Jahrhundertelang waren sie Fixpunkte in der Stadt, als kleine Handwerksbetriebe und Ladengeschäfte Innsbruck belebten. Damals, als Schlosser und Seiler noch ganze Straßenzüge dominierten. Als unter den Lauben gehandelt und gefeilscht wurde und als es in den Schildwirtshäusern hoch hergegangen ist. Es war eine Zeit, in der in Innsbruck selbst ein Kaiser ein Lokalverbot ausfassen konnte.

Ihr werdet euch fragen was mit mir los ist. Nein, ich will nicht ins Mittelalter zurück. Dennoch erschrecke ich beim Gedanken, dass die aller letzten, heute noch in der Innen- und Altstadt bestehenden kleinen Geschäfte der ‚Geiz-ist-geil-Mentalität’ und dem Online-Bestellwahn zum Opfer fallen.

Wer mich und meine Blogs kennt weiß, dass ich ein fanatischer Anhänger lokaler Produkte und lokaler Produktion bin. Ich liebe die kleinen Läden gerade dann, wenn sie aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen. Deren Angebote machen für mich das aus, was ich eben auch unter Identität verstehe. Herausragend ist in allen Fällen das Verkaufspersonal in diesen Geschäften, das selbst ausgefallene Fragen beantworten kann.

Zu allem Überfluss spielt jetzt auch noch Corona in die Karten der multinationalen Konzerne. Die Online-Giganten machen Profite in Größenordnungen, wie das bislang völlig unvorstellbar war. Denen scheint es völlig egal zu sein, dass ihre Produkte bisweilen aus dem hintersten Winkel unseres Planeten stammen. Und dort hergestellt werden, wo weder Gesetze noch Menschenrechte gelten. Und genau diese Billigstwaren bringen unsere kleinen Ladengeschäfte um.

Wir dürfen uns einen Kahlschlag nicht gefallen lassen

Guter Rat ist nicht teuer. Wir alle können etwas tun, unsere Stadtzentren vor diesem letzten Kahlschlag zu bewahren. Anstatt immer mehr im anonymen Internet zu bestellen, sollten wir uns ganz einfach in der Stadt umsehen. Was wird da alles angeboten? Mehr als wir glauben. Plus: In den kleinen und feinen Läden wird noch ganz persönliche Beratung geboten.

Mir ist es ein Anliegen, fünf alteingesessene Geschäfte im Innsbrucker Innenstadtbereich stellvertretend für die Klein- und Kleinstgeschäfte in unserer Stadt vorzustellen. Sie prägen das Bild Innsbrucks gottseidank noch maßgeblich mit. Auch wer noch nicht bei ihnen eingekauft hat, kennt die Schaufenster mit größter Sicherheit zumindest ‚aus dem Augenwinkel’. Für mich sind es die fünf Schätze der Innenstadt.

Stastny-Bürsten im Goldenen DachlStastny Bürsten, Kämme

In einem der kleinsten und schönsten Geschäftslokale Innsbrucks arbeitet seit 135 Jahren auf 20 m2 dieses wahrhaft alteingesessene Innsbrucker Unternehmen. Der 3. Laubenbogen westlich des Goldenen Dachl ist ursprünglich der Verkaufsstand einer Bürstenmacherei in der Badgasse.

1899 wurde die Produktion vom Urgroßvater der heutigen Chefin Sabine Stastny ebenso übernommen wie der kleine Verkaufsstand vor dem Gebäude des Goldenen Dachl. ‚Stastny-Bürsten‘ waren immer schon ein Innsbrucker Markenprodukt. Wenngleich die Eigenproduktion aufgegeben werden musste, stammen die jetzt angebotenen Waren ausschließlich aus Europa. Kleider-, Schuh- oder Teppichbürsten ergänzen das vielfältige Angebot naturbelassener Haarbürsten. Hier regiert neben der Schweineborste auf Bürsten noch das Dachshaar auf den feinen Rasierpinseln. Plastik sucht man vergebens. Eine Geschäftspolitik, die ich als zukunftsorientiert bezeichnen möchte. Deshalb sind es neben den Stammkunden vor allem junge Menschen, die hier einkaufen.

Wunderschön auch die Hornartikel, die Stastny beinahe schon exklusiv anbietet. Und logo, auch diese Erzeugnisse stammen aus Österreich, konkret aus einer Wiener Manufaktur.

Meine Bewertung: Das Geschäft gehört zu den kleinen Juwelen seiner Art. Neben Kämmen und Bürsten werden auch Produkte für die Körperpflege, Maniküre und Hornartikel angeboten.

Mein Einkaufstipp für Ostern: Ein echter griechischer Schwamm oder ein exquisiter Rasierpinsel? Ebenfalls hier erhältlich: der legendäre Männerduft ‚Alt-Innsbruck‘. Auch ein Schuhlöffel aus Horn und Österreichischer Produktion ist eine gute Geschenkidee.

Die Adresse: Stastny-Bürsten, Herzog-Friedrich-Straße 15 6020 Innsbruck

Telefon: +43 676 88365110; office@stastny-buersten.at

Die Website: Onlinekauf ist bei Stastny auch möglich, dafür sorgt der jüngste Spross der Bürstendynastie www.stastny-buersten.at

Malen und Basteln Mangott am Innrain

Mangott Basteln und Malen

Von meinem ersten Besuch an stand ich hier vor einem Rätsel. Wie, fragte ich mich, können hunderte, ja tausende verschiedene Produkte verwaltet werden? Wie kann man hier die Übersicht bewahren? Es ist genau das, was ich persönlich am ‚Mangott‘ so schätze: Die Vielfalt der Auswahl an Aquarellfarben und dem dazugehörigen Papier.

Das Geschäft wurde vor rund 120 Jahren als Malereigeschäft gegründet. 1983 übernahm es Hans Mangott und baute das Angebot sukzessive in Richtung Spezialgeschäft für Bastler und Künstler um. Um ehrlich zu sein: Ich kann es bis heute nicht verstehen, wie geschätzte 20.000 (!) verschiedene Produkte verwaltet werden können. Vom Bastel- und Künstlerbedarf über Farben, Pinsel, Schmuckdesign und -papier bis hin zum Modellbau reicht die Palette. Das ist noch nicht alles. Denn das Angebot unterscheidet sich je nach Saison. Ostern, Muttertag, Allerheiligen, Weihnachten verlangen nach unterschiedlichen Produkten. Deshalb, so Seniorchef Hans Mangold, hat man Platz für ein Lager angemietet.

Vier Familienmitglieder und zwei Angestellte ‚schmeißen‘ das Geschäft. Zwei Dinge faszinieren mich: Suchen ist bei Mangott nicht nötig. Da wird man als fragender Kunde mit sicherem Schritt zügig zu jenem Produkt geführt, das man zu kaufen wünscht. Auch wenn’s nur ein paar Zentimeter groß ist. Zweitens, und für mich genauso wichtig: Die Tochter des Hauses, Barbara Mangott, hat sich entschlossen, ihrem Vater als Chefin nachzufolgen. Damit ist auch die Zukunft des Geschäftes gesichert.

Meine Bewertung: Ich kenne kein anderes Geschäft, wo ich eine derart große Auswahl an Künstlerfarben und Papier finde. Wär ich ein Bastler, würde sicher dasselbe gelten.

Mein Einkaufstipp für Ostern: Hier Geschenke zu finden ist eine leichte Übung. Auch Osterdekorationen sind in großer Auswahl vorhanden.

Die Adresse: Innrain 26,  6020 Innsbruck

Telefon: +43 512 56 38 17; info@mangott.at

Die Website: www.mangott.at Teile des Angebotes sind bereits online erhältlich: www.mangott.at/shop

Moden Schneider in der Museumstraße

Jahrelang kannte ich dieses Geschäft nur ‚aus den Augenwinkeln‘. Sprich: Ich war mir bewusst, dass es in der Museumstraße ein Geschäft gab, das mir durch sein blaues Firmenschild und die seltene, altbackene und deshalb schon wieder moderne Schrift aufgefallen war. Als ich meiner Neigung zu Lodenkleidung und Leinenhemden vollends nachgab, lernte ich Moden Schneider von innen kennen. Alle, die je einen Hirschhornknopf verloren haben, wissen, weshalb ich mich glücklich schätze, dass es Moden Schneider gibt.

Für mich war es eine Zeitreise, als ich das Fachgeschäft an der Ecke Museumstraße-Erlerstraße erstmals betrat. Der Blick fällt sofort auf eine Regalwand, auf der tausende verschiedene Knopfarten ‚angebracht‘ sind. Weit über 10.000 Exemplare sind da auf Lager, wie ich später erfuhr. Regale, Fächer und Schubladen dominieren dieses Geschäft, das den wundersamen Charme, aber auch die akkurate Ordnung der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts versprüht.

Moden SCHNEIDER

Chefin und Mitarbeiterinnen vor dem Universum ihrer Knöpfe

Mode wird per Firmenschriftzug angekündigt, aber ein Laie wie ich sieht vor allem die Knöpfe. Sicher, da gibt’s dann noch Nähseide in allen Farben, Strümpfe, Blusen und Pyjamas. Der Großvater der heutigen Chefin Verena Forster hatte das Geschäft in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründet. Das Geschäft hatte zu Spitzenzeiten 16 Mitarbeiterinnen. Damals gab’s noch Schneider, die alle benötigten Zutaten hier bestellten und kauften. Das ist heute vorbei. Frau Verena führt es seit 1989.

Leben, sagt sie, kann sie vom Geschäft mehr schlecht als recht. Sie führt es aus Leidenschaft, wie sie sagt. Nach ihr wird’s aus sein. Schade, wenn man bedenkt, welches Know-how, aber auch welche Individualität verloren geht.

Zwei ihrer drei Mitarbeiterinnen bringen es auf sagenhafte 100 Jahre Mitarbeit (!) im Unternehmen. Eine junge Schneidermeisterin deckt die fachlichen Fragen ab. Und die kommen zuhauf. Denn die Menschen bestellen im Internet und erkundigen sich dann in Fachgeschäften über die Details. Sie würde jedenfalls niemand raten, das Geschäft weiterzuführen, sagt die Chefin. Eine Stunde erklären und dann eine Nähseide verkaufen rentiert sich nicht.

Ich werde das Geschäft vermissen, das ist sicher. Neben den originalen Hirschhornknöpfen gibt’s hier auch Kniestrümpfe, Hosenträger und sonst noch allerhand Sachen, die einem älteren Herrn wie mir Freude machen.

Meine Bewertung: Ein Geschäft, das eigentlich bereits ein ‚lebendes Museum’ ist. Wer Blusen, Pullover, Nachtwäsche, Strümpfe, Socken oder Strumpfhosen benötigt, ist hier an der richtigen Stelle. Und was Knöpfe in allen Schattierungen, Farben, Größen und Formen anlangt: Da ist Moden Schneider quasi Weltmeister.

Mein Einkaufstipp für Ostern: Palmbänder. Zudem gibt’s hier das, was man sonst – wenn überhaupt – nur nach langem Suchen im Internet findet. Nähseide, Hosenträger, lange Socken zum Beispiel.

Die Adresse: Museumsstraße 10, 6020 Innsbruck

Telefon: +43 512 / 58 73 69

Hutmanufaktur und Hutspezialgeschäft Held am Franziskanerplatz

Held Hutgeschäft

Als Hutträger drücke ich bisweilen an einem Schaufenster der Stadt meine Nase platt: Hut Held heißt die Firma, die nicht nur feinste Herrenhüte feil bietet. Man muss sich das einmal vorstellen: Seit 1892 besteht am Franziskanerplatz durchgehend eine Hutmanufaktur. In diesen 129 Jahren ist der Hut zuerst groß in Mode gekommen, um dann nahezu gänzlich aus derselben zu kippen.

Lorenz Held ist der Urgroßenkel des Firmengründers und heute Patron des Unternehmens. Der studierte Wirtschaftswissenschafter hat das Geschäft von seinem Vater übernommen. Bei dem ist er auch quasi in die Lehre gegangen. Aber eine Lehre gibt’s für Hutmacher nicht, es ist ein freies Gewerbe. Und da die normalen Herrenhüte quasi aus der Rolle gefallen sind hat er sich mit seinen  fünf Mitarbeitern auf die Erzeugung hochqualitativer Trachtenhüte konzentriert. Bei der Anzahl von Trachtenvereinen in Nord- und Südtirol kann man da schon sein Auskommen finden, sagt er. Immerhin umfasst seine Kundenkartei über 500 Vereine. Respekt.

Was ich an diesem Geschäft so schätze ist das Interieur. Gepflegt, mit einem Hauch kultureller, äußerst liebenswürdiger Patina. Und was mich immer fasziniert, ist das an der Wand hängende, vermutlich aus der Jugendstilzeit stammende Schild ‚Modesalon‘.

Meine Bewertung: Wer Hüte, Schirme, Stöcke oder Patschen benötigt, ist bei Held ganz sicher an der richtigen Adresse. Schals und Accessoires runden das Angebot ab.

Mein Einkaufstipp für Ostern: Die große Auswahl an Kinder-Kopfbedeckungen könnte dazu verleiten, das Osternest heuer mit einer schönen und gleichermaßen wärmenden Kappe zu verzieren.

Die Adresse: Held, Burggraben 25 – 27, A-6020 Innsbruck

Telefon: +43 (0) 512 / 58 63 27; info@held-innsbruck.at

Die Website: www.held-innsbruck.at

Seit 244 Jahren Walde Seifen und Kerzen

Walde Kerzen, Lebzelten

Seit unglaublichen 244 Jahren erzeugt ein Unternehmen in Innsbruck Kerzen und Seifen. Diese Erfolgsgeschichte über einen bereits historischen Zeitraum hinweg trägt den Namen Walde.

Günstiger könnte ein Kerzengeschäft in Innsbruck gar nicht liegen als in der Pfarrgasse beim Dom zu St. Jakob. Begonnen hatten das Brüderpaar Walde mit der Seifenerzeugung allerdings in St. Nikolaus. Seit langem stellt Walde auch Wachskerzen her, deren Großabnehmer vor allem Pfarreien waren und immer noch sind. Die Kerzen für religiöse Anlässe wie Erstkommunion und Taufen können quasi um’s Eck besorgt werden. Allein schon die Geschäftsbezeichnung ‚Tiroler Wachszieher und Lebzelter‘ verweist auf die lange Tradition des Hauses.

Wer sich die Frage stellt, weshalb Lebzelter ins Spiel kommen, wenn von Wachsziehen und Kerzen die Rede ist: Als die Waldes neben ihrer Seifenproduktion mit der Herstellung von Kerzen begonnen hatten, verfügten sie sogar noch über eigene Bienenstöcke. Das Wachs wurde zu Kerzen, der Honig zu Lebkuchen.

Ich bin hier Seifen-Stammkunde. Die Lavendelseife gehört für mich zum Allerbesten, was es auf diesem Gebiet in Innsbruck zu kaufen gibt. Die Pflegeserie ‚Tiroler Reine‘ feiert diese Regionalität mit großartigen Düften. Duftnoten wie Almrose, Holunder, Gletschermilch oder Vergissmeinnicht belegen das.

Meine Bewertung: Mit der Produktlinie ‚Tiroler Reine‘ ist Walde vor Jahren schon ein großer Wurf gelungen. Sie eignet sich hervorragend als Geschenk.

Mein Einkaufstipp für Ostern: Wachsartikel gibt es im Verkaufsgeschäft in der Altstadt in Hülle und Fülle. Vom Wachs-Osterei bis zur Osterkerze.

Die Adresse: Pfarrgasse 5, 6020 Innsbruck; Das Hauptgeschäft befindet sich am Stammhaus in St. Nikolaus in der  Innstraße 23.

Telefon: +43 (0) 512 580075; office@walde.at

Die WebSite: www.walde.at

Alle Bilder: © Werner Kräutler