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Designerbrillen ‚Made in Innsbruck‘

Unsere Altstadt ist eine einzige Sehenswürdigkeit. Die Wenigsten wissen, dass dort, wo heute die Touristen flanieren, Kaffee trinken und Kuchen essen, einst Scharen von Handwerkern in ihren Werkstätten arbeiteten. Zwei Straßennamen, die Seiler- und Schlossergasse, erinnern noch an die einstige Blüte des Handwerks in den Lauben und Gassen unseres Stadtzentrums. Gastronomie, Handel und Dienstleistung haben das Handwerk inzwischen ersetzt. Ein junger Unternehmer hat indes den Mut, die Handwerkstradition der Altstadt wieder zu beleben. Sein Name: Alexander Gartner.

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Die Lauben waren im Mittelalter überdachte Märkte und Zugang zu den Werkstätten der Händler und Handwerker. ©W. Kräutler

High-Tech in der Riesengasse

Viele von uns kennen das alteingesessene Optiker-Geschäft ‚Renate Hopffer‘ in der Riesengasse [2]. Es ist ja kaum zu übersehen. Die Sgraffito-Malereien an der Fassade künden in einer formidablen ‚Vintage-Schrift’ von einem Brillenmacher. Kaum jemand vermutet jedoch hinter der Fassade des mittelalterlichen Hauses mit seiner 50er-Jahre-Schrift einen Handwerksbetrieb, dessen Maschinenpark auch aus computergesteuerten High-Tech-Maschinen besteht.

Brillenmacher, Riesengasse

High-Tech hinter uralten Mauern: die Brillenmacher in der Riesengasse. ©W. Kräutler

Vor Jahren erstand ich dort meine erste rote Lesebrille. Als ich dann eine echte Brille brauchte, war guter Rat teuer. Ich fand nur eine Brillenfassung, die mir 100-prozentig gefiel. Es war die meiner Lesebrille. Rund und rot. Ich ließ mir kurzerhand meine Gleitsichtbrillengläser in die Lesebrille einfassen. Kein Problem, fand der junge Optikermeister. Eine Aussage, die mir sehr behagte. 

Alexander Gartner, Brillenmacher

Alexander Gartner,  Optikermeister mit Hang zur Innovation. ©W. Kräutler


Dabei hatte mir Alexander Gartner erzählt, eine eigene Brillenmanufaktur aufziehen zu wollen. Ich stutzte: Hier in der Altstadt? Der Besitzer in 4. Generation des Optikergeschäftes ‚Renate Hopffer‘ meinte es offenbar ernst und war zuversichtlich eine Marktlücke füllen zu können. Für mich war das damals schwer zu glauben bei der Vielzahl der sich preislich stets unterbietenden Brillen-Discounter.

‘Brillen – Assembling’ als Stichwort

Heute, drei Jahre später, stehen hinter den gotischen Mauern in der Riesengasse 5 gleich mehrere High-Tech-Geräte bereit, Brillenfassungen in allen Formen und Farben zu produzieren. Der Laden brummt und summt, wie man so schön sagt. Damit hat Alexander Gartner gerechnet. „Es liegt im Trend der Zeit, individuell maßgeschneiderte Brillen anzubieten“, stellt er sachlich-cool fest. „Assembling heißt das Stichwort“, sagt er und drückt mir eine Brille in die Hand, die ich so noch nie gesehen habe. Grüne Brillenfassung mit blauen Bügeln in einer sehr extravaganten Form. Ist die vielleicht Teil einer größeren Brillenkollektion?

Die Qual der Wahl: 612. 000 potentiell unterschiedliche Brillen

Der Unterschied zwischen den Billig-Discountern und der Brillenmanufaktur der Brillenmacher ist in einem Satz erklärt: Ein Brille, die nach genauem Kundenmaß gefertigt worden ist, hat eine idealere Passform als die ‚Konfektionsbrillen‘, mögen sie noch so exklusiv und teuer sein. Seine rund 120 Brillenmodelle kann Gartner in jeweils 150 Größen und 34 Farben und Mustern anbieten. Was utopisch klingende, gigantische 612.000 Kombinationsmöglichkeiten eröffnet. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Der größte Wettbewerbsvorteil der Brillenmacher in Innsbrucks Altstadt: Jede Brille kann auf jeden einzelnen Kunden individuell und auf den Zehntelmillimeter genau angepasst werden. Genauso wichtig: Auswahl von Form und Farben sind in einem unglaublichen Ausmaß möglich. Das macht die Brillen der Brillenmacher einzigartig. 

Computergesteuerte Fräsmaschine

Die eigentliche Innovation sind die von Gartner in mehrjähriger Arbeit selbst entwickelten computergesteuerten Fertigungsmaschinen. Deshalb ist er auch der einzige österreichische Optiker, der die Brillenbügel selbst herstellen kann. Klingt für Laien wie mich logisch, ist es aber nicht: Ein Brillenbügel ist nur 3 mm dick. Und ausgerechnet hier muss eine 1,2 mm dicke Nadel auf 14 cm Länge ‚eingeschossen‘ werden. Dafür muss man Feinmechanik in Reinkultur beherrschen.

Brillenfassungen aus Azetat

Das Ausgangsmaterial für Innsbrucks schönste Brillenkollektion ist Azetat. „Dessen Hauptbestandteil ist Zellulose, ein Stoff der aus Holz gewonnen wird“, erklärt mir Gartner. „Unsere Brillen sind nicht aus Erdöl-Plastik hergestellt und rufen daher auch keine allergischen Hautreaktionen hervor.“ Was diese Brillen jedoch mit Sicherheit hervorrufen: Aufmerksamkeit.

Blau Grüne Brille der Brillenmacher

Extravagant: die Farben Blau und Grün. ©W. Kräutler

Sich selbst per Brille neu erfinden

Ich habe mir vor zwei Jahren auf Vorschlag von Alexander meine eigene Brille ‚designen‘ zu lassen. Mir war es einfach zu lästig geworden, die billig hergestellten Lesebrillen alle paar Monate wegzuschmeißen und die optischen Gläser jeweils in eine neue einzupassen. Alexander hat mir damals dieselbe Brillenform in Azetat angefertigt. Individuell angepasst und wunderschön.

Zugegeben: Die rote Lesebrille ist quasi zu meinem ‚Markenzeichen‘ geworden. Woher ich das weiß? Die Leute erkennen mich sogar dann, wenn ich meinen Mund-und-Nasenschutz trage. Mit anderen Worten: Ich habe mich neu erfunden…

Brillenmacher Brille

Mein Modell ‘Schule der Alm’ der Brillenmacher aus der Riesengasse. ©W. Kräutler

Mein Geschenkstipp:

Ein Gutschein für eine Designerbrille der Brillenmacher. Einen ersten Überblick über die riesige Zahl von Möglichkeiten bietet die Website der Brillenmacher. [2]

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