbelt er gerne das Fenster runter. Und das ausgerechnet mitten im Morgenverkehr an einer viel befahrenen Straße! Warum? Weil er dann die Früchte seiner Arbeit nicht nur sehen, sondern auch hören kann. Unzählige Insekten schweben durch die Luft und erfreuen sich an den bunten Blumen, die auf den schmalen Trennflächen der Fahrbahnen wachsen. Dass hier nicht nur Gras wächst, ist unter anderem sein Verdienst… 

Es grünt so grün, dass Innsbruck Verkehrsflächen blühen

Lichtblick im Verkehrsdschungel.

Lichtblick im Verkehrsdschungel. @Lea Hajner

Für für Tram-Fahrer eine Augenweide. Foto @Lea Hajner

Für Tram-Fahrer eine Augenweide. @Lea Hajner

Die Blumenwiesen auf den Grünflächen der Stadt Innsbruck begeistern aber nicht nur Michael Gapp, der als Techniker im städtischen Amt für Grünanlagen für ein Drittel der Flächen Innsbrucks zuständig ist, sondern auch viele andere. 2014 hat die Stadt zum ersten Mal das Experiment gewagt und Blumenwiesen angelegt, wo es bis dato nur langweilige Grünstreifen gab. Anfangs waren es noch einjährige Blumenmischungen, mittlerweile ist man auf mehrjährige umgestiegen.

So viel positives Feedback erhalten wir sonst nie!“, erzählt auch der Leiter des Amtes, Ing. Thomas Klingler. Um Innsbruck Grünflächen instand zu halten, sind übrigens 75 Mitarbeiter im Einsatz, im Sommer kommen noch 45 Saisonarbeiter hinzu. Zu den Grünflächen zählen neben Verkehrsinseln und Streifen auch Parks und Promenaden sowie alle städtischen Schulen und Kindergärten. Der Schlosspark Ambras und der Hofgarten hingegen werden von den österreichischen Bundesgärten gepflegt.

An der Kreuzung Reichenauerstr. Ecke Andecksstraße blühts! Foto @Lea Hajner

An der Kreuzung Reichenauerstraße/Andecksstraße blüht’s! @Lea Hajner

Blumenwiesen sind Arbeit

Eine solche Blumenwiese ist zwar weniger kostenintensiv als so manche Blumeninsel, sie wächst aber auch nicht alleine zur perfekten Blumenwiese heran. Zuerst wird, wo notwendig, der Boden ausgetauscht, dabei vertraut man auf die bewährte Mischung: ein Drittel Sand, ein Drittel Kompost und ein Drittel magere Erde. Dann kommen die Samen in den Boden. Diese müssen über mehrere Wochen hinweg zwei bis drei Mal gewässert werden. Die mehrjährigen Blumenwiesen werden Anfang April bereits gesetzt, die einjährigen Blumen kommen dann Ende April dazu.

Glyphosatfrei!

Da man seit 2016 in ganz Innsbruck auf Glyphosat bei der Unkrautbekämpfung verzichtet, müssen Beikräuter, die in den Blumenwiesen andere Pflanzen verdrängen würden, mechanisch entfernt werden. Dazu braucht es ausgebildete Gärtner, die noch vor der Blüte die einzelnen Pflanzen auseinanderhalten können. Erst letztens gab es eine Beschwerde, dass auf einem Streifen nur Unkraut wachse. Das erwies sich aber als falsch: Die Blumen blühten lediglich noch nicht… Das Problem löste sich also von selbst mit der Zeit.

Li: Tram Station Lohbachsiedlung Ost, Re: in der Reichenau öffnen sich bald die Sonnenblumen. Foto @Lea Hajner

Li: Tram Station Lohbachsiedlung Ost / Re: In der Reichenau öffnen sich bald die Sonnenblumen. @Lea Hajner

Marienkäfer zur Hilfe!

Auch in Sachen Schädlingsbekämpfung hat man in Innsbruck seine eigenen Wege gefunden: In der Zentrale in der Reichenau werden zum Beispiel Getreideblattläuse gezüchtet. Sie dienen als Futter für Nützlinge, die wiederum ihren eigenen Arbeitsplatz auf bestimmten Pflanzen haben. So leisten beispielsweise auch Marienkäfer ihren Anteil an Innsbrucks schöner Blumenpracht! Oder auch die Schlupfwespe, die als natürlicher Fressfeind gegen weißen Fliegenbefall kämpft. Außerdem arbeitet man mit aktiven Mikroorganismen – für alle Hobbygärtner ein sicherlich nicht unbekannter Begriff. Mit den Milchsäurebakterien wird das Bodenleben optimiert und man sorgt für besonders starke Pflanzen.

Der Verkehr selbst ist den Pflanzen übrigens egal, essbare Wildkräuter sollte man natürlich trotzdem nicht vom Straßenrand holen – auch wenn zum Beispiel der Wiesensalbei in der Reichenauerstraße prächtig gedeiht. Einzig ein Wachstumslimit gibt es: Höher als 70 Zentimeter dürfen die Blumenwiesen nicht werden, um nicht die Sicht auf den Verkehr zu behindern.

Auch mitten in der Stadt in der Kaiserjägerstraße wird eifrig gesummt.

Auch mitten in der Stadt in der Kaiserjägerstraße wird eifrig gesummt. @Lea Hajner

Auch Radfahrer dürfen sich hier wie am Land fühlen. Foto @Lea Hajner

Auch Radfahrer dürfen sich hier wie am Land fühlen. @Lea Hajner

Wo findet man Innsbrucks Blumenwiesen?

Zum Beispiel hier:

  • Auf der Burgenlandstraße (Südtirol) zwischen Tivoli und DEZ
  • Ecke Reichenauerstraße/Andechsstraße
  • Kaiserjägerstraße (Nähe Polizeidirektion)
  • Kranebitter Allee (entlang der Nordseite des Flughafens)

Sind euch die Blumenwiesen in Innsbruck schon einmal aufgefallen? Habt ihr eine städtische Lieblingsblumenwiese? Dann lasst es uns in den Kommentaren wissen, wir sind gespannt!