Die Malerwerkstatt Heinz Vielkind dürfte den meisten Innsbruckern und Gästen ziemlich unbekannt sein. Die Werke dagegen kennt jeder, der schon einmal seine Ski- oder Wanderstiefel in einem Skigebiet angeschnallt hat und sich im Pisten- und Liftgewirr zu verfahren bzw. verlaufen drohte, oder einfach neugierig war, welche Berge ihn denn hier nun umgeben, wohin man wandern könnte, in einem Skiatlas verträumt herumblättert oder Neuschneehöhen und geöffnete Pisten auf seinem Smartphone vergleicht. Ein Besuch beim Panoramakartenmaler.

In meiner Jugend lag ein richtig dickes, fettes Buch auf unserem Wohnzimmerschreibtisch. Der “Skiatlas der Alpen”, mein Tor vom Flachland hin zur großen weiten Abenteuerwelt der Berge. Unglaubliche Panoramen sah man, wollte unbedingt einmal diese Orte mit Ski oder Wanderschuhen an den Füßen erkunden. Der Mann, der diese Träume malte, hat seine Werkstatt im Zentrum von Innsbruck.

Vielkind, panorama, karte, innsbruck

Heinz Vielkind in seiner Werkstatt

Zwischen Landschaftsfotografie und Navigationssoftware

Die Panoramamalerei war früher gleichrangig mit geografischen Landkarten, heute ist es eine kleine Nische der Darstellenden Kunst. Sie kombiniert die moderne Kartografie mit klassischer Landschaftsmalerei. Nur drei bis vier Maler gibt es weltweit, Vielkind ist der wohl Bekannteste im Alpenraum. Seine Aufgabe ist es das Schöne, das Gewünschte einer Region, einer Stadt oder eines ganzen Landes nachvollziehbar und, gemessen am Auftrag, realistisch darzustellen. Geografisch korrekte Landkarten sind für viele Menschen zu unübersichtlich. Schön soll es sein, detailgetreu, leicht verständlich und Lust auf einen Besuch machen. Egal ob beim Urlaub auf Jamaika oder in einem Alpental, Heinz Vielkind hat viele solcher Karten gemalt. Wichtig ist: “Das Volk muss die Karte verstehen”.

“Das Volk muss die Karte verstehen.”

Berge werden auf ihrer schönste Seite gedreht, manches wird vergrößert oder verkleinert, Infrastruktur muss sichtbar sein. Die Realität wird im wahrsten Sinne des Wortes zurechtgebogen. Anders ist es auch nicht möglich aus einer dreidimensionalen Landschaft ein zweidimensionales Bild zu erstellen. Platz für Infrastruktur und Beschriftung muss schließlich auch noch sein.

Vielkind, panorama, karte, innsbruck

Bleistiftskizzen sind der erste Schritt hin zur Panoramakarte.

Vielkind, panorama, karte, innsbruck

Arbeitsmaterial: Bleistift, Farbe und Google Earth.

Vielkind, panorama, karte, innsbruck

“Im norddeutschen Winterberg war es wichtig die Lifte und Berge größer wirken zu lassen.”

Die Karten sind zwar nicht realitäts- oder maßstabsgetreu, aber doch so realistisch und detailverliebt, dass sie manchmal gar für einen Kartenprofi Erstaunliches leisten. Sie akzentuieren die Schönheit einer Region, befinden sie sich doch zwischen Landschaftsmalerei und geografischer Exaktheit, vernachlässigen aber nicht die Genauigkeit, um Orientierung zu bieten.

Vielkind ist 2016 schon weit über dem gesetzlichen Rentenalter, malt aber weiterhin eine Handvoll Panoramen pro Jahr. Der Begründer der Panoramamalerei, Professor Heinrich C. Berann, war sein Lehrmeister. Anlässlich der ersten Olympischen Spiele in Innsbruck 1964 galt es als sein “Meisterstück” die Alpenmetropole zu portraitieren. Das Olympische Dorf in der Stadt, die Skibewerbe in der Axamer Lizum, die Bobbahn am Patscherkofel und die Langlaufbewerbe in Seefeld. Alles musste zweidimensional aus der Vogelperspektive auf einer Karte dargestellt werden. Ein gemaltes Panorama, das durch die olympische Bühne weltweite Bekanntheit erreichte.

“Das Olympiapanorama war 1955/1956 eine meiner ersten eigenen Arbeiten unter dem strengen Regiment von Direktor Dr. Kettel (Anm. d. R.: damaliger Chef des Tourismusverbandes Innsbruck) . Das war ein hartes Stück Arbeit. Und sehr lehrreich.”

Die Arbeitsweise von Heinz Vielkind unterscheidet sich heute nur in seinen eingesetzten Hilfsmitteln von der der Anfangszeit. Er verschafft sich einen Überblick mit Fotos, Landkarten und “manchmal muss man auch mehrfach über die Landschaft mit dem Flugzeug fliegen. Das ist der angenehme Teil meiner Arbeit.” Danach werden Skizzen erstellt, später werden diese mit Tempara-Farbe ausgemalt.

Die Innsbrucker Panoramakarten

Die aktuelle Sommerkarte mit den neuen MTB-Strecken und weiteren Sommerangeboten. Copyright © Innsbruck Tourismus Dieses Panorama unterliegt in jeglicher Version dem Copyright des Innsbrucker Tourismusverbandes.

Die aktuelle Sommerkarte mit den neuen MTB-Strecken und weiteren Sommerangeboten.
Copyright © Innsbruck Tourismus Dieses Panorama unterliegt in jeglicher Version dem Copyright des Innsbrucker Tourismusverbandes.

panorama innsbruck

Das aktuelle “nackte” Sommerpanorama ohne die Layer mit Angeboten. Eigentlich doch fast schön so, oder nicht?
Copyright © Innsbruck Tourismus Dieses Panorama unterliegt in jeglicher Version dem Copyright des Innsbrucker Tourismusverbandes.

Hach, schön, einfach schön. Copyright © Innsbruck Tourismus Dieses Panorama unterliegt in jeglicher Version dem Copyright des Innsbrucker Tourismusverbandes.

Lieblingsberge! Lieblingspanorama!
Copyright © Innsbruck Tourismus Dieses Panorama unterliegt in jeglicher Version dem Copyright des Innsbrucker Tourismusverbandes.

Das schwierigstes Panorama? Das Skipanorama am Arlberg. Die Gemeinden Lech-Zürs und St. Anton feilschten um jeden Zentimeter Raum und Bedeutung auf den touristisch wichtigen Panoramakarten.

Das persönlich wichtigste Panorama?Ein 360° Panorama der japanischen Stadt Takayama in der Provinz Hida. Ich musste für das 5,6 Meter große Panorama eine zweite Werkstatt dazu mieten, auf drei Tapeziertischen arbeiten und durfte viermal über den wunderschönen, fast natürlich erhaltenen Nationalpark fliegen. Sie haben mein Panorama auf 20 Meter Länge vergrößert im “Earth Wisdom Center” aufgestellt.”

Digitale Disruption und Klimawandel?

Ob die schwindenden Winter und die digitale Revolution dem 78-jährigen Maler Sorgen für ihn oder seine Nachwuchsmalerin, Ingrid Schultus-Föger bereiten? Aktuell bekommt Vielkind vermehrt Anfragen für Sommerkarten mit neuen Mountainbike-Strecken und -Angeboten. Er zeigt auf sein Smartphone. Pokémon Go hat er sich gleich heruntergeladen, eine Weile gespielt und war fasziniert: “Vielleicht wird man irgendwann diese kleinen Tierchen auf gemalten Panoramakarten sammeln!”

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