Das Geheimnis des Hutmachens

„Es gibt keinen Tiroler Hut“

Den Hut vor ihm ziehen, oder noch lieber einen von ihm machen lassen. Albert Held ist der letzte Hutmacher in vierter Generation in Tirol. Angefangen hat alles 1892 als feines Hut- und Bekleidungsgeschäft und K&K-Hoflieferant. Heute ist das Geschäft Träger des Tiroler Landeswappens für Traditionshandwerk, das Gewerbe des Hutmachers gibt es aber nicht mehr.

In seinem Geschäft in Innsbruck am Burggraben bzw. Franziskanerplatz verkauft er Hüte und Fischereibedarf. Die Werkstatt dahinter, in der Stiftgasse, ist Ort meditativer Arbeit. Passt irgendwie zusammen: Fischen  und Hüte machen. Vom Hutmachen alleine konnte er nicht leben. „Fischen ist mein Hobby, deswegen habe ich mein Geschäft erweitert und verkaufe Ruten und Rollen“, sagt Albert. Wir waren gleich per Du. Meinereiner – ja auch ein Petrijünger: Als kleines Kind habe ich hier mein erstes Fischzeug gekauft. Schön, wenn man an einen so erinnerungsreichen Ort zurückkehren darf.  Das Geschäft sieht immer noch gleich aus, nur Albert ist ein wenig älter geworden.

Hutmacher, Innsbruck, Albert Held

Ruhig und besonnen wirkt er. Albert zeigt mir ein paar Arbeitsschritte auf den alten Maschinen. Wie die modernen Geräte aussehen, weiß er selbst nicht. Es scheint ihn auch nicht zu interessieren: „Ich mache alles mit dem Auge und der Hand“, betont er. „Die Maschinen sind 60 bis 70 Jahre alt, die Mechanik funktioniert einwandfrei.“ Sein Sohn hätte gerne ein paar neuere Maschinen, aber Albert lacht und meint: „Ich bin dagegen! Alles Übungssache.“ Er hat einen Sinn und ein Gespür für Tradition. „Meine Hüte haben einen sehr guten Ruf“,  ist Albert stolz. „Sie kosten mehr als woanders, sind perfekt gemacht und sitzen genau –  das soll auch so bleiben!“  Auch jeder Handgriff sitzt, Hektik gibt es hier nicht. In der Werkstatt in der Altstadt ist es dunkel, nur bei den Maschinen sind Lampen befestigt und spenden Licht, wo er es braucht.

„Imprägnieren: Wasser abstoßen. In die Dampfglocke legen: den Filz formbar machen.
Formen: nach der Dampfglocke hat man kurz Zeit, den Filz über eine Holzform zu ziehen und mit Nägeln und Schnüren zu fixieren.
Apprettieren: den Filz steif machen, also im Ofen trocknen.“
Dann wird er noch gebürstet und bekommt ein schönes Muster, der überstehende Rand wird abgeschnitten. Am Schluss bekommt der Hut einen Einfass, ein Stretchband, eine Schnurgarnitur oder flotte Quasten. Zehn Stunden Handarbeit stecken dahinter, die einem 250 Euro Wert sein müssen.

Hutmacher Innsbruck

In diesem Arbeitsschritt wird der Hut formbar gemacht.

„So etwas wie einen Tiroler Hut gibt es nicht“, das ist eine Erfindung. Gemeint ist damit der grüne Hut, der in vielen Souvenirläden erhältlich ist. Es gibt also keine spezielle Tiroler Form oder Farbe, manchmal aber eine Aufschrift. „Jedes Tal oder jede Region hat eigene Hüte.“ Innsbrucker Hut gibt es auch keinen. Schade eigentlich!

Ob es berühmte Leute gibt, die seine Hüte gekauft haben? Albert scheint mir bescheiden, etwas nicht zu sagen. Aber Tirols Landeshauptmann habe einige Hüte von ihm gekauft. Tirols Musikkapellen, Schützenkompanien und Trachtenvereine sind seine Kunden. „40.000 Trachten- und Hutträger gibt es im Land. Ich fertige nur auf Bestellung.“

Was das Geheimnis des Hutmachens ist? „Die Holzformen, von denen ich 700 Stück im Keller habe.“ Sie sind 80 bis 100 Jahre alt, alle von ehemaligen Hutmachern zusammengekauft. „Leider haben sie manche einfach verbrannt.“ Albert hat einen seltenen Schatz eines Tiroler Kulturgutes in seinem Keller. Gingen die Formen verloren, würde damit wertvolles Hutmacherwissen für immer verschwinden. Er ist ein Bewahrer einer Innsbrucker Identität.

Hutmacher Innsbruck

Über 700 Hutformen befinden sich im Keller des Hutmachers. Albert und Sohn Lorenz hüten einen besonderen Schatz.

Schön, dass sein Sohn Lorenz den Wert des alten Handwerks erkannt hat und seinem Vater folgt. Albert ist nämlich in Pension und hilft nur mehr ein wenig aus; übernommen hat die Werkstatt samt Geschäft sein Sohn. Es gibt also noch junge Menschen, die Altes gerne bewahren und pflegen.

„Tirols Gäste kommen sehr gerne zu uns. Wir sind ein Fixpunkt für Stadtführer mit ihren Gruppen, auch Bedienstete des Landestheaters sind oft hier.“ Wer altes Handwerk und seine Qualität schätzt, der möge doch mal reinschauen. Ein wertvolles und nützliches Souvenir sind die Hüte vom Burggraben allemal: http://www.held-innsbruck.at

Held KG
Burggraben 25-27 – Franziskanerplatz
6020 Innsbruck – Tirol
Tel.: (+43) 512 / 586327
E-Mail: info@held-innsbruck.at