Liebe Leser – neulich musste ich in einer bekannten österreichischen Tageszeitung lesen, dass bei den Jugendlichen in Innsbruck ein Wandel der Aussprache stattfindet – statt “isch” sagt man in der Hipsteria nun “is”. Quo vadis, Dialekt? Ob das an der deutschen Studentenzuwanderung liegt? Oder am sprachlich aufgeklärteren Intellekt der neuen Generation? Beides mag und darf man bezweifeln. Ganz im Gegenteil: der Wandel der Sprache macht die Sprache aus.

Weil Banane bei uns immer noch Bananacccchhhh heißt (hoaßt).

…Immer häufiger würden Jugendliche in Tirols Landeshauptstadt sprachliche Formen des Standarddeutschen verwenden, ältere Varianten der Artikulation würden bei den Jungen beginnen, in Vergessenheit zu geraten… Was für Sprachwissenschaftler ein Thema für Dissertationen ist, ist für mich – werte Leser – ein Thema der Dokumentation, der Hortung und der Erinnerung. Ergo – in memoriam “isch” ein paar Innsbrucker Leckerbissen…

Es isch ietz amol a so. Oder aber: Es isch wias isch.  – Didi Constantini (für alle nicht Innsbrucker, Tiroler, Fussballbegeisterte und Deutschen Zuwanderer) war der Nationaltrainer der Österreichischen Fussballnationalmannschaft VOR deren erfolgreicher Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich. Und das “davor Trainer sein gewesen und war einmal” liegt vermutlich (eigener Rückschluss) auch an dieser Aussage auf die Frage, wieso die Österreicher beim Fussball immer verlieren… Dieser offizielle Auspruch zur generellen Hilflosigkeit und semi-kaschierten Unwissens unseres Didi Constaninis hat sich definitiv zu einer Standard-Phrase in Innsbruck gemausert – und ist für alles anwendbar, auf das ihr entweder keine Antwort wisst oder geben wollt.

zach, alleinstehen. Oder: Ma isch des zach! als Ausruf. – keinesfalls, liebe Leser, bezieht sich das Wort “zach” in seiner Bedeutung als Dialektwort für “fruchtbar” auf unsere Innsbrucker Ex-Bürgermeisterin Hilde Zach, die vor ein paar Jahren verstorben ist. Und federführend für einige architektonische Erneuerungen im Stadtraum verantwortlich war. Aber das ist eine andere Geschichte. Grundsätzlich ist es nämlich so, dass “zach” so ausgesprochen wird: zaaaaaaaach. Und Hilde Zach so: Hilde Zach!

Oh Mann, is des zach. Was? So zach…

Des werd scho no i sog’n, Feststellung. Oder: No a Wort und es tuscht, Antwort. – nun ist es ja so, dass wir in meinem letzten Beitrag zum Innsbrucker Dialekt schon unter dem Strich feststellen mussten, dass liebevolles Geplänkel unter Tirolern bei einem Fass Tiroler Bräu für Nicht-Wisser und Hoch- sowie Standard-Deutschsprechende wie Auseinandersetzungen klingen (können). Dementsprechend sind folgende Aussagen zu verstehen. Des werd scho no i sog’n heißt soviel wie: Hey! Du untergräbst mein nichtvorhandenes Wissen und meine Integrität, aber ich bin Tiroler/Innsbrucker und lass mir von dir Grünschnabel sicher nichts sagen, weil da geht es ums Prinzip. Worauf der Sparringpartner antwortet: No a Wort und es tuscht – was wiederum heißt: Ich bin kein Grünschnabel, sondern auch Tiroler/Innsbrucker und ich will es aber nicht ausdiskutieren, weil ich tatsächlich keine Ahnung habe. 

No words needed.

I vergiss mi, Ausruf. – der (krönende) Abschluss meines kleinen Beitrags im Sinne der Aufzeichnung von Innsbrucker Sprachguts (für kommende Generation) beschäftig sich mit der Drohung sein normales, beherrschtes, zivilisiertes Verhalten ablegt (vergisst) – also die Beherrschung verliert, umgangssprachlich ausrastet. In diesem Fall hat es natürlich nichts mit einer liebevollen Plänkelei unter Innsbruckern bei einem Fass Tiroler Bier zu tun, sondern um eine ernstgemeinte Warnung. Wenn Derjenige allerdings vor Ausspruch dieses besagte Bierfass alleine getrunken hat, kann man getrost davon ausgehen, dass betreffende Person umkugelt (fyi: Dialekt für “umfallen”) bevor es zu Personen- und Sachschaden kommt.

In diesem Sinne.

Pfiat enkchchcchchchchcchch Gott und Aufwiedersehen.