Eigentlich ist Franz Eller ein gelernter Volksschullehrer der schließlich zum Direktor seiner Schule in Dreiheiligen bestellt wurde. Mit seinen 87 Jahren ist der gebürtige Höttinger logischerweise schon längst in der Rente. Soweit so gut. Hier soll aber von einem ganz außergewöhnlichen Menschen die Rede sein, dessen Gesundheit bestens, die Lebensfreude unbändig und die Kreativität ansteckend ist. Ein Mann, der in seinem ganzen Leben mit seinen Talenten tatsächlich gewuchert hat und darob ‘jung’ geblieben ist. Und der stets mit den ‘Innsbrucker Parodistln’ identifiziert werden wird. Eine Musikgruppe, wie es sie in Tirol weder vorher noch nachher gegeben hat. Ich will hier nicht nur von den Parodistln sondern auch von zwei Talenten des Franz Eller erzählen.

Das eine Talent führte ihn in die luftigen Höhen großer Bekanntheit: seine Musikalität. Sie war für ihn quasi das Sprungbrett zur ersten Karriere, wenn man von seiner Lehrertätigkeit einmal absieht. Franz Eller ist nämlich der letzte Überlebende der legendären ‚Innsbrucker Parodistln‘. Aber das war’s beileibe noch nicht. Seit rund 20 Jahren lebt er sein zweites Talent aus und widmet sich einer anderen künstlerischen Betätigung, in der er es ebenfalls zu einer ungeahnten Meisterschaft gebracht hat.

Die ‘Parodistln’ – eine Tiroler Legende

Älteren Innsbruckern zaubert allein schon die Nennung des Wortes ‚Parodistln‘ ein Lächeln ins Gesicht. Wolfram Kranl, Paul Platzgummer und eben Franz Eller waren die drei Protagonisten eines musikalischen Trios, dessen Bekanntheitgrad und vor allem deren anhaltende Beliebtheit in Tirol immer noch unübertroffen sind. Die drei lösten vor 60 Jahren einen ersten musikalischen ‚Hype‘ aus, wie man heute zu sagen pflegt. Die Innsbrucker Parodistln mit anderen Musikgruppen zu vergleichen fällt außerordentlich schwer. Eine frühe ‚Boygroup‘ in der Krachledernen? Für mich waren sie begnadete Kabarettisten,  zumindest aber exzellente Komödianten. Ihr Strickmuster: sie unterlegten lustige, aber immer auch ätzende Texte mit bekannten Schlagern und Gassenhauern. Diesem Rezept blieben die drei mehr als 30 Jahre treu. Und machten ihrem Namen alle Ehre. Sie wollten ja Parodien vortragen, die mit (stacheligen) Disteln umrankt waren.

Innsbrucker Parodistln

Die Parodistln, wie sie auf einer Plattenhülle posieren. Rechts Franz Eller mit seinem Contrabass, in der Mitte der geniale Wolfram Kranl und daneben Paul Platzgummer an der Gitarre. Repro: Werner Kräutler

Die erste Karriere des Franz Eller

Begonnen hatte alles in einem Proberaum, der sich damals im Innsbrucker Landhaus befand. Dort probte Franz Eller vor nunmehr 60 Jahren mit seinen Kollegen vom Vogelweiderchor. Den hat er übrigens mitbegründet. Zufällig war damals ein Tonmeister von Studio Tirol im Haus. Der hörte, wie Franz mit zwei Sängerkollegen musikalisch blödelte und schlug ihnen spontan vor, doch einmal eine Aufnahme für Radio Tirol zu machen. Franz Eller war zwar ein guter Sänger, beherrschte aber kein einziges Instrument. Was tun? Er wollte unbedingt der Dritte im Bunde sein. Also lernte Eller im Schnellverfahren, wie man die Bassgeige zupft, weil ein Kontrabass für das Trio gebraucht wurde. Aber da passte noch nicht alles. „Mein Instrument musste zuerst einmal für mich abgeändert werden“, erzählt Franz Eller. „Ich wurde müde davon, über die Seiten hinweg zu greifen, das Handgelenk tat mir dann weh. Also musste jemand einen neuen, geraden Steg beschaffen, da ich eh nie zum Bogen greifen würde. Sie haben also jenes Holzstück, über das die Saiten gespannt sind ausgebaut und dessen Rundung abgesägt.“ Jetzt konnte er den Bass mühelos zupfen.

Der sagenhafte Aufstiegs der Innsbrucker Parodistln begann dan an einem lauen Maienabend. Eigentlich war es der 30. April 1958 bei einem Maifest im alten Innsbrucker Stadtsaal. Erster Auftritt der Gruppe. Und Franz beherrschte lediglich zwei Tonarten! Die Parodistln trugen ihr gesamtes damaliges Repertoire vor, das aus drei Liedern bestand. “Wir waren dann schon baff, dass die Leute dann sieben Minuten lang geklatscht haben” meint er heute lachend.

Eine Rarität: die Plattenhülle einer der vielen Langspielplatten, die die Innsbrucker Parodilstn aufgenommen haben und die noch in digitaler Version zu hören ist

Eine Rarität: die Plattenhülle einer der vielen Langspielplatten, die die Innsbrucker Parodilstn aufgenommen haben und die noch in digitaler Version zu hören ist: “Olympia Knödeln mit Salat und unsren Senf dabei”. Man beachte die ‘Werbung’ für drei Skimarken auf den Helmen. Etwas, was damals bei Olympia streng verboten war und von den Parodistln deshalb auf’s Korn genommen wurde. Repro: Werner Kräutler

Es waren die Texte und auch ihre zahlreichen Auftritte in Radio Tirol, die die Parodistln unsterblich gemacht haben. Die Texte stammten teilweise von einem vierten, ‘unsichtbaren’ Parodistl, nämlich von Herbert Unterwurzacher. Aber das Texten gehörte bei den drei Lehrern auch zu den geselligen Veranstaltungen. “Da stand Rotwein am Tisch, wir begannen locker zu blödeln und nach einer halben Stunde dann mit dem Texten. Das hat hingehauen”, lacht Eller. Und dabei sind Lieder entstanden, die heute noch höchst aktuell sind, wie die zwei folgenden Beispiele eindrucksvoll belegen. Zuerst “Die Organfabrik”, ein geradezu prophetisches Lied:

Oder der ‘Skikurs für eine Lady aus Tennessee’, eine geniale Parodie auf die Tiroler Skilehrer:

Wieviel Schallplatten sie nun genau aufgenommen hatten, weiß Franz Eller gar nicht mehr. Die noch im Umlauf befindlichen Platten gehören zu den viel gesuchten Raritäten. Sie sind – wenn überhaupt – nur noch antiquarisch erhältlich. Eine Hochrechnung der Zahl der LPs ist dennoch möglich. Denn Franz Eller weiß ziemlich genau, wie viele Lieder sie im Repertoire hatten: 400! Was die Schallplatten anlangt, da machten andere den großen Reibach. “Wir erhielten 1.000 Schilling und 10 Schallplatten die wir verkaufen konnten. Das war’s dann aber.”

So bleibt in unseren digitalen Zeiten nur der Blick in Youtube, in dem sich doch einige der damaligen Ohrwürmer der Parodistln finden lassen. In welcher Liga sie damals tatsächlich werkten belegt ein anderer Umstand. Denn zu ihrer Glanzzeit zwischen 1962 und 1965 vertraten sie im Sommer einen ganzen Monat lang die ebenfalls berühmten Wiener ‘Spitzbuben’ in deren Lokal in Nussdorf. Und hatten dort sensationellen Erfolg. Für Franz Eller war das überhaupt keine Überraschung. Denn: “Wer in Tirol Erfolg hat, ist in ganz Österreich erfolgreich.”

Die zweite Karriere des Franz Eller

Nach dem Tod von Wolfgang Kranl im Jahre 1994 zerfiel die Gruppe. Und dennoch versank Franz Eller nicht etwa in Langeweile. Einerseits spielt er noch heute bisweilen in Volksmusikgruppen. Andererseits suchte und fand er neue Betätigungsfelder. Er brauchte nur ein anderes Talent aufzufrischen, das er schon in frühen Jugendjahren sehr gepflegt hatte. Franz begann wieder zu malen. Nicht Aquarell, wie er es gelernt hatte. Nein, er widmet sich seither der Bemalung von Ostereiern und Spanschachteln.

Ein Querschitt durch das Schaffen des 87jährigen Franz Eller. Man muss bedenken, dass er noch ohne Brille arbeitet und eine unglaublich ruhige Hand hat um solche kleinen Kunstwerke zu erstellen

Ein Querschitt durch das Schaffen des 87jährigen Franz Eller. Man muss bedenken, dass er noch ohne Brille arbeitet und eine unglaublich ruhige Hand hat um solche kleinen Kunstwerke zu erstellen. ©W. Kräutler

Franz Eller Osterei

Ein in Kurrentschrift gemaltes Ei. Man muss bedenken, dass die Buchstaben kaum 2 mm groß sind. Einmal zittern und das Ei ist futsch. ©W. Kräutler

Und wieder begann es unspektakulär. 1998 gründete Eller gemeinsam mit anderen künstlerisch begabten Menschen in Innsbruck eine Malgruppe. Dabei kam er mit einer Maltechnik in Berührung, die er heute wie kaum ein anderer in Tirol beherrscht: er erlernte die Bemalung von Ostereiern. Das hatte er damals zwar noch nie gemacht aber er war überzeugt: “Das kann ich auch.”

Franz Eller. ©W. Kräutler

Inzwischen bemalt er die Eier nicht nur, er beschreibt sie auch in verschiedenen Schrifttypen. Auch die hat er sich noch im hohen Alter angeeignet. Das ist noch nicht alles. Mit einigen gebrauchten Zahnarztbohrern begann er, kunstvoll gestaltete Ornamente in die Eier zu bohren. Wobei gesagt werden muss: es sind keine echten Eier, die er bemalt und bearbeitet sondern solche aus Plastik. Die er aber so bearbeitet, dass man überzeugt ist, ein echtes Ei in der Hand zu halten.

Und erst kürzlich hat er sein künstlerisches Repertoire nocheinmal erweitert. Seit geraumer Zeit widmet er sich zusätzlich der Bemalung von Spanschachteln. Was ist das, werden Sie sich fragen. Mit der nur noch von zwei Malern in Bayern praktizierten Technik werden Rundschachteln, die alten Hutschachteln ähneln, bemalt. Sie sind kunstvoll aus dünnem Spanholz gefertigt und haben einen Deckel. Er hatte es in einer Illustrierten gesehen, das Foto ausgeschitten und einfach abgemalt. Und wieder hat er sich gesagt: “Das kann ich auch”.

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